Eine Hochzeitskirche wie gemalt: die Kirche auf dem Bonner Kreuzberg
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Laura und Jeremias hat Corona einen Strich durch ihre Hochzeitspläne gemacht
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In Rokoko-Manier das Kanzel-Bild: Jesus übergibt Petrus die Schlüssel zum Himmelreich
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Ins Kircheninnere gelangt man über einen unspektakulären Seiteneingang
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Die weiß-blauen Rauten stehen für das Geschlecht der bayrischen Wittelsbacher, die jahrzehntelang den Kurfürsten und Erzbischof in Köln stellten
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Musizierende Engel im Deckengewölbe von 1745
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Der Orgelprospekt stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
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Die "Heilige Stiege" mit ihren 28 Stufen wird auf den Knien betend erklommen
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16.05.2020

Derzeit keine Trauungen in beliebter Bonner Hochzeitskirche "Es sollte eine Traumhochzeit werden"

Den Bund fürs Leben schließen wollen die meisten Paare im Wonnemonat Mai. Doch für die Kirchen hagelt es gerade coronabedingt nur Absagen. Die Zeremonie verschieben ist eine Lösung. Trotzdem: Sich von der Vorfreude verabschieden tut weh.

Bis zuletzt hat Laura Müller auf ein Wunder gehofft. Erst knappe 14 Tage vorher hat sie die Reißleine gezogen, sich ins Unvermeidliche gefügt und ihre von langer Hand geplante Hochzeit auf dem Kreuzberg abgesagt. Von Woche zu Woche hatte sie gebangt, ob die kirchliche Trauung zu ihrem Wunschtermin nicht vielleicht doch noch im letzten Moment wieder erlaubt sein würde. An diesem Samstag, so hatten sie und ihr Verlobter Jeremias Altheim es sich gewünscht, sollte es ein rauschendes Fest mit allem Drum und Dran geben: erst das Ja-Wort in der barocken Wallfahrtskirche hoch über Bonn, dann eine Feier mit Musik und Tanz für insgesamt 80 Gäste bis in die frühen Morgenstunden und gleich im Anschluss die Flitterwochen.

„Eben ganz klassisch, das volle Programm – das war mein Traum. Am Arm meines Vaters wollte ich zum Altar geführt werden, und auch meine Oma hätte mit ihren 98 Jahren noch dabei sein können“, erzählt die 34-Jährige. Die Vorbereitungen seien perfekt gelaufen. Keiner habe abgesagt. Angesichts der Tatsache, dass ihr Partner als Berufssoldat erst kürzlich von einem Auslandseinsatz in Afghanistan heimgekehrt ist, sei das Timing gewissermaßen eine Punktlandung und die Feier in einer außergewöhnlichen Location bis ins letzte Detail abgestimmt gewesen. „Sogar meine Notdienste als Apothekerin konnte ich alle so tauschen, dass uns nichts im Wege gestanden hätte.

Drei Wochen nur für uns – so wollten wir es. Alles hatten wir im Vorfeld bedacht, nur nicht, dass ein Virus unsere kompletten Pläne durchkreuzen würde und jetzt nichts mehr so ist, wie es mal war“, erklärt die junge Frau. „Trotz der zunehmenden Lockerungen war irgendwann klar, dass es – selbst wenn wir uns an die geltenden Regeln halten – nicht mehr die Hochzeit werden würde, die wir uns ursprünglich erträumt hatten. Es fiel uns unglaublich schwer, aber wir mussten uns schließlich von diesem Gedanken verabschieden. Alle Vorfreude lief ins Leere.“

Wegen Corona reihenweise Absagen von Trauungen

Den schönsten Tag im Leben verschieben – das müssen im Moment viele Paare, die sich gezielt den Frühling für ihre kirchliche Heirat ausgesucht haben. So beschert der Mai – eigentlich der klassische „Trau-Monat“ – der Kirche momentan eine Absage nach der anderen. Neue Reservierungen werden eher verhalten vorgenommen – und wenn, dann am liebsten erst fürs nächste Jahr. Nur allzu verständlich, denn auf dem Weg in die gemeinsame Zukunft liegen derzeit keine Rosenblätter. Hygieneverordnungen und Sicherheitsauflagen verstellen den Weg zu einem unbeschwerten Start ins Glück zu zweit. Und was im Sommer oder Frühherbst sein wird, steht ebenfalls noch in den Sternen.

Mit diesen Unwägbarkeiten wird zurzeit beinahe täglich auch Schwester Lismi Kuttanchery konfrontiert. Während sie sich zu normalen Zeiten vor Anfragen für die Kreuzberg-Kirche kaum retten kann, stapeln sich bei der indischen Ordensfrau, die an diesem malerischen Ort als Küsterin tätig ist, jetzt die Stornierungen. Innerhalb weniger Tage haben allein zehn Brautpaare ihre Trauung abgesagt. Denn die barocke Wallfahrtskirche mit ihrer einzigartigen Innenausstattung ist gerade im Wonnemonat Mai, aber auch bis weit in den Juli immer ausgebucht. Das Einzugsgebiet sei groß. Heiratswillige kämen von überall her, um in dieser gerade auch wegen ihrer Größe so beliebten Hochzeitskirche den Bund für Leben zu schließen, berichtet Schwester Lismi.

