Notre-Dame in der Abendsonne
Notre-Dame in der Abendsonne
Barbara Schock-Werner
Barbara Schock-Werner
Pariser Kathedrale Notre-Dame während des Brandes
Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen
Die Kathedrale Notre-Dame - vor dem Brand
Die Kathedrale Notre-Dame - vor dem Brand
Presse und Polizeiwagen vor gelöschter Kathedrale Notre-Dame
Presse und Polizeiwagen vor gelöschter Kathedrale Notre-Dame

15.04.2021

Ehemalige Kölner Dombaumeisterin zum Wiederaufbau von Notre-Dame "Ein wunderbares Kunstwerk"

Vor zwei Jahren brannte die Kathedrale Notre-Dame in Paris lichterloh. Staatspräsident Emmanuel Macron versprach den Wiederaufbau in fünf Jahren. Wieweit sind die Arbeiten bislang vorangekommen und welche Hilfe kommt aus Deutschland?

DOMRADIO.DE: Sie sind aktuell die Beauftragte für die Koordinierung der deutschen Hilfsangebote für den Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame. Was ist dabei Ihre Arbeit?

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner (Ehemalige Kölner Dombaumeisterin): Zuerst war meine Aufgabe, alle Hilfsangebote zu sammeln und dann auch höflich zu beantworten, die guten Vorschläge von den gut gemeinten zu separieren und mir dann zu überlegen: Wo macht es Sinn, dass Deutschland hilft?

So bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es wenig Sinn hat, außer Spezialisten deutsche Handwerker auf der Baustelle zu haben. Frankreich ist ja kein Entwicklungsland. Vielmehr können wir da helfen, wo wir auch einen Schwerpunkt haben, nämlich bei der Restaurierung der bereits ausgebauten Glasfenster.

DOMRADIO.DE: Also könnte es sein, dass Sie ein Angebot von einer Dachdeckerfirma bekommen, die gerne dort mithelfen möchte?

Schock-Werner: Solche Angebote habe ich viele, aber da muss man auch diplomatisch reagieren. Manche Angebote, die sinnvoll sind, habe ich tatsächlich weitergegeben. Andere waren schon aus Ortskenntnis nicht so sinnvoll. Aber alle wurden freundlich beantwortet und alle bekommen auch regelmäßig Berichte von mir, denn es war ja immer aus einem Hilfsangebot heraus gemeint.

DOMRADIO.DE: Am Tag des Brandes vor zwei Jahren hatte der französische Präsident Emmanuel Macron angekündigt, dass der Wiederaufbau innerhalb von fünf Jahren stattfinden soll. Wir nähern uns so langsam dann der Halbzeit. Wurde denn bisher schon etwas wieder aufgebaut?

Schock-Werner: Nein, es wurde tatsächlich noch nichts aufgebaut, weil man bisher mit der Sicherung der beschädigten Kirche beschäftigt war und ist. Drei Gewölbe waren ganz eingestürzt, eines war beschädigt, die anderen standen noch, waren aber ausgeglüht.

Noch untersucht man, ob die Gewölbe, die noch oben sind, wirklich standfest sind. Es sieht so aus, als ob sie es wären. Damit hat Frankreich, die Kathedrale und auch der Staatspräsident Glück, denn dann könnte man tatsächlich damit beginnen, wohl Anfang des nächsten Jahres die restlichen Gewölbe zu schließen.

Das ist auch der Ansatz meines Kollegen Philippe Villeneuve, den Innenraum so bald wie möglich zugänglich zu machen. Er möchte den Menschen ihre Kirche wiedergeben. Das könnte in der anvisierten Zeit, wenn die Gewölbe wirklich standfest sind, erreicht werden. Die gesamte Restaurierung, der Aufbau des Vierungsturms und so weiter wird vermutlich noch etwas länger dauern. Aber die Kirche ist fertig, wenn man vom Innenraum ausgeht. Fertig ist ja auch immer eine Definitionsfrage.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn für den Wiederaufbau konkrete Pläne, denen alle Beteiligten zustimmen oder gibt es da auch Uneinigkeit?

Schock-Werner: Nein. Also zuerst wurde ja heftig gestritten, vor allem weil Macron etwas Modernes wollte. Inzwischen hat man sich aber geeinigt, dass die restaurierte Kathedrale genauso aussehen soll, wie sie vor dem Brand ausgesehen hat. Also kein Edelstahl-Glasdach da drauf oder andere Dinge. Es gab ja viele Vorschläge im Netz zu sehen.

Eigentlich hat diese Sammlung von Vorschlägen gezeigt, dass das alles nichts taugt. Deshalb ist man dazu gekommen, dass man die Kirche einfach wieder aufbaut. Denn die Kirche, auch der Vierungsturm, war ein wunderbares Kunstwerk, das man auch wieder rekonstruieren sollte.

DOMRADIO.DE: Als Koordinatorin der deutschen Hilfsangebote wären Sie vermutlich auch einige Male in Paris gewesen. Aufgrund der Pandemie ist das alles nicht möglich.

Schock-Werner: Das ist natürlich schade. Paris ist nach wie vor ein Gebiet, das man nicht betreten kann. Ich telefoniere mit dem Kollegen und ich telefoniere auch mit der deutschen Presse in Paris, aber mehr ist im Moment gar nicht möglich. Trotzdem sind wir kurz vor einem Abkommen.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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