Präses Latzel fährt auf Düsseldorfer Toleranzwagen mit

"In Liebe mit anderen streiten"

Im Düsseldorfer Rosenmontagszug fahren auch Vertreter von acht Religionsgemeinschaften mit. Sie wollen mit den Jecken schunkeln und feiern und zugleich ein Zeichen für Dialog und Toleranz setzen. Thorsten Latzel ist einer von ihnen.

Autor/in:
Ingo Lehnick
Toleranzwagen auf dem Düsseldorfer Rosenmontagszug / © Simone Walter (DR)
Toleranzwagen auf dem Düsseldorfer Rosenmontagszug / © Simone Walter ( DR )

epd: Was motiviert Sie, auf dem Toleranzwagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug mitzufahren?

Thorsten Latzel, Präses der rheinischen Landeskirche / © Hans-Jürgen Bauer (epd)
Thorsten Latzel, Präses der rheinischen Landeskirche / © Hans-Jürgen Bauer ( epd )

Thorsten Latzel (Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland): In der Gesellschaft driften wir zurzeit eher auseinander, da brauchen wir starke Zeichen von Gemeinschaft über Grenzen hinweg. Es ist gut, wenn wir als Kirchen und Religionsgemeinschaften dabei vorangehen und Vorbild sind. So verschieden unser Glauben ist, jede und jeder tritt aus der eigenen Tradition ein für Begegnung, Wertschätzung des anderen und eine Gesellschaft, in der wir ohne Angst verschieden sein können. 

Wenn wir auf dem Toleranzwagen gemeinsam feiern, ist das ein starkes und wichtiges Signal. Und für mich meine erste richtige Teilnahme am rheinischen Karneval, auf die ich mich sehr freue.

Thorsten Latzel

"Wir brauchen den Mut, in Liebe mit anderen zu streiten."

epd: An welchen Stellen in unserer Gesellschaft brauchen wir mehr Toleranz?

Latzel: Wir brauchen sie überall: auf den Schulhöfen, bei der Arbeit, in unseren Familien, auch in unseren Kirchen. Ob Ukraine, Klima, Migration, Gendern, Corona - wir haben eine Fülle von Themen, bei denen es uns schwerfällt, mit anderen zu reden. Und das ist nicht gut. Toleranz ist für mich dabei immer nur ein Zwischenschritt. Wir brauchen den Mut, in Liebe mit anderen zu streiten. 

Dazu gehört es, erst einmal hinzuhören, die Erfahrungen und Anliegen meines Gegenübers zu verstehen, zwischen Person und Meinung zu unterscheiden, Differenzen inhaltlich klar zu benennen, aber davon die Beziehung nicht bestimmen zu lassen. Christlich gesprochen meint das Nächstenliebe. Das kann man übrigens vom Karneval lernen: Jeder Jeck ist anders.

epd: Wo sollte Toleranz auch Grenzen haben, um die Grundwerte unserer Gesellschaft zu schützen?

Latzel: Die Grenzen liegen bei einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit: dort, wo Menschen ihre Würde abgesprochen wird, wo Nationalismus und Hass verbreitet werden, wo unsere offen-demokratische Gesellschaft angegriffen wird. Konkrete Beispiele sind dafür der wachsende Antisemitismus, das unselige Geraune von Remigration, die abwertende Rede von Menschen anderer Herkunft, anderer sexueller Orientierung, anderen Aussehens oder anderer Religion. 

Das widerspricht zutiefst dem christlichen Glauben. Jesus Christus hat uns gelehrt, selbst unsere Feinde zu lieben. Das heißt aber nicht, andere einfach machen zu lassen - es gilt, Menschen und ihre Taten zu unterscheiden. Gegenüber Gewalt, Hass und Intoleranz gibt es keine Toleranz.

Das Interview führte Ingo Lehnick.

Darum feiern Menschen jetzt Fasching, Fastnacht oder Karneval

Konfetti, Kostüme, Kamelle: In vielen Regionen herrscht bald der Ausnahmezustand. Wer mitfeiert, genießt die Heiterkeit im grauen Winter. Hinter vielen Bräuchen steckt derweil noch mehr.

Mit der Bezeichnung "fünfte Jahreszeit" können Rheinländer, Mainzer, Bayern und auch die Basler alle etwas anfangen. Doch der Lokalpatriotismus steckt den Narren im Blut, deswegen feiert jede jecke Region schon namentlich anders: Fasching, Fastnacht oder Karneval. Das närrische Treiben wirft aber auch darüber hinaus manche Fragen auf. Die wichtigsten Antworten:

Konfetti an Karneval / © Julia Steinbrecht (KNA)
Konfetti an Karneval / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
epd