Mit Blick auf das Motto des Katholikentags "Hab Mut, steh auf!" warb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer, in einem Grußwort für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und in Europa. Dazu bedürfe es einer Kultur der Begegnung und des Dialogs, basierend auf der Grundlage des gemeinsamen Rechts. Dies sei übertragbar auf die Rolle Deutschlands und der EU in der Welt im Sinne eines Engagements für multilaterale Strukturen und die Gültigkeit des Völkerrechts.
Bischof Wilmer ergänzte: "Daher sollten wir alle den Mut haben, aufzustehen, um gegen Spaltungen in der Gesellschaft und in Europa aufzubegehren. Gerade deshalb ist es gut, wenn ein Katholikentag daran erinnert, was Zusammenhalt bedeutet: Die Demokratie gründet in Werten und Prinzipien, die das Christentum wesentlich vor- und mitgeprägt hat." Zuvorderst stehe die Überzeugung, dass alle Menschen die gleiche, von Gott gegebene Würde haben.
Bischof Wilmer führte aus, die Kirche wirke auch als Brückenbauerin und biete Orte der Begegnung und des Austauschs. Er unterstrich: "Die katholische Kirche und - in ökumenischer Verbundenheit darf ich sicherlich sagen - die Kirchen in Deutschland werden ihren Beitrag leisten, die Politik zu unterstützen im Kampf gegen dumpfe Parolen vom äußersten rechten und linken Rand, im Kampf gegen jene, die die Demokratie beschädigen wollen, im Kampf gegen jene, denen Redeverbote lieber sind als ein Dialog."
Einer exklusivistischen Rede vom christlichen Abendland erteilte Bischof Wilmer eine klare Absage: "Der christliche Glaube ist seinem Selbstverständnis nach universal und nicht an eine bestimmte kulturelle oder politische Ordnung gebunden. Das Christentum hat das heutige Europa und seine Länder wesentlich geprägt, ohne es exklusiv zu definieren. Der Begriff christliches Abendland ist kein politischer Kampfbegriff und darf nicht missbraucht werden."
Bischof Wilmer, der auch der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz vorsteht, wünschte sich von der EU ein geschlossenes außenpolitisches Handeln, um auf existenzielle Herausforderungen reagieren zu können. Der Krieg in der Ukraine stehe für einen Systemkonflikt zwischen einerseits Demokratien und andererseits Autokratien und Diktaturen. "Europa sollte den Mut haben, aufzustehen und sein Modell der supranationalen Zusammenarbeit sowie den weltweiten Multilateralismus zu verteidigen", ist er überzeugt. "Wir müssen keine neue europäische Idee entwickeln. Aber wir müssen mit Mut dieser europäischen Idee ein Gesicht geben."