Viel los bei Papst Franziskus

Ein Kommen und Gehen im Vatikan

Es war ein voller Tag für den Papst. Das Kirchenoberhaupt traf mit Vertretern unterschiedlicher Länder und Institution zusammen. Unter anderem mit dem Rat des vatikanischen Synodensekretariats und Armeniens Staatspräsident.

Papst Franziskus: Daumen hoch / © Paul Haring (KNA)
Papst Franziskus: Daumen hoch / © Paul Haring ( KNA )

Papst Franziskus hat am Montag den Rat des vatikanischen Synodensekretariats empfangen. Dabei dürfte es um die am vergangenen Wochenende im Vatikan eröffnete Weltsynode gegangen sein. Einzelheiten zu dem Gespräch teilte der Vatikan nicht mit.

Die Weltsynode, ein zunächst auf gut zwei Jahre angelegter weltweiter, mehrstufiger Prozess, soll die katholische Kirche offener und dialogorientierter machen. Zudem geht es darum, konkrete Fragen, Probleme wie auch Ideen zu sammeln und anzugehen.

Das Gremium wird am Ende jeder ordentlichen Synodenvollversammlung gewählt und berät das Synodensekretariat bei der Vorbereitung der nächsten Synode. Die Bischofsversammlung der nun begonnenen Synode für eine synodale Kirche ist für Oktober 2023 geplant.

Dem aktuellen, seit 2018 amtierenden Rat des Synodensekretariats gehören unter anderen an: die Kardinäle Christoph Schönborn (Wien), Oswald Gracias (Bombay), Sergio da Rocha (Brasilia), Juan Jose Omella (Barcelona), Matteo Zuppi (Bologna) und Charles Bo (Yangoon).

Papst empfängt Leitung der US-Bischofskonferenz

Zudem hat Papst Franziskus am Montag das Präsidium der US-Bischofskonferenz empfangen. An dem Treffen nahmen laut Vatikanangaben der Vorsitzende, Erzbischof Jose Gomez von Los Angeles, sein Stellvertreter, Erzbischof Allen Vigneron von Detroit, sowie Generalsekretär Michael Fuller teil. Über Gesprächsinhalte wurde zunächst nichts bekannt. Das Präsidium der US-amerikanischen Bischöfe ist gewöhnlich jeden Oktober in Rom, bevor sich im November die gesamte Bischofskonferenz zur Vollversammlung trifft.

Beobachter gehen davon aus, dass es beim Treffen mit dem Papst unter anderem um den Streit der US-Bischöfe über den Kommunionempfang für katholische Politiker ging, die eine liberale Abtreibungsgesetzgebung befürworten. Des weiteren könnte es um den Klimagipfel im November in Glasgow gegangen sein, zu dessen Vorbereitung auch die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, kürzlich in Rom und im Vatikan war.

Ebenso könnte der bevorstehende Besuch von US-Präsident Joe Biden zum G20-Gipfel Ende Oktober in Rom ein Thema gewesen sein. Ob Biden bei der Gelegenheit auch eine Audienz bei Franziskus erhält, ist noch unklar. Weder das Weiße Haus noch der Vatikan haben dies bislang bestätigt.

Afrikanische Bischöfe und Armeniens Staatspräsident Sarkissjan bei Papst Franziskus

Wieter zu Beusch beim Papst war das Präsidium des Symposiums der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar. An der Begegnung nahmen der Vorsitzende, Kardinal Philippe Nakellentuba Ouedraogo von Ouagadougou (Burkina Faso), sein Stellvertreter Bischof Lucio Andrice Muandula von Xai-Xai (Mosambik) sowie Generalsekretär Henry Terwase Akaabiam teil. Über Inhalte der Unterredung teilte der Vatikan zunächst nichts mit.

Auch der armenische Staatspräsident Armen Sarkissjan ist am Montag vom Papst in Privataudienz empfangen worden. Es war der erste Besuch des Staatsoberhaupts bei Franziskus. Über Inhalte der rund 40-minütigen Unterredung wurde zunächst nichts bekannt. Im Anschluss traf der Präsident mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zusammen. Sarkissjan ist seit April 2018 Staatspräsident seines Landes, 1996 und 1997 war er kurzzeitig Ministerpräsident.

In der vergangenen Woche war bereits das Oberhaupt der Armenischen Kirche, Katholikos-Patriarch Karekin II., im Vatikan zu Gast. Er nahm an einem Klima-Gipfel von Religionsvertretern sowie am interreligiösen Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio teil. Zudem traf er mit Franziskus zu einem persönlichen Gespräch zusammen.

Papst ernennt Italiener zum neuen Zeremonienmeister

Unterdessen wird der Italiener Diego Giovanni Ravelli (55) neuer Zeremonienmeister von Papst Franziskus. Der Vatikan gab die Ernennung des Liturgieexperten am Montag bekannt. Der aus dem norditalienischen Lazzate stammende Priester war bisher als Büroleiter in der Apostolischen Almosenverwaltung sowie als päpstlicher Zeremoniar tätig.

Ravelli tritt die Nachfolge von Guido Marini (56) an, der 14 Jahre lang für die liturgische Gestaltung der päpstlichen Gottesdienste verantwortlich war. Der promovierte Kirchenrechtler mit einem Abschluss in Kommunikationspsychologie war im Oktober 2007 von Benedikt XVI. in sein Amt berufen worden. Franziskus bestätigte ihn 2014. Vor einigen Wochen beförderte das Kirchenoberhaupt den Genueser Marini zum Bischof von Tortona in Norditalien. Am Sonntag im Petersdom bei der Eröffnung zur Weltsynode hatte Marini seinen letzten Auftritt als Päpstlicher Zeremonienmeister.

Das Amt für Liturgische Feiern des Papstes bereitet die liturgischen Feiern des Papstes im Vatikan wie im Ausland vor und koordiniert diese. Die Zeremoniare unterstützen den Papst - und gelegentlich Kardinäle - bei liturgischen Handlungen, meistens sind es Eucharistiefeiern.

Papst lobt Schwesternorden: "Meisterinnen der Tat"

Schließlich hat Papst Franziskus den Orden der Barmherzigen Schwestern der heiligen Jeanne-Antide Thouret für sein karitatives Engagement gewürdigt. Der Orden habe stets einen "wertvollen Beitrag" zum Wohl der gesamten Kirche geleistet, sagte er am Montag vor Vertreterinnen der Kongregation. Seit 25. September findet in Rom das 21. Generalkapitel der Barmherzigen Schwestern statt. Die Konferenz dauert bis zum 15. Oktober.

"Ihr seid keine Meisterinnen des Wortes, sondern der Tat", sagte Franziskus bei dem Empfang im Vatikan. Er ermutigte die Frauen, sich weiterhin "mit der Zärtlichkeit und dem Mitgefühl Gottes" um Alte, Kranke, Arme und Ausgegrenzte zu kümmern. Die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern wurde 1799 von der französischen Heiligen Johanna Antida Thouret (1765-1826) gegründet. Inzwischen gehören ihr mehrere tausend Frauen in rund 30 Ländern an.

Polische Bischöfe im Vatikan

Eine zweite Gruppe polnischer Bischöfe ist am Montag zu Gesprächen im Vatikan eingetroffen. Die Bischöfe aus den Kirchenprovinzen Posen, Danzig (Gdansk), Stettin-Cammin und Breslau (Wroclaw) halten sich bis zum Wochenende zu ihrem sogenannten Ad-limina-Besuch in Rom auf. Am Ende ist auch eine Begegnung mit dem Papst vorgesehen. Bis dahin führen die Bischöfe Gespräche in etlichen Vatikan-Behörden.

Wer die Welt reformieren wolle, müsse bei sich selbst anfangen, sagte der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki von Posen, dem Portal "Vatican News" (Montag). Der Besuch im Vatikan sei Impuls für Aufbruch und Rückbesinnung auf die Wurzeln gleichermaßen.

Bereits vor einigen Tagen hatte eine erste Gruppe polnischer Bischöfe den Vatikan besucht. Teilnehmer berichteten später von einer "brüderlichen" Atmosphäre im Gespräch mit dem Papst. Eine von Medien erwartete Standpauke wegen des Umgangs mit Missbrauchsfällen in Polen sei ausgeblieben.

Ad-limina-Besuch im Vatikan

Alle fünf bis sieben Jahre sind die katholischen Bischöfe aus aller Welt laut dem Kirchenrecht zu einem Ad-limina-Besuch im Vatikan verpflichtet. Bei den polnischen Bischöfe war dies zuletzt vor mehr als sieben Jahren der Fall. Wegen der Pandemie verzögerte sich die aktuelle Besuchsreihe. Erst seit September gibt es wieder Ad-limina-Besuche im Vatikan. Den Auftakt bildeten die Bischöfe aus Frankreich.

Ihren Ursprung haben diese Visiten in der Reise zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus in Rom, auf Lateinisch "visitatio ad limina apostolorum" (Besuch an den Schwellen der Apostelgräber). Daraus erwuchs die Kurzformel "ad limina". In ihrer heutigen Form gehen sie auf Papst Sixtus V. (1585-1590) zurück. Er legte fest, dass die Bischöfe der europäischen Länder regelmäßig in Rom zu berichten hatten.

Quelle:
KNA