DOMRADIO.DE: Die Caritas ist erstmalig mit einer Fußgruppe beim Rosenmontagszug dabei, im Kölner Karnevalszug. Wie fühlt sich das an?
Eva-Maria Welskop-Deffaa (Präsidentin des Deutschen Caritas-Verbands): Ich freue mich riesig. Ich habe früher schon Karnevalserfahrung gesammelt – ich habe zwölf Jahre in Hürth gelebt und bin dort in kleineren Zügen mitgelaufen, zum Beispiel mit unserer katholischen öffentlichen Bücherei. Jetzt hier beim großen Kölner Rosenmontagszug dabei zu sein, ist etwas Besonderes.
DOMRADIO.DE: Sie sind heute auch wegen eines Jubiläums hier.
Welskop-Deffaa: Genau: Der Caritasverband für die Stadt Köln wird 111 Jahre alt. Und Köln ist für die Caritas ohnehin ein besonderer Ort – hier wurde auch der Deutsche Caritasverband gegründet. Deshalb feiere ich innerlich gleich doppelt.
DOMRADIO.DE: Das diesjährige Motto stellt das Ehrenamt in den Mittelpunkt. Passt das zur Caritas?
Welskop-Deffaa: Sehr. Es ist gut, dass der Karneval sichtbar macht, wie viel zivilgesellschaftliches Engagement es in Deutschland gibt. Das ist fast schon ein ernster Gedanke – aber genau das leben wir bei der Caritas jeden Tag: Hauptamtliche und Ehrenamtliche arbeiten zusammen, packen gemeinsam an. Und das feiern wir heute im Zug.
DOMRADIO.DE: Sie sind passend kostümiert. Was haben Sie an Kamelle dabei?
Welskop-Deffaa: Wir haben extra verpackte Kamelle mit unserem Motto "Gemeinsam statt einsam". Sie wurden in unseren Werkstätten eingepackt. Ich mag den Gedanken dahinter: Teilen, großzügig sein, etwas abgeben - das sollte man nicht nur an Karneval spüren. Miteinander sind wir reicher, als wenn jede und jeder seine Süßigkeiten in der Tasche behält.
DOMRADIO.DE: Auch Kappen und Taschen kommen aus Caritas-Werkstätten.
Welskop-Deffaa: Ja, meine Kappe hat sogar eine kleine Glocke. Ich werde davon heute Nacht wahrscheinlich träumen. Und natürlich rufe ich konsequent "Alaaf" - "Helau" kommt mir höchstens eine halbe Stunde später in den Sinn.
DOMRADIO.DE: Ein bisschen Respekt muss man auch haben: Die Strecke ist lang.
Welskop-Deffaa: Stimmt. Aber die Kolleginnen und Kollegen haben schon angekündigt: Wenn es gar nicht mehr geht, darf ich mich zwischendurch hinsetzen. Das ist sehr freundlich. Ich bin 66 – da muss man haushalten. Aber ich bin zuversichtlich: Das kriegen wir hin.
Das Interview führte Johannes Schröer.