Bischof Feige sieht wegen Ukraine ökumenische Zeitenwende

Unterbrochener Dialog

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige sieht infolge der Unterstützung des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. für den Krieg gegen die Ukraine eine "ökumenische Zeitenwende". Der ökumenische Dialog ist durch den Krieg erschwert.

Bischof Gerhard Feige / © Dominik Wolf (KNA)
Bischof Gerhard Feige / © Dominik Wolf ( KNA )

Zwar sei es "wichtig und richtig, nicht völlig auf Distanz zu gehen", sagte Feige in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der in Leipzig erscheinenden Kirchenzeitung "Tag des Herrn".

Es müsse aber grundsätzlich überlegt werden, "unter welchen Voraussetzungen ökumenische Dialoge überhaupt sinnvoll erscheinen und unter welchen Umständen sie nicht zu verantworten sind".

Feige ist in der Deutschen Bischofskonferenz für die Beziehungen zu den anderen Kirchen zuständig.

Beziehungen "unterbrochen oder ausgesetzt"

Der Ökumenebischof verwies darauf, dass viele Beziehungen zur Russisch-Orthodoxen Kirche derzeit "unterbrochen oder ausgesetzt" seien. Er nannte den theologischen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Moskauer Patriarchat und die Absage für ein Treffen von Papst Franziskus mit dem Patriarchen Kyrill.

"Selbst in der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, die zum Moskauer Patriarchat gehört, wächst der Widerstand gegen den eigenen Patriarchen", betonte Feige. "Viele orthodoxe Christen finden es ganz einfach unerträglich, dass dieser Krieg religiös verbrämt wird."

Der Bischof forderte, "klar Position zu beziehen". Ein solcher Angriffskrieg sei in keiner Weise zu rechtfertigen, "auch nicht aus nationalen und schon gar nicht aus religiösen Gründen".

Ökumene

Der Begriff "Ökumene" stammt aus dem Griechischen und heißt wörtlich übersetzt "die ganze bewohnte Erde". Gemeint sind die Bemühungen um die Einheit aller getrennten Christen. Die Ökumenische Bewegung ging zunächst von evangelischer Seite aus; als Beginn gilt die Weltmissionskonferenz von Edinburgh im Jahr 1910. Sie führte 1948 zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Weltkirchenrat, ÖRK) mit Sitz in Genf. Ihm gehören heute 349 reformatorische, anglikanische und orthodoxe Kirchen mit 560 Millionen Christen in 110 Ländern an.

Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz (KNA)

Quelle:
KNA
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