Vatikan veröffentlicht Absage an deutsche Bischöfe zu Segensfeiern

Neue Wendung in der Debatte

Darf es in der katholischen Kirche in Deutschland förmliche Segensfeiern für homosexuelle Paare geben? Im Streit darum hat sich jüngst Papst Leo XIV. geäußert. Nun legt die Glaubensbehörde mit einem Brief von 2024 nach.

Via della conciliazione im Vatikan / © J. Photos (shutterstock)
Via della conciliazione im Vatikan / © J. Photos ( shutterstock )

In der Debatte um förmliche Segensfeiern für homosexuelle Paare will der Vatikan offenbar für klare Verhältnisse sorgen. Am Montag stellte die oberste Glaubensbehörde einen bisher nicht veröffentlichten Brief vom 18. November 2024 ins Netz. 

Darin hatte der Leiter des Dikasteriums, Kardinal Víctor Fernández, den deutschen Bischöfen erläutert, warum der Vatikan deren Vorstoß für förmliche Segnungsfeiern für homosexuelle Paare ablehnt.

Victor Kardinal Fernandez posiert für Fotografen mit einem Exemplar eines Buches von Papst Franziskus mit dem Titel "Viva la Poesia" / © Gregorio Borgia (dpa)
Victor Kardinal Fernandez posiert für Fotografen mit einem Exemplar eines Buches von Papst Franziskus mit dem Titel "Viva la Poesia" / © Gregorio Borgia ( dpa )

Der Brief ist an den für Liturgiefragen zuständigen Trierer Bischof Stephan Ackermann gerichtet. In Deutschland hatte die Zeitschrift "Communio" bereits daraus zitiert. Damit nimmt die Debatte eine neue Wendung zwischen Rom und denjenigen deutschen Bischöfen, die eine feierliche Segnung homosexueller und anderer Paare befürworten, die nicht kirchlich heiraten dürfen.

Dazu gehören auch Paare, die nach einer Scheidung zivil erneut heiraten. Zuletzt hatte am 23. April Papst Leo XIV. auf die entsprechende Frage einer Journalistin geantwortet, der Vatikan habe den deutschen Bischöfen mitgeteilt, dass man solche offiziellen Segnungsfeiern ablehne.

Flickenteppich in den Bistümern

Daraufhin hatten einige Bischöfe, unter ihnen der frühere Konferenzvorsitzende Georg Bätzing (Limburg), erklärt, sie wollten dennoch daran festhalten. Derzeit gibt es in der katholischen Kirche in Deutschland bei diesem Thema eine Art Flickenteppich: Einige Bischöfe haben feierliche Segnungen offiziell eingeführt, andere dulden sie stillschweigend, wieder andere genehmigen sie nicht.

Was stört den Vatikan an den Segensfeiern?

Der entscheidende Knackpunkt in der Debatte ist, dass die Deutsche Bischofskonferenz eine Handreichung "Segen gibt der Liebe Kraft" verabschiedet hat, in der offizielle Segensfeiern vorgesehen sind für homosexuelle Paare und Paare, die nach einer Scheidung wieder zivil verheiratet sind.

Bischof Stephan Ackermann / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Stephan Ackermann / © Harald Oppitz ( KNA )

Der Vatikan dagegen hatte zwar im Dezember 2023 das bahnbrechende Schreiben "Fiducia Supplicans" veröffentlicht. Darin hatte Fernández das strikte Nein zur Segnung homosexueller Paare aufgeweicht und Seelsorgern die Möglichkeit eingeräumt, Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen zu segnen. Allerdings hatte er – auch nach Protesten vor allem aus afrikanischen Ländern - immer wieder betont, dass es sich maximal um eine beiläufige und eher spontane Segnung handeln dürfe.

Es dürfe aber keine offiziellen Feiern in einem gottesdienstlichen Rahmen geben, die den Anschein einer kirchlichen Trauung vermitteln könnten. Diese Argumente hat der Leiter der Glaubensbehörde auch in dem jetzt nachlesbaren Schreiben an Bischof Ackermann ausführlich dargelegt.

Dikasterium für die Glaubenslehre

Geschichtliches Profil

Papst Paul III. errichtete 1542 eine Kommission von sechs Kardinälen mit dem Auftrag, über Glaubensfragen zu wachen (Bulle Licet ab initio vom 21. Juli 1542). Diese Kommission mit dem Namen Römische und Allgemeine Inquisition diente zu Beginn ausschließlich als Gericht für Fälle von Häresie und Schisma.

Ab 1555 erweiterte Paul IV. ihren Tätigkeitsbereich um die Beurteilung verschiedener moralischer Fragen.

Hinweisschild zum Dikasterium für die Glaubenslehre / © Paul Wuthe/Kathpress (KNA)
Hinweisschild zum Dikasterium für die Glaubenslehre / © Paul Wuthe/Kathpress ( KNA )
Quelle:
KNA