Bischof Overbeck verurteilt Angriff auf Iran als völkerrechtswidrig

Feuer mit Feuer bekämpfen?

Trotz Menschenrechtsverletzungen des Irans hält der deutsche Militärbischof Franz-Josef Overbeck den Angriff von USA und Israel für problematisch. Es gelte das Völkerrecht und nicht das Recht des Stärkeren.

Ein Kampfflugzeug startet vom britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Akrotiri / © Petros Karadjias/AP (dpa)
Ein Kampfflugzeug startet vom britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Akrotiri / © Petros Karadjias/AP ( dpa )

Mit Blick auf Ziele, Motive und Folgen kritisiert der deutsche Militärbischof Franz-Josef Overbeck den Angriff von USA und Israel auf den Iran. "Aus meiner Sicht handelt es sich hier um einen Verstoß gegen das Völkerrecht, der die ohnehin schon geschwächte regelbasierte Ordnung weiter aushöhlt", erklärte der Essener Bischof auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). 

Franz-Josef Overbeck / © Julia Steinbrecht (KNA)
Franz-Josef Overbeck / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Natürlich sei die Herrschaft der Ajatollahs ein brutales Unterdrückungsregime. Dem Regime aber mit Waffengewalt entgegenzutreten, hält Overbeck für problematisch. Die Begründungen von USA und Israel seien zudem unterschiedlich zu bewerten. 

Ein Hauptgrund sei etwa die Prävention einer iranischen Atombombe. Allerdings sei nicht sicher, wie nah das Regime tatsächlich an einer atomaren Bewaffnung stehe. Auch seien solche Bedrohungsprognosen in der Vergangenheit oft fehlerhaft gewesen. "Für Israel ist die Bedrohungslage sicher anders gelagert als für die USA", so Overbeck. 

Doch auch dann müsse das Völkerrecht gelten. "Wird es ausgehöhlt, droht ganz offen das Recht des Stärkeren, an die Stelle der Stärke des Rechts zu treten - und das führt in eine gefährliche Sackgasse." 

Bischof sieht moralisches Dilemma 

Overbeck bezeichnete die Bewertung des Angriffs als Dilemma, da auch das iranische Regime das Völkerrecht mit Füßen trete und schwerste Menschenrechtsverletzungen begehe. "Auf der einen Seite bin ich erschüttert über die schrecklichen Taten dieses Unrechtsregimes, und auf der anderen Seite steht die Einsicht, dass Rechtsbindung gerade im Konfliktfall entscheidend ist." 

Obertsleutnant Schäffer, Militärbischof Franz-Josef Overbeck und Oberst i. R. Manfred Rotter bei der Bundeskonferenz der GKS (privat)
Obertsleutnant Schäffer, Militärbischof Franz-Josef Overbeck und Oberst i. R. Manfred Rotter bei der Bundeskonferenz der GKS / ( privat )

Wenn sich jeder auf Ausnahmen berufen könne, werde das Völkerrecht am Ende fragiler, nicht stärker. 

Mit Blick auf deutsche Soldaten nehme die katholische Militärseelsorge aktuell eine gestiegene Anspannung wahr – sowohl bei Soldaten vor Ort als auch bei ihren Familien.

An Truppenstandorten, die der Iran als Reaktion angegriffen hatte, sind auch Bundeswehrangehörige stationiert. 

Laut Bischof gebe es unter ihnen bislang aber keine Verwundeten. Über Auslandsseelsorger bleibe Overbeck mit den zuständigen Stellen vor Ort weiter in Kontakt. 

Quelle:
KNA