Solidarität und Mitmenschlichkeit
Solidarität und Mitmenschlichkeit
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim
Desmond Tutu
Desmond Tutu
Landesbischof Heinrich Bedford-Stroh
Heinrich Bedford-Strohm
Papst Franziskus feiert die Messe in der Kapelle in Santa Marta
Papst Franziskus feiert die Messe in der Kapelle in Santa Marta

24.03.2020

Geistliche rufen zu Zusammenhalt in der Pandemie auf Wie Brüder und Schwestern

Weltweit haben Bischöfe in der Corona-Krise zu Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt aufgerufen. Unterdessen betete Papst Franziskus in einer Messe für Ärzte, Pflegekräfte und Priester, die im Kampf gegen Corona gestorben sind. 

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Angesichts der Corona-Pandemie ermuntert Hildesheims katholischer Bischof Heiner Wilmer die Gemeinden in seinem Bistum, bedürftige Menschen vor Ort anzurufen und Hilfe anzubieten. "Die Kirche muss auch in dieser Zeit nah bei den Menschen bleiben", sagte Wilmer am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). An alle, die unter der derzeitigen Krise leiden und verunsichert sind, appellierte der Bischof: "Lassen Sie sich nicht verrückt machen und trauen sie der eigenen Kraft und Liebesfähigkeit."

Er selbst nehme derzeit kaum noch persönliche Termine wahr und führe stattdessen Telefongespräche und Videokonferenzen. "Das ist ungewohnt, geht aber besser als ich gedacht hatte", sagte Wilmer. Ihm sei wichtig, "dass wir die Corona-Pandemie nicht nur aus wissenschaftlicher und politischer Sicht betrachten, sondern auch aus spiritueller Perspektive". Gläubige sollten sich verstärkt dem Gebet zuwenden. "Darin dürfen sie auch Protest äußern."

Das Feiern von Online-Gottesdiensten in leeren Kirchen fühle sich "eigenartig" an, so der Bischof. Allerdings erhalte er viele positive Rückmeldungen. "Die Leute sind sehr dankbar, dass wir einen Gottesdienst übertragen." Wilmer hält im Wechsel mit den Weihbischöfen Nikolaus Schwerdtfeger und Heinz-Günter Bongartz täglich eine Messe im Hildesheimer Dom. Das Bistum Hildesheim überträgt die Gottesdienste als Audio-Livestream auf seiner Internetseite.

Viele Kirchen im Bistum Hildesheim läuten derzeit jeden Abend um 21.00 Uhr ihre Glocken. Dazu hatte Bischof Wilmer vor einigen Tagen in einer Videobotschaft aufgerufen. "Sie läuten als Zeichen des Dankes an Gott, für seine Nähe auch in schwieriger Zeit. Sie läuten als Zeichen des Dankes an die Menschen, die sich jetzt ganz besonders um andere kümmern, zum Beispiel Ärzte und Pflegekräfte", sagte Wilmer.

Kardinal Bozanic spricht Kroaten Mut zu 

Zum Kampf gegen die Pandemie hat Kardinal Josip Bozanic betont, es sei wichtig, den staatlichen Anordnungen Folge zu leisten. "Wir müssen die Regeln respektieren und uns gegenseitig helfen."

Nach dem Erdbeben in seiner Bischofsstadt Zagreb inmitten der aktuellen Corona-Krise sprach er der kroatischen Bevölkerung Mut zu. In einer von katholischen TV- und Radiosendern am Montagabend übertragenen Ansprache rief der Erzbischof seine Landsleute zu Solidarität und Zusammenhalt sowie zum Gebet auf. Besonders gedachte der Kardinal des 15-jährigen Mädchens, das bei dem Erdbeben am Sonntagmorgen beim Einsturz eines Wohnhauses ums Leben kam.

