Gefallene müssen beerdigt werden, Soldaten und Verwundete brauchen Seelsorge, Kriegsgefangene Betreuung. So wie sich die Bundeswehr mit einem "Operationsplan Deutschland" auf einen eventuellen NATO-Bündnisfall vorbereitet, haben auch die beiden großen Kirchen in Deutschland Pläne für den Kriegsfall aufgestellt.
Das entsprechende gemeinsame Papier wurde bisher nicht offiziell vorgestellt, ist jetzt aber als "internes Arbeitspapier" auf den Internetseiten der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nachzulesen. Unter dem Titel "Ökumenisches Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall" beschreibt es detailliert, wie sich beide großen Kirchen auf einen möglichen Verteidigungsfall vorbereiten.
Russland könnte angreifen
Nach eigenen Angaben will das Papier auf "Situationen vorbereiten, in denen alle Friedensbemühungen gescheitert sind." Nicht zuletzt der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zeige, dass so ein Fall tatsächlich eintreten könne, heißt es weiter: "Alle relevanten Akteure aus Militär, Nachrichtendiensten und Wissenschaft warnen davor, dass Russland bereits vor Ende dieses Jahrzehnts in der Lage sein könnte, NATO-Gebiet anzugreifen."
Dabei orientieren sich die Kirchen mit ihrem Papier am "Operationsplan Deutschland" des Bundesverteidigungsministeriums:
Diese Planungen gehen davon aus, dass Deutschland im NATO-Bündnisfall eine wichtige Logistikdrehscheibe wäre und Transporte von Verwundeten und Gefallenen ebenso zu erwarten seien wie große Fluchtbewegungen.
Überbringen von Todesnachrichten
Konkret rechnen die Kirchen in diesen Fällen mit einem deutlich erhöhten Bedarf an Militärseelsorge und mit mehr Seelsorge in Krankenhäusern. Hinzu kämen weitere Aufgaben und Herausforderungen, etwa bei Beisetzungen, bei der seelsorgerlichen Begleitung von Gefangenen sowie beim Überbringen von Todesnachrichten. Darüber hinaus sei mit einer großen Zahl traumatisierter Heimkehrer zu rechnen.
"Für die Zivilbevölkerung werden besondere Gottesdienste und Veranstaltungen angeboten, die sich mit der Situation im Spannungs-, Bündnis- oder Verteidigungsfall auseinandersetzen", heißt es außerdem in dem Papier: "Diese greifen Aspekte von Friedensarbeit auf und fokussieren auf das Leid der Schöpfung und die Fürbitte für die Gemeinschaft und die Soldatinnen und Soldaten."