Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sieht Religion und Kirche als wichtige Bollwerke gegen antidemokratische Kräfte und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Er selbst wolle nicht in einem Land ohne Glauben leben, sagte er am Mittwoch in Würzburg zum Auftakt des 104. Deutschen Katholikentags. Ein solches Land wäre anfälliger für Verrohung und politische Extreme. "Ohne Glauben wäre für mich das Leben auch einsamer und ich würde mich schwächer und alleine fühlen", fügte er wörtlich hinzu.
Der CSU-Politiker ergänzte, er sei daher auch gegen eine Abschaffung christlicher Feiertage und für die Finanzierung christlicher Kindergärten und Schulen durch den Staat. Eine wichtige Stimme hätten die Kirchen auch beim Schutz des Lebens vom Anfang bis zum Ende. Die Gesellschaft dürfe nie mehr dahinkommen, zwischen lebenswerterem und weniger lebenswertem Leben zu unterscheiden.
Suche nach Sinn weiter gefragt
Söder, der sich selbst als evangelisch-lutherischen Christen charakterisierte, betonte weiter, in der Gesellschaft sei die Suche nach Sinn auch heute sehr gefragt. Auch wenn Kirche als Institution zu kämpfen habe und hunderttausende Mitglieder verliere, sei es umso wichtiger, sich aktiv in der Öffentlichkeit zu zeigen und für den Glauben zu werben.
Zu seinem persönlichen Glaubensweg ergänzte der Ministerpräsident, er sei vor allem von seiner evangelischen Mutter sehr christlich erzogen worden. Der Tod der Eltern habe dann bei ihm aber viele Fragen und auch Zweifel an der Gerechtigkeit Gottes ausgelöst. Später aber habe er in einem Gebets- und Gesprächskreis neu gelernt, mit Gott zu sprechen und zu beten.
Eröffnung mit Steinmeier
Der Deutsche Katholikentag findet alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt. Er wurde am Mittwochabend im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet und dauert bis Sonntag. Erwartet werden neben rund 30.000 Dauerteilnehmern noch einmal rund 30.000 Tagesgäste. Das Motto lautet "Hab Mut, steh auf."
Der Würzburger katholische Bischof Franz Jung sagte vor dem Start, das Treffen solle ein wichtiger Impuls für die Gesellschaft sein in Zeiten von Angst, Verunsicherung und wachsender Polarisierung: "Die Welt braucht nicht noch mehr Hoffnungslosigkeit." Die Kirchen böten den Menschen den Glauben als Quelle der Hoffnung und als Ermutigung zum Leben an: "Ohne diese Botschaft wäre unsere Gesellschaft ärmer."
Gegen die starke Verunsicherung
Die Präsidentin des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, fügte hinzu, die Gesellschaft in Deutschland sei derzeit stark verunsichert. Reformen seien dringend notwendig, doch offenbar fehle oft der Mut. Das sei vielleicht auch deshalb der Fall, weil es an Vertrauen mangele, dass die Lasten gerecht verteilt würden.
In dieser Situation seien Mut zur Kontroverse und Mut zur Gemeinschaft zentral: Streit und unterschiedliche Meinungen müssten ausgehalten werden. Zugleich sei es wichtig, die eigene Filterblase zu verlassen und anzuerkennen, dass das Gegenüber seine eigene Würde habe und dass es ein gemeinsames Fundament in der Gesellschaft brauche. Söder, Jung und Stetter-Karp sprachen bei einem Empfang der Bayerischen Staatsregierung unmittelbar vor der Eröffnung des Katholikentags.