Chicagoer Kardinal betont Freiheit bei politischen Aussagen

Papst Leo als Orientierung

Bekannt ist der Erzbischof von Chicago für seine politischen Stellungnahmen und Kritiken der Trump-Regierung. Warum er dafür kein grünes Licht vom Vatikan braucht, erklärt der Kardinal in dem Podcast des Jesuiten James Martin.

Kardinal Blase Joseph Cupich / © Kendall Mclaren/CNS photo (KNA)
Kardinal Blase Joseph Cupich / © Kendall Mclaren/CNS photo ( KNA )

Grünes Licht der Bischofskonferenz oder des vatikanischen Staatssekretariats für politische Stellungnahmen? Der Chicagoer Kardinal Blase Cupich sieht dafür nach eigenen Worten keinen Bedarf. Ein Teil seiner Sprache stamme von Papst Leo selbst, der ihm als Orientierung diene, sagte Cupich am Dienstag im Podcast des Jesuiten James Martin. Zusätzliche Konsultationen oder eine ausdrückliche Zustimmung seien dafür nicht nötig.

 © Bob Roller (KNA)
© Bob Roller ( KNA )

Cupich ist für öffentliche Äußerungen zur Migrationspolitik der Trump-Regierung sowie zum Krieg bekannt. Für solche Aussagen wird Cupich regelmäßig kritisiert. Er betont jedoch, dass es sich dabei nicht nur um politische Themen handle. Im Kern gehe es um die Menschenwürde, die im Zentrum des Evangeliums stehe. 

Bereits Mitte März hatte er gemeinsam mit den Kardinälen Robert McElroy (Washington) und Joseph Tobin (Newark) im US-Sender CBS erklärt, der Papst habe sie dazu inspiriert, sich zu politischen Fragen zu äußern.

"Der ruhige Papst"

In diesem Zusammenhang warf der Kardinal der US-Regierung die Veröffentlichung von Kriegsvideos vor. Dadurch werde Krieg zur Unterhaltung. "Daran ist etwas zutiefst falsch, widerwärtig und abstoßend", sagte Cupich, der seit 2014 an der Spitze des Erzbistums Chicago steht. Den amtierenden Papst, der ebenfalls aus Chicago stammt, lernte Cupich nach eigenen Angaben bei seiner Amtseinführung 2014 kennen. Damals sei Leo noch kein Bischof gewesen. Intensiver sei der Kontakt später in der vatikanischen Bischofsbehörde geworden.

Über Papst Leo sagte Cupich: "Was man sieht, ist das, was man bekommt. Er ist sehr normal." Die Italiener würden ihn il papa calmo nennen – den ruhigen Papst –, weil er sich für jeden Zeit nehme. "Er ist nicht gehetzt. Er denkt strategisch. Aber er hört zu. Er ist jemand, der neugierig auf andere Menschen ist", so Cupich weiter. Auch das Konklave beschrieb der Kardinal als tief geistliches Ereignis. Es sei kein "nüchterner Vorgang" gewesen, bei dem einfach jemand gewählt werde. 

Wörtlich sagte er: "Wir betraten einen Raum des Gottesdienstes, einen heiligen Raum. Deshalb trugen wir Chorgewänder, denn es war wirklich Liturgie. Es war von Gebet geprägt. Es war geistlich. Wir alle spürten diese Feierlichkeit."

Quelle:
KNA