„Mit 100 Gästen ist die Kirche gut gefüllt, da bleiben die hinteren Bankreihen nicht leer wie sonst üblicherweise in größeren Gotteshäusern.“ Außerdem verliebten sich junge Leute, die es gerne romantisch hätten, schnell in diesen ganz besonders schmuckvollen Raum in zarten Rosa-Tönen und goldenem Dekor.“ Auch für Laura und Jeremias war die Wahl der Kreuzberg-Kirche so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. „Sie ist einfach wunderschön, und es war immer schon mein Traum, hier eines Tages zu heiraten“, schwärmt die gebürtige Bonnerin, die ihren Freund bei einem Sonntagsspaziergang zur Kirchenbesichtigung auf die Aussichtshöhe von Endenich eingeladen hat. „Wir wussten sofort: Die ist es. Die passt zu uns.“

Kirchlicher Segen sollte Krönung der Liebe sein

Auch wenn ganz aktuell nun in Kirchen wieder Gottesdienste und damit auch Trauungen stattfinden dürfen, eine feierliche Stimmung wird kaum aufkommen, wenn die Beteiligten vermummt sind, Hochzeitsgäste von der Liste gestrichen werden müssen, Gesang und herzliche Umarmungen ausfallen sollen. Oder wenn beim Sektempfang – wegen der begrenzten Gästezahl – nur der kleinste Kreis anstoßen darf und auch der Hochzeitstanz wegen der überschaubaren Festgesellschaft eher nicht aufs große Parkett hingelegt werden kann. Wer unter solchen Auflagen heiraten muss, sucht sich lieber gleich einen neuen Termin. Es sei denn, er liebt die ganz privaten Augenblicke: innige Zweisamkeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit – eventuell nur mit den Trauzeugen und allerengsten Familienangehörigen und Freunden.

Für Laura und Jeremias ist das keine Alternative. Ein großes Fest mit kirchlichem Segen soll die Krönung ihrer Liebe sein. Von ihrem Lebenstraum wollen sich die beiden nicht verabschieden – auch weil ihnen das offizielle Eheversprechen nach sieben Jahren Partnerschaft, in denen sie schon so viel gemeinsam gemeistert haben, wie sie sagen, im Kreise ihrer Lieben viel bedeutet. Lange hätten sie an das Thema Heiraten überhaupt nicht gedacht, berichtet die Braut.

Immer wieder sei Jeremias für monatelange Einsätze der Bundeswehr in Krisengebieten unterwegs gewesen. Das habe die Beziehung jedes Mal auf die Probe gestellt, aber auch gezeigt, dass sie stabil ist und diese nicht einfache Art der räumlichen Trennung verkraftet. „Nach solchen Einsätzen dauert es, bis man wieder in der Normalität ankommt. Da verschieben sich ganz automatisch die Relationen. Und mitunter kann es Wochen dauern, bis man wieder in der gleichen Welt miteinander unterwegs ist“, skizziert Laura die Herausforderungen dieser Partnerschaft.

Neuer Anlauf im nächsten Jahr

Der Antrag von Jeremias an einem Dezembertag mitten auf der Brooklyn Bridge in New York war dann eine totale Überraschung für sie. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, zumal er eigentlich nicht der Typ ist, der gerne über Gefühle spricht.“ Zunächst habe die Hochzeit auch gar keine große Sache werden sollen. „Aber im Laufe der Vorbereitungen wurde uns doch immer wichtiger, alle dabei haben zu wollen, die uns nahe stehen. Der 16. Mai sollte unser Tag, eben unsere ganz persönliche Traumhochzeit werden.“

Das weiße Kleid hängt nun im Schrank – und auch der Schleier aus feiner Spitze. „Aber das ändert nichts an meinem Glück, mit Jeremias den Richtigen gefunden zu haben“, betont Laura Müller. Auch wenn das kein leichter Schritt gewesen sei, das kirchliche Fest abzusagen – in ihrer Apotheke begegneten ihr so viele Schicksale, die Corona viel härter getroffen habe. Da müsse man auf dem Boden der Tatsachen bleiben, sagt sie mit fester Stimme. Nun wollten sie beide einen zweiten Anlauf im nächsten Jahr nehmen. Der 24. Juli 2021 ist bei Schwester Lismi bereits eingetragen. Die stilvolle Kulisse für den kirchlichen Ringtausch und einen Aufbruch ins lang ersehnte Eheglück jedenfalls steht schon mal.

Beatrice Tomasetti (DR)

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