Armenien verhängt Ausreiseverbot für Kirchenoberhaupt Karekin II.

Illegale Einmischung?

Die Regierung in Jerewan und die Armenisch-apostolische Kirche, größte Kirche im Land, liegen seit Monaten im Streit. Manche Bischöfe halten zu Ministerpräsident Paschinjan, andere zu Karekin II. Gegen ihn geht jetzt die Justiz vor.

Karekin II. (l.), Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier / © Paolo Galosi/Agenzia Romano Siciliani (KNA)
Karekin II. (l.), Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier / © Paolo Galosi/Agenzia Romano Siciliani ( KNA )

Die armenische Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen das Oberhaupt der Armenisch-apostolischen Kirche, Karekin II., eingeleitet. Damit verbunden ist ein Ausreiseverbot für das Oberhaupt der Armenisch-apostolischen Kirche, wie die österreichische Nachrichtenagentur Kathpress am Sonntag meldete. 

Hintergrund ist ein auch über außenpolitische Fragen geführter Machtkampf zwischen Ministerpräsident Nikol Paschinjan und dem Leiter der Kirche, der rund 93 Prozent der Bevölkerung in Armenien angehören.

Treffen der Bischöfe geplant

Am kommenden Dienstag sollte im österreichischen St. Pölten ein Bischofstreffen unter Leitung Karekins II. stattfinden. Auch gegen sechs Bischöfe, die daran teilnehmen sollten, wurde laut Kathpress vor einigen Tagen ein Strafverfahren eingeleitet und ein Ausreiseverbot verhängt. Vorausgegangen war die Absetzung des Bischofs von Masyatsotn, Gevorg Saroyan, durch die armenische Kirchenleitung. Dies hatte ein staatliches Gericht für nichtig erklärt.

Die armenische Kirchenleitung in Etschmiadzin warf der Staatsanwaltschaft mit ihrem Vorgehen gegen Karekin II. eine verfassungswidrige und illegale Einmischung in innere Angelegenheiten der Kirche vor. Die Maßnahmen seien politisch motiviert und schadeten dem Ansehen des Landes, hieß es in einer Erklärung am Wochenende. Die österreichischen Bischöfe, weitere Kirchenvertreter und Anwälte stellten sich in dem seit Monaten andauernden Streit hinter Karekin II.

Kirchen in Armenien

Mit mehr als 1.700 Jahren Tradition als Staatsreligion ist Armenien die erste christliche Nation in der Geschichte. Im Jahr 301 ließ der armenische König Trdat III. sich und seine Untertanen taufen. Die armenische Kirche zählt wie die Kopten und Äthiopier, die syrische Kirche und die indischen Thomas-Christen zu den sogenannten altorientalischen Kirchen. Diese sind sowohl von Rom als auch von den orthodoxen Kirchen getrennt, weil sie die Lehre des Konzils von Chalcedon (451) von den zwei Naturen Christi nicht akzeptierten.

Kloster Noravankh in Armenien / © Alexander Brüggemann (KNA)
Kloster Noravankh in Armenien / © Alexander Brüggemann ( KNA )
Quelle:
KNA