Parolin setzt bei Segnungen auf Verständigung mit deutschen Bischöfen

"Ich hoffe, dass wir niemals zu Sanktionen kommen werden"

Der innerkirchliche Meinungsstreit um die feierliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare geht weiter. Nach dem Papst Leo XIV. und dem Glaubenspräfekten hat sich nun auch die Nummer zwei im Vatikan dazu geäußert.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Der Meinungsstreit zwischen einem Teil der deutschen katholischen Bischöfe und dem Vatikan über Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare geht offenbar in eine neue Runde. 

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sagte dazu am Mittwochabend in Rom auf Journalistenfragen nach möglichen Sanktionen gegen deutsche Bischöfe: "Wir sind im Dialog, es ist noch zu früh, dazu etwas zu sagen, das ist eine Entscheidung, die beim Papst liegt." Zugleich betonte er, er sei zuversichtlich, dass man eine Einigung finden werde.

Weiter sagte der Chefdiplomat des Papstes, jede Entscheidung müsse im Einklang mit dem Kirchenrecht und dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) sein. "Ich hoffe, dass wir niemals zu Sanktionen kommen werden, sondern die Probleme friedlich lösen können, wie es in der Kirche sein sollte", so die Nummer zwei im Vatikan. "Wenn wir die Verhandlungen wieder aufnehmen, wird man sehen, ob es zu einer Einigung kommt."

Gleichklang in der Vatikan-Spitze

Der Präfekt des vatikanischen Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Fernández, hatte am Mittwochmittag über das Portal Vatican News erklärt, er habe den deutschen Bischöfen schriftlich und mündlich mitgeteilt, dass der Vatikan die feierliche Segnung gleichgeschlechtlicher und anderer kirchlich nicht ehefähiger Paare ablehne.

Diese Ablehnung beziehe sich auch auf die derzeit in Deutschland in mehreren Bistümern in Kraft gesetzte Handreichung zur "Segnung von Paaren, die sich lieben". Die Deutsche Bischofskonferenz hatte hingegen zuvor erklärt, dass diese Handreichung mit dem Vatikan abgestimmt sei. 

Auch Papst Leo XIV. hatte sich bereits zu dem Thema geäußert und betont, der Vatikan habe den deutschen Bischöfen mitgeteilt, dass er feierliche Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare ablehne.

Kardinalstaatssekretär

Der Kardinalstaatssekretär, amtlich Staatssekretär Seiner Heiligkeit, steht dem Staatssekretariat des Heiligen Stuhls vor, welches das wichtigste Dikasterium der römischen Kurie ist und darum grundsätzlich auch von einem Kardinal geleitet wird, weshalb sich auch die Bezeichnung Kardinalstaatssekretär im Deutschen durchgesetzt hat. Falls das Amt des Kardinalstaatssekretärs vakant wird, wird gelegentlich auch (vorübergehend) ein Pro-Staatssekretär (der noch kein Kardinal ist) vom Papst ernannt.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bei einem Symposium am 30. Juni 2021 in der Apostolischen Nuntiatur in Berlin. / © Grodon Welters (KNA)
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bei einem Symposium am 30. Juni 2021 in der Apostolischen Nuntiatur in Berlin. / © Grodon Welters ( KNA )
Quelle:
KNA