Getreidefelder und Bäume in Brandenburg
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07.03.2018

Deutscher Naturschutzring hofft auf päpstliche Unterstützung "Unterschiedliche Rollen mit dem gleichen Ziel"

Umweltschützer aus Deutschland haben Papst Franziskus an diesem Mittwoch ein Papier zu Umweltfragen überreicht. Kai Niebert vom Deutschen Naturschutzring sagt: "Wir freuen uns über die katholische Kirche als starken Partner."

DOMRADIO.DE: Sie waren bei der Generalaudienz im Vatikan. Was war das denn für ein Gefühl, mit Gleichgesinnten dem Papst Ihr Papier in die Hand zu drücken?

Kai Niebert (Präsident des Deutschen Naturschutzrings): Das war schon beeindruckend. Gerade für einen eher nüchternen Vertreter einer Umweltbewegung, wo wir uns ja viel auf wissenschaftliche Daten stützen und für uns ja auch nicht die Schöpfung, sondern Biodiversität im Vordergrund steht. Aber wo wir am Ende das Gleiche ausdrücken wollen wie Papst Franziskus, war das schon ein beeindruckendes Erlebnis heute, mit welcher Verve, mit welcher Empathie dieser Mensch zu seinen Gläubigen spricht. 

DOMRADIO.DE: Was bedeutet das für die Umweltbewegung, dass Sie mit dem Papst einen so prominenten Mitstreiter haben? 

Niebert: Für uns ist ganz wichtig, zu erkennen, dass wir unterschiedliche Rollen einnehmen mit dem gleichen Ziel vor Augen: Die Bewahrung der Schöpfung, die Bewahrung der Vielfalt, die Schaffung eines nachhaltigen Zeitalters. Während wir als Umweltvertreter ja häufig eher zu den Köpfen sprechen, ist es wichtig, einen Verbündeten zu haben, der die Menschen tatsächlich in ihren Herzen erreicht. Das gelingt uns häufig noch nicht so.

DOMRADIO.DE: "Verantwortung im Zeitalter des Menschen" - so lautet der Titel Ihres Papiers. Können Sie kurz zusammenfassen, was Ihr Anliegen ist? 

Niebert: Vor zwei Jahren hat die internationale geologische Gemeinschaft herausgefunden, dass wir in einem neuen Zeitalter, dem Zeitalter des Menschen, leben. Das traf sehr gut mit der Enzyklika des Papstes zusammen. Wir haben uns in dem Papier grundlegende Fragen gestellt: Wie kann man dieses Zeitalter - das häufig von nicht-nachhaltigem Verhalten geprägt ist, also von einem Verhalten, bei dem es um Ausbeutung von Mensch und Natur geht - zu einem Zeitalter von Nachhaltigkeit werden lassen? Oder auch das "gemeinsame Haus beschützen", wie Papst Franziskus es ausdrücken würde. 

DOMRADIO.DE: Wir wissen ja schon lange, wie stark unsere Umwelt bedroht ist. Trotzdem scheitert der Schutz immer wieder - sehr oft an Wirtschaftsinteressen. Was sind denn in Ihren Augen die dringendsten Schritte, um das Ruder herumzureißen? 

Niebert: Wenn wir auf die letzten Jahrzehnte Umweltpolitik gerade auch in Deutschland schauen, dann waren wir an vielen Stellen sehr erfolgreich. Aber global betrachtet hat das, was wir bewirkt haben, häufig nur einen homöopathischen Einfluss gehabt. Das, wozu wir übergehen müssen, ist, Umweltpolitik als Gesellschafts-, Finanz- und Wirtschaftspolitik zu begreifen.  

Ich gebe mal ein aktuelles Beispiel: Das Bundesumweltministerium hat einen Haushalt von 5,6 Milliarden Euro. Währenddessen leisten wir es uns, jedes Jahr 59 Milliarden Euro an umweltschädlichen Subventionen auszugeben. Da ist es schön, ins Umweltministerium zu fahren und Workshops zu machen, aber die Entscheidungen werden woanders getroffen. Genau an diese Entscheidungen müssen wir ran. Und da sehen wir einfach, dass wir alleine als Umweltbewegung - der in Deutschland immerhin elf Millionen Menschen angehören - das nicht schaffen und freuen uns deswegen, jetzt in der katholischen Kirche einen starken Partner zu haben - hoffentlich auch in Deutschland, mit dem Papst im Rücken.  

DOMRADIO.DE: Sie nehmen auch an einer Vatikan-Konferenz teil: "Radical ecological conversation after laudato Si". Was erhoffen Sie sich davon, wenn internationale Experten auf Einladung des Vatikans zusammen am Tisch sitzen und über Umweltfragen nachdenken? 

Niebert: Ich glaube, das, was dort passiert, ist schon recht einmalig. Auf der einen Seite Geistliche und Theologen, dann aber auch Naturwissenschaftler und auch Vertreter von Umweltpolitik am Tisch zu haben und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, ist schon etwas Neues. Wir zum Beispiel sind mit einer Delegation aus Deutschland angereist: Mit Vertretern aus Umweltverbänden, mit ehemaligen Staatssekretären, Bundestagsabgeordneten und auch einer ehemaligen Ministerin. In den Dialog zu kommen und auf das naturwissenschaftlich Notwendige, das moralisch Gebotene und das politisch Mögliche zu sehen, das kann diese Konferenz bewirken.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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