Christliche Minderheit in der Türkei lebt unter ständiger Überwachung

Anteil der Christen sinkt

Der Anteil der Christen an der türkischen Bevölkerung ist in den vergangenen 100 Jahren von 20 auf 0,2 Prozent gesunken, wie die Assyrische Internationale Nachrichtenagentur aina.org berichtete. Das ist ein Rückgang um das 100-Fache.

Armenische Gläubige beten während der Sonntagsmesse in der Surp Asdvadzadzin Patriarchal Church in Istanbul, Türkei, vor dem Besuch von Papst Leo XIV. in der Türkei / © Khalil Hamra/AP (dpa)
Armenische Gläubige beten während der Sonntagsmesse in der Surp Asdvadzadzin Patriarchal Church in Istanbul, Türkei, vor dem Besuch von Papst Leo XIV. in der Türkei / © Khalil Hamra/AP ( dpa )

Es gebe nur noch relativ wenige "widerstandsfähige" einheimische Christen. Das seien in der Regel Armenier, Assyrer oder Griechen, die sich trotz ständiger Überwachung und Übergriffe bisher geweigert hätten, das Land zu verlassen, so Aina.

In der Türkei lebten inzwischen auch zahlreiche christliche Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan, Iran und Syrien. Immerhin sei die Türkei auch im Blick auf Religionsfreiheit noch besser als die Lebensbedingungen, aus denen die Menschen geflohen sind. 

Wenig gewalttätige Übergriffe auf Gläubige

Antichristliche Gewalt sei dort nicht so verbreitet wie in weiten Teilen des Nahen Ostens. In den vergangenen Jahren sei es jedoch auch in der Türkei mehrfach zu Angriffen auf Kirchen sowie zu gewalttätigen Übergriffen auf Gläubige gekommen.

Die römisch-katholische Basilika St. Antonius in Istanbul / © imdat akgun (shutterstock)
Die römisch-katholische Basilika St. Antonius in Istanbul / © imdat akgun ( shutterstock )

Angesichts der Tatsache, dass 99 Prozent der Türken Muslime seien, fänden es "viele Menschen seltsam, dass ein Türke Christ ist", erklärte ein Gesprächspartner der Agentur. Obwohl die Geschichte des Christentums in der Türkei weiter zurückreiche als die Existenz des Islam, werde das Christentum oft als Mittel ausländischer Subversion angesehen. Allerdings sind antichristliche Ressentiments regional unterschiedlich stark.

So ist den Angaben zufolge Zentralanatolien der Teil der Türkei, der dem Christentum am feindlichsten gegenüberstehe. Dort sei es in den vergangenen Jahren vermehrt zu Vorfällen gekommen, bei denen türkische Behörden gegen ausländische Christen vorgingen. 

Obwohl religiöse Aktivitäten in einem nominell säkularen Land völlig legal sind, würden ausländische Christen, die aus verschiedenen Kontinenten stammen, mitunter als Sicherheitsrisiko eingestuft.

Katholische Kirche in der Türkei

In der Türkei leben nach vatikanischen Angaben derzeit rund 53.000 Katholiken. Sie gehören dem lateinischen, armenischen, syrischen und chaldäischen Ritus an. Damit sind die Katholiken nach der Armenisch Apostolischen Kirche die größte christliche Gemeinschaft im Land. Die mitgliederstärkste katholische Gemeinde befindet sich in Istanbul.

Katholische Kirche in der Türkei / © Resat Okan Candemir (shutterstock)
Katholische Kirche in der Türkei / © Resat Okan Candemir ( shutterstock )
Quelle:
KNA