Der heutige Sonntag hat seinen Namen vom sogenannten Eingangsgesang zur Eucharistiefeier. Denn "Laetare" ist der lateinische Beginn des Eröffnungsverses des vierten Fastensonntags; er stammt aus dem Alten Testament und dem Buch des Propheten Jesaja. "Laetare Ierusalem: et conventum facite omnes qui diligitis eam": "Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt." Dieser alte Text wird als Aufforderung zur Freude an die heutigen Gottesdienstteilnehmer verstanden.
Das scheint auf den ersten Blick diametral zur österlichen Bußzeit zu stehen, die ja den Menschen daran erinnern soll, dass sein Tun auch schuldhaft ist, dass er nicht so handelt, wie es gut und richtig wäre. Die vierzig Tage seit Aschermittwoch sollen die Gläubigen auf Ostern vorbereiten, das das höchste Fest der Christen ist.
Das damit verbundene Fasten, also der Verzicht auf beispielsweise Genussmittel, hat an sich keinen Selbstzweck, sondern das geistliche Ziel, sich auf Ostern als Fest der Auferstehung Jesu Christi von den Toten vorzubereiten.
Besonderer Charakter der Gottesdienste
Die sonntäglichen Messfeiern spiegeln den Buß- und Vorbereitungscharakter normalerweise wider: Es gibt in der Regel keinen Blumenschmuck am Altar, der Gloria-Gesang entfällt, ebenso das jubelnde "Halleluja" vor dem Verlesen des Evangeliums. Meist wird die Orgel deutlich zurückhaltender gespielt; die Gesänge der Gemeinde oder der Chöre thematisieren besonders die Schuld und Erlösungssehnsucht des Menschen.
Die Lesungstexte am "Laetare"-Sonntag hingegen betonen eher die Erlösung durch Gott. Die zweite Lesung an diesem Sonntag beispielsweise fordert die Menschen auf, Kinder des Lichts zu werden, denn das Licht bringt "Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor". Im christlichen Verständnis ist dieses Licht Jesus Christus, dessen Sieg über den Tod in seiner Auferstehung an Ostern gefeiert wird.
Und so lautet eine der Erklärungen für den "Laetare"-Sonntag, dass die Freude auf Ostern und die damit verbundene Erlösung der Menschen an diesem Tag schon durchschimmert und dass dieser Sonntag als eine Art Bergfest gesehen werden kann, da die vierzig Tage der Fastenzeit (ohne Sonntage) ziemlich genau zur Hälfte vorbei sind. Die Fastenzeit bezieht sich biblisch auf eben genau die vierzig Tage, die Jesus Christus in der Wüste gefastet hat.
Dass der Charakter einer besonderen Zeit im Kirchenjahr durchbrochen wird, gibt es auch in der Adventszeit. Da heißt der entsprechende Sonntag "Gaudete" – Freut euch. Die Adventszeit hatte in früheren Zeiten durchaus auch einen Buß- und Fastencharakter; die Vorbereitung auf Weihnachten steht bis heute im Fokus in den Wochen vom ersten bis zum vierten Adventssonntag.
Parallelen zwischen Advents- und Fastenzeit
Auch in der Adventszeit gibt es keinen Gloria-Gesang an den Sonntagen, und die liturgische Farbe der Messgewänder ist die gleiche, nämlich violett. Und genau einmal wird sie aufgehellt: am besagten "Gaudete"-Sonntag und am "Laetare"-Sonntag der Fastenzeit.
"Laetare" betont die Vorfreude auf Ostern und die Vergebung Gottes in Christus, während "Gaudete" die bereits anbrechende Gegenwart Gottes in der Geburt Jesu in den Blick nimmt und zugleich auf die kommende Vollendung der Heilsgeschichte verweist.
Dass ein helleres Rosa verwendet wird, gibt es etwa seit dem 16. Jahrhundert. Das Violett wird aufgehellt, um die Freude eben auch optisch darzustellen. Diese Tradition wird an vielen, vor allem größeren Kirchen bis heute beibehalten. Das gilt aber längst nicht für alle Kirchorte. Manchmal scheitert es schlicht daran, dass es entsprechende Gewänder in der Sakristei gar nicht gibt. Dann kommt das für die Fasten- und Adventszeit vorgesehene Violett zum Einsatz – die Freude über das sich nähernde Osterfest wird dadurch aber sicher kaum getrübt werden.