Bischof Franz-Josef Bode feiert 75. Geburtstag

Aufbruch, Reform und Rücktritt

Fast 28 Jahre lang leitete er das Bistum Osnabrück und wird dort nach wie vor geschätzt. Drei Jahre nach seinem vorzeitigen Rücktritt kehrt Bischof Franz-Josef Bode dennoch nach Paderborn zurück. Dort wurde er vor 75 Jahren geboren.

Autor/in:
Roland Juchem
Bischof em. Franz-Josef Bode / © Friso Gentsch (dpa)
Bischof em. Franz-Josef Bode / © Friso Gentsch ( dpa )

Nur eine Woche vor dem Geburtstag stand in Osnabrück der Möbelwagen vor der Tür. Und so wird Franz-Josef Bode an seinem 75. Geburtstag in Paderborn vermutlich nicht nur Geschenke, sondern auch die eine oder andere Bücherkiste auszupacken haben. Zurück in jener Wohnung, in der er vor über 30 Jahren als Weihbischof wohnte. 

Normalerweise hätte er dem Papst erst zu diesem Datum seinen Rücktritt anbieten müssen. Er tat es schon Anfang 2023 - wegen des Missbrauchsskandals und seiner Gesundheit. Damit ist Bode bisher der erste deutsche Bischof, der im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal sein Amt abgegeben hat. Andere Rücktrittsgesuche aus diesem Grund hatte der Papst bisher abgelehnt.

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode / © Lars Berg (KNA)
Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode / © Lars Berg ( KNA )

Als Bode im September 1995 zum Bischof von Osnabrück ernannt wurde, hatte das Bistum gerade 70 Prozent seiner Fläche und 40 Prozent seiner Mitglieder eingebüßt. Die wechselten zum neu errichteten Erzbistum Hamburg. Unter dem Motto "Kleines Bistum - große Chance" formulierten damals die Katholiken im verbliebenen Gebiet zwischen Nordsee und Teutoburger Wald, Bremen und dem Emsland klare Erwartungen. Der neue Bischof solle neue Akzente in Ökumene und Jugendarbeit setzen sowie Laien mehr Verantwortung geben.

Kleines Bistum mit jüngstem Bischof

Im Rückblick sieht Bode selbst einen guten Teil der Erwartungen von 1995 erfüllt. Es sei gelungen, ein neues, eigenes Bistumsbewusstsein zu entwickeln, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Geboren 1951 in Paderborn, wurde Bode nach dem Studium in Regensburg und Münster 1975 zum Priester geweiht. In den Folgejahren wirkte er als Seelsorger in Lippstadt und Fröndenberg, war zwischenzeitlich für die Priesterausbildung zuständig und vier Jahre lang Weihbischof in Paderborn.

Bei seinem Amtsantritt in Osnabrück war Bischof Bode - genannt "Bibo" - mit 44 Jahren Deutschlands jüngster Diözesanbischof. Wenig später übernahm er für 14 Jahre den Vorsitz der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, später leitete er deren Pastoralkommission. Zuletzt war er stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Wichtige Rolle beim Synodalen Weg

Im Reformprojekt Synodaler Weg ab 2019 spielte Bode eine zentrale Rolle. Noch wenige Tage vor seinem Rücktritt kündigte er die Umsetzung von Beschlüssen in seinem Bistum an. Dazu gehört das Angebot offizieller Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare und wiederverheiratete Geschiedene. Auch sind rund 30 Laien beauftragt, Taufen zu spenden.

Bischof Franz-Josef Bode (vorne) bei Beratungen des Synodalen Wegs (Archiv) / © Anne Ackermann (KNA)
Bischof Franz-Josef Bode (vorne) bei Beratungen des Synodalen Wegs (Archiv) / © Anne Ackermann ( KNA )

Als einen Höhepunkt seiner Amtszeit sieht Bode den Katholikentag 2008 in Osnabrück. Dieser habe wichtige Impulse für bistumsinterne Zukunftsgespräche gegeben, die unter dem Motto "Kirche der Beteiligung" standen - lange vor dem Synodalen Weg und der von Papst Franziskus initiierten Weltsynode. 

Katholiken wie Beobachter bestätigen: Nur in sehr wenigen deutschen Bistümern konnten in den vergangenen Jahrzehnten Mitarbeiter so frei und selbstständig wirken wie unter der Ägide von Bode und seinem langjährigen Generalvikar Theo Paul (72).

"Nur langsam verstanden, wo meine Verantwortung lag"

Rückblickend benennt Bode aber auch Tief- und Schwachpunkte seiner fast 28-jährigen Amtszeit. Dazu zählt der Missbrauchsskandal. Zwei Monate nach seinem vorzeitigen Rücktritt am 25. März 2023 schrieb er: "Nur langsam habe ich wirklich verstanden, wo meine Verantwortung lag und wie ich sie nicht immer richtig wahrgenommen habe." 

Bischof Franz-Josef Bode beim Bußakt 2010 im Osnabrücker Dom / © Hermann Haarmann (KNA)
Bischof Franz-Josef Bode beim Bußakt 2010 im Osnabrücker Dom / © Hermann Haarmann ( KNA )

2022 veröffentlichte Zwischenergebnisse einer Studie der Universität Osnabrück warfen ihm und anderen Verantwortlichen vor, unangemessen oder nicht pflichtgemäß auf Hinweise zu sexuellem Missbrauch reagiert zu haben.

Selbstkritisch sieht Bode auch die zwischenzeitlich expansive Strategie seines Bistums bei Schulen und Krankenhäusern. Wegen kirchlicher Finanzrückgänge und der bundesweiten Gesundheitsreform stehen diese diözesanen Einsatzfelder heute stark unter Druck.

Es ist gut, einen Schnitt zu machen

Eine tiefe Zäsur seiner Amtszeit war das Jahr 2018. Vier große Rückenoperationen setzten den Bischof über gut zehn Monate hinweg außer Gefecht. "Es war zum Teil lebensgefährlich, auch wenn ich das damals nicht ganz so empfunden habe", sagt er rückblickend.

Ursprünglich wollte Bode weiter in Osnabrück wohnen. Nun zieht es ihn zurück nach Paderborn. "Die meisten Menschen in Osnabrück habe ich durch mein Amt kennengelernt, und das fällt ja jetzt weg", sagte er im Dezember der Bistumszeitung "Kirchenbote". Es sei gut, einen Schnitt zu machen. Für die weiteren Ruhestandsjahre gibt sich Bode zuversichtlich. Er will am Dom in Paderborn aushelfen und einige Wallfahrten leiten. Weiteres werde sich ergeben. 

Bistum Osnabrück

Das Bistum Osnabrück besteht seit mehr als zwölf Jahrhunderten. Die Anfänge gehen bis aufs Jahr 780 zurück, als Kaiser Karl der Große in Osnabrück eine Missionsstation errichtete. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die räumliche Gestalt des Bistums Osnabrück mehrfach.

Sonnenschein am Dom zu Osnabrück / © Nicolas Ottersbach (DR)
Sonnenschein am Dom zu Osnabrück / © Nicolas Ottersbach ( DR )
Quelle:
KNA