Mit Blick auf Ziele, Motive und Folgen kritisiert der deutsche Militärbischof Franz-Josef Overbeck den Angriff von USA und Israel auf den Iran. "Aus meiner Sicht handelt es sich hier um einen Verstoß gegen das Völkerrecht, der die ohnehin schon geschwächte regelbasierte Ordnung weiter aushöhlt", erklärte der Essener Bischof auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Natürlich sei die Herrschaft der Ajatollahs ein brutales Unterdrückungsregime. Dem Regime aber mit Waffengewalt entgegenzutreten, hält Overbeck für problematisch. Die Begründungen von USA und Israel seien zudem unterschiedlich zu bewerten.
Ein Hauptgrund sei etwa die Prävention einer iranischen Atombombe. Allerdings sei nicht sicher, wie nah das Regime tatsächlich an einer atomaren Bewaffnung stehe. Auch seien solche Bedrohungsprognosen in der Vergangenheit oft fehlerhaft gewesen. "Für Israel ist die Bedrohungslage sicher anders gelagert als für die USA", so Overbeck.
Doch auch dann müsse das Völkerrecht gelten. "Wird es ausgehöhlt, droht ganz offen das Recht des Stärkeren, an die Stelle der Stärke des Rechts zu treten - und das führt in eine gefährliche Sackgasse."
Bischof sieht moralisches Dilemma
Overbeck bezeichnete die Bewertung des Angriffs als Dilemma, da auch das iranische Regime das Völkerrecht mit Füßen trete und schwerste Menschenrechtsverletzungen begehe. "Auf der einen Seite bin ich erschüttert über die schrecklichen Taten dieses Unrechtsregimes, und auf der anderen Seite steht die Einsicht, dass Rechtsbindung gerade im Konfliktfall entscheidend ist."
Wenn sich jeder auf Ausnahmen berufen könne, werde das Völkerrecht am Ende fragiler, nicht stärker.
Mit Blick auf deutsche Soldaten nehme die katholische Militärseelsorge aktuell eine gestiegene Anspannung wahr – sowohl bei Soldaten vor Ort als auch bei ihren Familien.
An Truppenstandorten, die der Iran als Reaktion angegriffen hatte, sind auch Bundeswehrangehörige stationiert.
Laut Bischof gebe es unter ihnen bislang aber keine Verwundeten. Über Auslandsseelsorger bleibe Overbeck mit den zuständigen Stellen vor Ort weiter in Kontakt.