Menschenleerer Petersplatz
Menschenleerer Petersplatz

04.12.2020

Corona-Beschränkungen in Rom und dem Vatikan "Würde keinem empfehlen, nach Rom zu reisen"

Die Touristen bleiben im Vatikan wegen Corona aus. Das bedeutet nicht nur, dass dadurch immense Einnahmen durch die Vatikanischen Museen wegfallen. Auch das Unkraut sprießt rund um den Petersplatz. Trotz erneuter Einschränkungen in Italien bleiben die Kirchen aber offen.

DOMRADIO.DE: Wie groß ist denn das Unkrautproblem auf dem Petersplatz ohne Touristen?

Alexander Pitz (Rom-Korrespondent der Katholischen Nachrichten-Agentur): Ich bin heute Morgen über den Petersplatz gelaufen. Bisher ist das kein allzu großes Problem. Aber es fällt schon auf. Ich habe geguckt, zwischen den Pflastersteinen wächst tatsächlich schon das Grün und vermutlich muss da demnächst mal ein Gärtner oder so ran.

DOMRADIO.DE: Jetzt wird in einer Woche, am 11. Dezember, der berühmte Weihnachtsbaum mitten auf dem Petersplatz, samt der Krippe eingeweiht. Der Baum kommt dieses Mal aus Slowenien, eine Fichte. Ein merkwürdiger Anblick, wenn die Menschenmassen nicht zum Besichtigen kommen?

Pitz: Ja, auf jeden Fall. Es wird zwar einige Feierlichkeiten geben aber mit wenigen Menschen. Es wird diesmal ein anderes Weihnachten und ein anderer Advent, als wir das sonst gewohnt sind.

DOMRADIO.DE: Wie können sich Besucher das in diesem Jahr denn ansehen? Welche Maßnahmen werden getroffen?

Pitz: Um ehrlich zu sein, ich würde es im Moment keinem empfehlen, nach Rom zu reisen, denn speziell um die Weihnachtszeit wird sich das ganze Land und auch die Stadt nochmal einigeln. Wer nach Rom fliegt, von Deutschland aus, muss sich erstmal in Quarantäne begeben für zehn Tage. Das wird alles bis zum 6. Januar dauern. Das Dekret ist noch relativ frisch und 2021, denke ich, wird das dann mit dem Tourismus wieder richtig losgehen. Allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte, so sagen es die Tourismusverbände.

DOMRADIO.DE: Auch auf den Petersdom oder die Vatikanischen Museen wirkt sich die veränderte Situation im Corona-Jahr aus. Fehlen die ausbleibenden Touristen?

Pitz: Für die Vatikanischen Museen ist das ganz gravierend, denn die Museen sind die "Cash-Cow" des Vatikans. Da werden feste Einnahmen generiert, ansonsten monatlich in Höhe von 12,5 Millionen Euro. Die fehlen jetzt seit Anfang November wieder komplett. Wie lange die Schließung andauert, ist offen. Und da sind auch nicht alle glücklich über diesen Zustand. Barbara Jatta, die Direktorin, hat ja bei der erneuten Schließung signalisiert, dass sie damit nicht ganz einverstanden ist. Denn, wir haben die Führungen ja mitgemacht, es gab wirklich ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept ab Juni. Und im Grunde genommen wirklich keine große Ansteckungsgefahr. Trotzdem ist jetzt wieder alles zu. Die 1.000 Mitarbeiter der Museen fürchten um ihre Jobs. Aber es gibt die feste Zusicherung von Papst Franziskus, dass es keine Entlassungen geben soll.

DOMRADIO.DE: Auf welchem Weg können Katholiken, die, wäre die Situation jetzt eine andere, nach Rom pilgern und den Vatikan besuchen würden, ihren Glauben denn ausleben?

Pitz: Die Kirchen bleiben offen. Die italienische Bischofskonferenz hat Wert darauf gelegt, dass es zu keinen erneuten Gottesdienstverboten kommt. Das hat im Frühling hier für einigen Unmut gesorgt. Auch Weihnachtsgottesdienste wird es geben. Allerdings unter den entsprechenden Sicherheitsauflagen. So wird z.B. die Christmette in diesem Jahr voraussichtlich vorverlegt, um die nächtliche Ausgangssperre einhalten zu können. Zusätzliche Maßnahmen sind auch geplant. Aber, wer in Rom und in Italien sich aufhält, kann Kirchen besuchen, kann seinen Glauben pflegen. Das ist weiterhin möglich.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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