Mit Blick auf das Coronavirus sagte Bozanic, nur drei Tage vor dem Beben hätten Kroatiens Bischöfe öffentliche Sonntagsgottesdienste untersagt. Deswegen seien Kirchen nur für das private Gebet geöffnet gewesen. Möglicherweise hätte das Beben andernfalls mehr Opfer gefordert. 

Erzbischof Desmond Tutu: Wie Brüder und Schwestern handeln

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat angesichts der Corona-Pandemie zum Zusammenhalt aufgerufen. Die Menschen müssten nun stärker denn je wie Brüder und Schwestern handeln, teilte der Friedensaktivist und emeritierte Erzbischof am Montagabend über seine Stiftung mit. "Auf der ganzen Welt fordert das Virus Individuen und Gesellschaften dazu auf, über sich selbst hinauszuwachsen und an die Auswirkungen ihrer Taten auf andere zu denken."

Besondere Solidarität erfordere die Bekämpfung von Covid-19 laut Tutu in seiner Heimat Südafrika. Das Land verzeichne einen der höchsten Einkommensunterschiede der Welt. Viele Bewohner lebten dicht an dicht, ohne Zugang zu Sanitärversorgung, und ohne Mittel, um Lebensmittelvorräte, Atemschutzmasken oder Desinfektionsmittel zu kaufen, so Tutu.

Für die Südafrikaner sei es jetzt an der Zeit, die soziale Ungleichheit zu überbrücken. Des Weiteren begrüßte Tutu die Maßnahmen der Regierung in Pretoria sowie eine Spendenzusage von den zwei reichsten Familien des Landes. Am Montag verkündete Präsident Cyril Ramaphosa eine 21-tägige Ausgangsbeschränkung. Die Unternehmer Nicky Oppenheimer und Johann Rupert versprachen, Südafrikas Kleinbetriebe während der Corona-Pandemie mit jeweils 52 Millionen Euro zu unterstützen.

Bedford-Strohm beeindruckt vom gesellschaftlichen Zusammenhalt

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, zeigte sich beeindruckt vom gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Viele Menschen fänden derzeit neue Formen des Kontakts. Es sei bemerkenswert, wie es den Menschen gelinge, "selbst in diesen Zeiten Gemeinschaft zu erfahren", sagte der bayrische Landesbischof am Montagabend in der WDR-Polittalkshow "hart aber fair". Viele Menschen zeigten sich angesichts der Corona-Pandemie erfinderisch, so der bayerische Landesbischof.

Als Beispiele nannte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) jene, die etwa auf Balkonen musizierten. Auch fänden viele Menschen derzeit neue Formen des Kontakts. "Dabei spielen die digitalen Medien eine wichtige Rolle", sagte Bedford-Strohm. Zugleich würden wieder vermehrt Briefe geschrieben. Derzeit befänden sich alle Menschen in einer Situation, die noch niemand so erlebt habe - "und wir erleben auch, wie Menschen damit umgehen".

Papst betet für verstorbene Ärzte und Priester in Corona-Krise 

Am Dienstagmorgen hat Papst Franziskus in einer Messe für Ärzte, Pflegekräfte und Priester gebetet, die im Kampf gegen Corona gestorben sind. Sie hätten sich "das Übel zugezogen, weil sie den Kranken dienten", sagte er bei dem Gottesdienst in der Kapelle der vatikanischen Residenz Santa Marta. Wörtlich sagte Franziskus: "Ich danke Gott für das Beispiel an Heldenmut, das sie uns mit der Betreuung der Erkrankten geben."

In Italien sind laut Medienberichten bislang 24 Ärzte und mindestens 60 Priester an den Folgen der Virus-Pandemie gestorben, 5.000 Pflegekräfte haben sich infiziert. Papst Franziskus hatte seit Beginn der Krise wiederholt seine Verbundenheit mit den Betroffenen und Helfern bekundet. Für Mittwochmittag rief das Katholikenoberhaupt Christen aller Konfessionen weltweit zu einem gemeinsamen Vaterunsergebet auf.

(KNA)

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