Junge Muslime
Muslime in einer Moschee

21.03.2019

Wie das Bistum Limburg Solidarität mit Muslimen zeigt "Besuche Deine muslimischen Nachbarn"

Nach dem Attentat in Neuseeland sprechen viele ihre Solidarität mit Muslimen aus. Der Bischöfliche Beauftragte für Islamfragen in Limburg geht weiter. Er schlägt vor, am Freitag eine Moschee zu besuchen und mit Muslimen ins Gespräch zu kommen.

DOMRADIO.DE: Ist Ihre Aktion "Friday's for prayer" so simpel gemeint wie es heißt: Besuche am Freitag deine muslimischen Nachbarn beim Gebet?

Frank van der Velden (Bischöflicher Beauftragter für Islamfragen): Tatsächlich ist das so simpel gemeint. Ich ziele mit dieser Aktion auf die nachbarschaftliche Mitmenschlichkeit, vorbeizugehen, Empathie zu zeigen und sagen: "Wir nehmen die Moscheegemeinde wahr und sie ist in unserem Stadtteil willkommen." Es ist definitiv kein Aufruf zu irgendwelchen politischen Statements oder gar einem gemeinsamen Gebet. Das wäre nicht in unserem Sinne.

DOMRADIO.DE: Sie sind darauf gekommen, weil Sie selber 17 Jahre in Ägypten gelebt - und die Situation anders herum erlebt haben. In Ägypten gab es Angriffe auf koptische Christen und Muslime haben sich dann solidarisch gezeigt. Was kann so eine Geste bewirken?

van der Velden: Ich würde diese Aktion gar nicht so sehr theologisch oder politisch sehen, sondern aus einem mitmenschlichen Aspekt heraus. Wenn sie Rettungsassistent sind und ein Unfall passiert, was tun Sie als erstes, um die Traumatisierung des Opfers abzumildern? Sie nehmen Kontakt auf und sagen: "Hallo, ich bin da." Das gilt auch bei anderen Dingen, die nicht direkt mit einem Unfall verbunden sind.

Ausschlaggebend für die Aktion für mich waren nicht die Anschläge in Neuseeland, sondern die Worte des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayman Mazyek. Dieser sagte am 19. September in einem Radiointerview: "Wir haben in den muslimischen Gemeinden in Deutschland zurzeit nicht nur Sorge, sondern teilweise eine offene Angst. Mich fragen muslimische Eltern, ob sie mit ihren Kindern noch zur Moschee gehen können." Da habe ich gemerkt, das ist etwas, was Mitmenschlichkeit anspricht.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn Muslime gefragt, wie sie es finden würden, wenn am Freitag Leute zu ihnen in die Moschee kommen?

van der Velden: Ich kann natürlich nur für meinen Zuständigkeitsbereich im Bistum Limburg sprechen. Ich habe die muslimischen Kooperationspartner vorher kurz angefragt, was sie davon halten. Auch, um das Feedback abzufangen. Das war durchgängig positiv. Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass sich morgen größere Menschenmassen in Bewegung setzen.

Ich freue mich aber über jeden, der in seiner Nachbarschaft zu einer Moschee geht und versucht, Kontakt aufzunehmen und Mitmenschlichkeit und Nachbarschaftlichkeit zu zeigen.

DOMRADIO.DE: Nehmen wir an, in Berlin, Köln oder sonstwo nehmen Menschen diesen Appell auf und gehen in eine Moschee. Sie wissen natürlich nicht, wie die Menschen vor Ort reagieren, aber ist es Ihnen schon mal passiert, dass jemand gesagt hat: "Ich bin in eine Moschee gegangen und war überhaupt nicht willkommen?"

van der Velden: Mir persönlich ist das noch nicht passiert. Bei der organisierten Form der Moscheebesuche am 3. Oktober, am Tag der offenen Moschee, zeigen sich Moscheegemeinden gastfreundlich. Aber auch, wenn man zwischendurch mal hingeht, die Leute anspricht und begrüßt, findet man normalerweise immer eine offene Tür.

Vom islamischen Selbstverständnis her sind Moscheegemeinden nicht einfach nur Gebetsräume für Muslime, sondern sie haben zusätzlich auch immer eine gesellschaftliche und soziale Funktion in den Stadtteil hinein. Von daher ist zumindest den größeren Moscheegemeinden ein gewisser Publikumsverkehr durchaus vertraut. Ich bin eigentlich noch nie auf eine geschlossene Tür oder auf Ablehnung gestoßen.

DOMRADIO.DE: Wo gehen Sie morgen hin?

van der Velden: Ich gehe in meiner Nachbarschaft zusammen mit meinem katholischen Pfarrer in eine Moschee - zu einem schon lange geplanten Nachbarschaftstreffen, das gar nicht im Kontext der Attentate steht. Natürlich kommt man um die Tagesaktualität nicht herum.

DOMRADIO.DE: Wir müssen noch ganz kurz klären, ob Sie den Namen "Friday's for Prayer" von den Schülern geklaut haben?

van der Velden: Es ist eine kleine Anspielung darauf, ja. Aber die Demos der Schüler laufen ja meistens so um zehn, elf Uhr - die sind dann schon längst vorbei, bevor wir in Richtung Mittagsgebet gehen. Es ist eher so eine spielerische Sache. Ich habe in Ägypten lange auch im englischsprachigen Bereich gearbeitet. Das Freitagsgebet auf Englisch heißt "Friday Prayer". Wenn ich spielerisch "Friday is for Prayer" sage, meine ich das Freitagsgebet der muslimischen Gläubigen in Deutschland. Aber wir Christen wollen ja nicht mitbeten, sondern nur unsere Solidarität bekunden.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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