Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße
Schulbücher und Apfel
Schulbücher und Apfel

09.03.2018

Hamburger Erzbischof verteidigt Schließung katholischer Schulen "Für Zuversicht ist es jetzt zu früh"

Die Entscheidung des Erzbistums Hamburg, bis zu acht seiner Schulen zu schließen, stößt auf Protest. Erzbischof Stefan Heße erklärt im Interview, wie er mit dem privaten Engagement umgehen will und warum er nicht um Finanzhilfen bittet.

KNA: Hätten Sie mit einem solchen Proteststurm gerechnet, als das Erzbistum im Januar die Schließung von bis zu acht katholischen Schulen in Hamburg bekanntgab?

Erzbischof Stefan Heße (Erzbischof von Hamburg): Es geht um junge Menschen, um Schulen, das sind sensible Themen. Ich kann gut verstehen, dass das große Emotionen auslöst. Der Protest zeigt darüber hinaus, wie wichtig vielen Menschen katholische Schulen sind.

KNA: Was würden Sie im Rückblick anders machen?

Heße: Wir werden künftig die Betroffenen im Vorfeld von Entscheidungen stärker mit einbeziehen. Das muss sich jetzt schon im Immobilienbereich bewähren, wo wir mit den Gemeinden gemeinsam an die Bestandsaufnahme und danach in einen Entscheidungsprozess gehen.

KNA: Wie bewerten Sie die verschiedenen Initiativen, die sich gebildet haben?

Heße: Ich bin dankbar, dass es diese Initiativen gibt. Wie gesagt, es sind große Zeichen von Wertschätzung für unsere Schulen. Wichtig ist jetzt, Gespräche zu führen, Ideen auszuarbeiten und gemeinsam zu sehen, was realistisch erreicht werden kann.

KNA: Von verschiedenen Seiten wurden in den letzten Wochen Zweifel an den Zahlen aus dem Bericht der Unternehmensberatung Ernst & Young erhoben, der dem Erzbistum eine Überschuldung von 79 Millionen Euro bescheinigt und auf dessen Grundlage die Entscheidung zur Schließung der Schulen gefällt wurde. Wie glaubwürdig ist der Bericht aus Ihrer Sicht?

Heße: Bereits häufiger habe ich von der radikalen Ehrlichkeit unseres wirtschaftlichen Orientierungsrahmens gesprochen. Die Prüfer haben uns klipp und klar aufgezeigt, wie die Lage ist. Damit haben wir eine nüchterne Basis, die weder schön- noch schlechtgerechnet ist.

KNA: Warum wird der Bericht nicht in Gänze veröffentlicht?

Heße: Bereits im Dezember haben wir die Ergebnisse der Arbeit von Ernst & Young veröffentlicht. Sie stehen seitdem auch auf unserer Internetseite. Darüber hinaus erhalten die betroffenen Schulen in Hamburg alle relevanten Daten für ihre Schule. Ich finde, das ist ein angemessenes Vorgehen.

KNA: Kritiker werfen dem Erzbistum vor, die Wirtschaftlichkeit über die seelsorgliche Verantwortung zu stellen. Was entgegnen Sie ihnen?

Heße: Wir können die Augen vor unserer wirtschaftlichen Situation nicht verschließen. Das wäre verantwortungslos und würde unsere Seelsorge insgesamt gefährden. Das heißt, wir nehmen sehr wohl seelsorgliche Verantwortung wahr. Wichtig ist aber auch: Wir können in Zukunft nicht mehr alles leisten, was wir in der Vergangenheit gemacht und unterhalten haben. Aber sehen Sie bitte auch, dass wir uns weiter in großem Umfang im Schulbereich engagieren. 13 Schulen werden wir allein in Hamburg weiterführen. Drei weitere, wenn wir genügend Hilfe von anderer Seite erhalten.

KNA: Warum haben Sie bei der Bischofskonferenz nicht nach Finanzhilfen der anderen Diözesen gefragt?

Heße: Es gibt aktuell kein solches Hilfesystem in unserer deutschen Kirche. Ich bin außerdem überzeugt davon, dass wir eine nachhaltige Konsolidierung unserer wirtschaftlichen Lage aus eigener Kraft schaffen können und auch müssen. An strukturellen Korrekturen kommen wir im Erzbistum Hamburg nicht vorbei. Und die müssen wir selber leisten.

KNA: Waren die Hamburger Schulen und die wirtschaftliche Lage des Erzbistums trotzdem ein Thema bei der Vollversammlung?

Heße: Ja, natürlich. Bereits im Ständigen Rat im Januar hatte ich dazu berichtet. Bei der Vollversammlung haben wir nicht nur über die Schulen gesprochen. Die wirtschaftliche Gesamtsituation des Erzbistums war ein Thema. Die Schulen sind ja nur ein Bereich.

KNA: Sie sind im Gespräch mit einer privaten Genossenschaftsinitiative, die alle 21 Schulen erhalten möchte. Wie zuversichtlich sind Sie, dass zumindest für einzelne Standorte eine Schließung abgewendet werden kann?

Heße: Wir haben immer gesagt: Wir bleiben Träger von 13 katholischen Schulen in Hamburg. Bis zu drei Schulen könnten dazu kommen, wenn wir genügend Hilfe von außen bekommen. Für Zuversicht ist es jetzt zu früh. Wir müssen gemeinsam prüfen, was realistisch geleistet werden kann.

KNA: In Mecklenburg und Schleswig-Holstein bangen die katholischen Schulen der Bernostiftung um ihre Existenz. Wie wird es dort weitergehen?

Heße: Wir wollen die katholischen Schulen in Rostock und Schwerin zu erzbischöflichen Schulen machen. Wir sind dazu weiter im Gespräch mit der Bernostiftung und suchen nach guten Wegen. Für die Schulen in Ludwigslust und Lübeck hatten wir bereits Anfang Juli 2017 entschieden, dass wir die dort geplanten Neubauten nicht finanzieren, weil uns die Mittel fehlen. In Ludwigslust wird vor allem aufgrund des starken Engagements der Elterninitiative intensiv an einem Trägerwechsel gearbeitet. Das unterstützen wir. Auch in Lübeck sind neue Möglichkeiten im Gespräch. Wie tragfähig sie sind, muss nun gemeinsam erörtert werden.

Das Interview führte Michael Althaus.

(KNA)

Live: Domwallfahrt 2018

DOMRADIO.DE überträgt die Höhepunkte der Domwallfahrt live im Web-TV.

Sonderseite zur DBK-Vollversammlung

Die deutschen Bischöfen treffen sich ab Montag in Fulda: Themen sind u.a. die neue Missbrauchsstudie und der Weltjugendtag in Panama.

Live: Vollversammlung der Bischofskonferenz

Gottesdienste und Pressekonferenzen im Live-Stream!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Aktuell: Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

DOMRADIO in Berlin und Brandenburg

Ab sofort auf DAB+ auch in Berlin und Brandenburg: Das Kölner DOMRADIO!

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 26.09.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Lukasevangelium
    26.09.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 9,1–6

  • Papst Paul VI. und Patriarchen Athenagoras I. hoben Exommunikationen auf
    26.09.2018 09:10
    Anno Domini

    Papst Paul VI.

  • Dom St. Salvator zu Fulda
    27.09.2018 07:30
    Gottesdienst

    Herbst-Vollversammlung der Deu...

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen