Diskussion um die Corona-Impfung

Kommt eine Impfpflicht?

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sieht eine moralische Pflicht, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Auch Kanzlerin Merkel rief zu Impfungen auf. Der bayerische Ethikrats-Vorsitzende betonte, man müsse eine Impfpflicht prüfen.

Hinweisschild zum Impfzentrum / © Bodo Schackow (dpa)
Hinweisschild zum Impfzentrum / © Bodo Schackow ( dpa )

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich für Impfungen gegen das Coronavirus ausgesprochen. Er nannte sie eine "moralische Pflicht". Die rechtliche Situation dagegen müssten andere prüfen und beurteilen, sagte Schick laut Mitteilung des Erzbistums auf Anfrage der Zeitung "Fränkischer Tag" (Samstag). Die moralische Verpflichtung bestehe, weil jeder Mensch sich und seine Mitmenschen vor Krankheit schützen müsse. Außerdem führte der Erzbischof die Kapazitäten im Gesundheitswesen an.

Bei ungeimpften Infizierten seien die Krankheitsverläufe gravierender, so Schick weiter. "Dadurch werden die Krankenhauskapazitäten überlastet. Andere Patienten, die wegen anderer Krankheiten ein Intensivbett bräuchten, können nicht behandelt werden." Eine moralische und ethische Impfpflicht bestehe auch darin, dass Ärzte und Pflegepersonal nicht überfordert werden dürften. "Sie können an die Grenzen ihrer Belastbarkeit durch die medizinische Versorgung und Pflege der Intensivpatienten wegen Covid-19 kommen.

Merkel ruft zu Impfungen und Solidarität auf 

Angesichts stark steigender Corona-Zahlen in Deutschland hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Impfenund zum Gemeinsinn aufgerufen. "Wenn wir zusammenstehen, wenn wir an unseren eigenen Schutz und fürsorglich an andere denken, dann können wir unserem Land in diesem Winter viel ersparen", sagte Merkel in ihrem am Samstag verbreiteten aktuellen Podcast.

Sie sei in großer Sorge wegen des Anstiegs der Corona-Neuinfektionen, der hohen Zahl an Intensivpatienten und der hohen Zahl an Todesfällen besonders in Regionen mit relativ niedriger Impfquote. Ärzte, Pflegekräfte und Intensivstationen stünden hier erneut am Rand der Überforderung. Wichtig seien nun geschlossenes Handeln von Bund und Ländern, Fortschritte bei den Impfungen und eine "nationale Kraftanstrengung" bei den Auffrischungsimpfungen, betonte Merkel.

"Nationale Kraftanstrengung unter großem Zeitdruck"

Ein einheitliches Vorgehen von Bund und Ländern sei insbesondere bei der Anwendung des Hospitalisierungsindex notwendig. Bund und Länder müssten hier "sehr schnell" einen Schwellenwert festlegen, ab dem zusätzliche Schritte eingeleitet werden müssten, erklärte die Kanzlerin. Dieser Schwellenwert müsse "klug gewählt werden, damit die notwendigen Maßnahmen nicht zu spät ergriffen werden". Auch darüber würden Bund und Länder in der nächsten Woche beraten.

Die Pandemie sei nur durch eine höhere Impfquote in den Griff zu bekommen, das zeigten Länder wie Portugal und Spanien. Anders als in der ähnlich ernsten Lage vor einem Jahr habe man nun mit dem Impfstoff das wirksamste Mittel gegen die Pandemie in der Hand: "Wir müssen nur zugreifen, schnell zugreifen", mahnte Merkel.

In einer "nationalen Kraftanstrengung unter großem Zeitdruck" bei den Auffrischungsimpfungen müsse man schnell vorangehen. Hier sei in den letzten Monaten "zu wenig, enttäuschend wenig geschehen". Die sogenannten Booster-Impfungen seien aber eine "reale Chance, die schwere Herbst- und Winterwelle der Pandemie zu brechen", so Merkel. 

Bayerische Ethikrats-Vorsitzende: Impfpflicht prüfen 

Die Vorsitzende des Bayerischen Ethikrats, Susanne Breit-Keßler, hält eine allgemeine Impfpflicht für erwägenswert. Die Situation sei "verflucht ernst", sagte die frühere evangelische Münchner Regionalbischöfin am Samstag im Bayerischen Rundfunk (BR). Die Regierung sollte dies zumindest prüfen. "Natürlich ist es ein Eingriff in die körperliche Integrität eines Menschen, wenn der sich nicht impfen lassen will." Unter Umständen verletze aber auch ein Impfverweigerer die Integrität anderer.

Die Lage in den bayerischen Krankenhäusern bezeichnete Breit-Keßler als "Katastrophe". Deshalb könne die Freiheit des Einzelnen auch beschränkt werden, wenn es um die Freiheit der Gesamtheit gehe. Einen Lockdown für Ungeimpfte, wie er in Österreich vorbereitet wird, lehnte sie ab: "Ich glaube, das fördert die Aggression in den gesellschaftlichen Gruppen nur umso mehr." Sie würde eher mit Anreizen arbeiten, sagte sie.

Die Theologin fügte hinzu, die derzeitige Situation überrasche sie nicht, der Bayerische Ethikrat habe davor schon im Juni gewarnt. "Aber man hat einfach dem Drängen der Menschen nachgegeben, die endlich wieder Sommer, Sonne, Leichtigkeit haben wollten und einfach nicht verstehen wollten, dass es ernst ist."

Erzbischof Ludwig Schick mit Atemschutzmaske (Erzbistum Bamberg)
Angela Merkel / © Tobias Schwarz (dpa)
Angela Merkel / © Tobias Schwarz ( dpa )
 Susanne Breit-Keßler  / © Tobias Hase  (dpa)
Susanne Breit-Keßler / © Tobias Hase ( dpa )
Quelle:
KNA
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