Luisa Neubauer sieht in Katholikentagen viel gemeinschaftliche Energie

Aufwachen aus einer Einsamkeit

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer kommt gerne zu Katholikentagen. Die evangelische Christin sieht in den Glaubensfesten viel Potenzial zur Veränderung der Gesellschaft. Im DOMRADIO.DE-Interview verrät sie auch, was ihr Mut macht.

Autor/in:
Johannes Schröer
DOMRADIO.DE Interview mit Luisa Neubauer / © Johannes Schröer (DR)
DOMRADIO.DE Interview mit Luisa Neubauer / © Johannes Schröer ( DR )

DOMRADIO.DE: Sie haben sehr optimistisch gesagt, der Katholikentag könne dafür eine Erinnerung sein, dass noch etwas geht. Wie haben Sie das gemeint?

Luisa Neubauer (Klimaaktivistin): Wir haben in der Gesellschaft das große Problem, dass Menschen sich oft alleine sehen, und denken, sie würden ja etwas tun, aber niemand anderes wolle etwas tun. Gerade auch beim Klimaschutz sagen die Leute mehrheitlich: Ich würde mich einsetzen, aber mein Nachbar würde sich nicht einsetzen, also hat es gar keinen Sinn, alleine kann ich nichts erreichen. 

 © Lena Faye
© Lena Faye

Viele Menschen fühlen sich gerade in so einer unglaublich vernetzten Welt zunehmend einsam. Diese Kirchentage, auf denen Menschen zusammenkommen aus allen Teilen des Landes und allen Generationen, schaffen es schon sehr gut, aufzudecken und sichtbar zu machen, was da eigentlich an Potenzial ist, wer da ist und wer wir gemeinsam sein könnten. 

In Deutschland ist nicht jeden Tag Kirchentag und das ist natürlich nicht ganz repräsentativ, aber ich glaube, für viele kann das auch ein Aufwachen aus einer Einsamkeit und einer Enttäuschung sein. Ich hoffe, dass Menschen hier die Energie mit nach Hause nehmen, um zu sagen: Jawohl, jetzt legen wir uns ins Zeug.

DOMRADIO.DE: Kann die Politik etwas von Katholiken- und Kirchentagen lernen?

Neubauer: Man macht sich ja manchmal ein bisschen lustig über diesen Kirchentags-Sound, bei dem in großen Worten und bunten Farben Bilder gemalt werden. Das habe doch nichts mit der Realität zu tun, heißt es dann, wir müssten irgendwie zu den Fakten zurückkommen. Ich glaube, dass wir in der Politik gut beraten wären, ein bisschen größer zu denken und auch einmal zu wagen, von etwas zu träumen, um Menschen tatsächlich zu begeistern: für ein Lebensgefühl, für Identitäten, für ein Wir-Gefühl, statt sich zurückzulehnen und auszuruhen und irgendwelchen Transformationsmodellen zu vertrauen, die es schon lange nicht mehr schaffen, Menschen wirklich zu bewegen.

DOMRADIO.DE: Wie erleben Sie denn als evangelische Christin diesen Katholikentag?

Neubauer: Ich verstehe mich da als durchweg ökumenisch unterwegs. Das ist so ein gutes Beisammensein hier. Ich glaube, beide Kirchen sind gut beraten, solidarisch voneinander zu lernen und sich was abzugucken, sich dann aber auch als gemeinschaftliche Kraft in einer Zeit zu verstehen, in der ja sehr viele Menschen nach Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft suchen.

DOMRADIO.DE: "Hab Mut, steh auf“ heißt das Motto des Katholikentages. Was macht Ihnen Mut?

Neubauer: Die Welt und wie sie uns jeden Morgen anstrahlt, wenn wir nur hingucken.

Das Interview führte Johannes Schröer.

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 (DR)
Quelle:
DR

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