Evangelische Kirche veranstaltet Nikolaus-Gottesdienst via Zoom

"Ein anderes, gemütliches Format"

Am Nikolaus-Abend veranstaltet die evangelische Citykirche in Kaiserslautern einen Zoom-Gottesdienst. Dieser wurde schon lange geplant und trifft genau jetzt den Zahn der Zeit zum Nikolaustag, findet Pfarrerin Katherina Westrich.

Ein Paar schaut auf einen Laptop / © Lucky Business (shutterstock)
Ein Paar schaut auf einen Laptop / © Lucky Business ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Sie wollen diesen Gottesdienst am Nikolaus-Abend um 18 Uhr mit Musik und Kerzenschein feiern. Wie muss ich mir das vorstellen? Sitzt dann jeder vor seinem Bildschirm und singt mit?

Katharina Westrich (Evangelische Pfarrerin in Kaiserslautern): Genau so wird es ungefähr laufen. Man kann sich über einen Zoom-Link einwählen und auch eine Karte und eine Schnur bereithalten. Was es damit auf sich hat, das erfährt man dann am Abend. Man zündet gemeinsam eine Kerze an, man hört etwas über die Nikolauslegende, man betet gemeinsam und man kann auch gemeinsam singen über Zoom. Die Zugangsdaten findet man über unsere Homepage. Da ist ein Link und da findet man die Meeting-ID und das Kennwort zum einloggen in Zoom.

DOMRADIO.DE: Viele der Texte für den Gottesdienst haben Sie selber verfasst. Was sind das für Texte?

Westrich: Das ist ganz unterschiedlich. Es wird Gebete geben, es wird eine Kerzeneinleitung geben, wo wir eine Kerze gemeinsam anzünden. Es wird natürlich eine Nikolauslegende gelesen, ein bisschen was über den Nikolaus erzählt und es geht im Wesentlichen um Goldkugeln.

Wir überlegen dann gemeinsam mit dem Gottesdienst-Teilnehmerinnen, welche Bedeutung denn Goldkugeln für uns heute in unserem Leben haben und welche Sehnsüchte und Wünsche wir jetzt gerade in dieser doch etwas turbulenten Adventszeit mitbringen. Und das kann man dann auch im Chat mit anderen teilen und so auch aktiv an diesem Gottesdienst teilnehmen.

DOMRADIO.DE: Jetzt sind Gottesdienste unter Auflagen ja eigentlich möglich und viele Menschen haben keine Lust mehr auf digitale Angebote per Videokonferenz. Warum machen sie es trotzdem?

Westrich: Also wir haben diese Idee im Sommer schon aufgegriffen und uns dann damit beschäftigt. Dieser Zoom-Gottesdienst ist tatsächlich keine Notlösung, sondern er will einfach ein anderes Format bieten, weil es doch tatsächlich genügend Menschen gibt, die es sich lieber zu Hause gemütlich machen, auf dem eigenen Sofa oder am Esstisch mit der Familie einem Gottesdienst beiwohnen, als dann den Weg in die Kirche auf sich zu nehmen. Man erreicht ein anderes Publikum.

Als die Idee im Sommer geboren wurde, haben wir noch gefragt, ob wir dann zu Nikolaus überhaupt dem Zahn der Zeit gerecht werden. Aber jetzt, wo die Zahlen überall wieder steigen, glauben wir, dass wir da im Moment sogar mehr als 'up to date' sind.

Es ist natürlich so, dass Gottesdienste gefeiert werden können, im Moment aber natürlich unter strengen Auflagen. Und das ist vielen im Moment zu unsicher. Die machen dann zu Hause bei einer Tasse Tee oder Glühwein im eigenen Wohnzimmer ihren Zoom-Gottesdienst.

DOMRADIO.DE: In der katholischen Kirche ist Nikolaus ein Heiliger. Jetzt hört man ja oft diesen Satz, dass Heilige in der evangelischen Kirche keine Rolle spielen. Warum feiern Sie dieses Fest heute?

Westrich: Ja, also es ist ja durchaus ein Tag, nicht wie jeder andere. Natürlich feiern wir in dem Sinne keine Heiligen, aber für uns ist die Botschaft, die der heilige Nikolaus für die Menschen bereithält, eine durchaus aktuelle. Und so haben wir uns entschlossen, den ersten Zoom-Gottesdienst, den wir starten, am Nikolaustag zu machen.

Das Interview führte Hannah Krewer.

Quelle:
DR
Mehr zum Thema