Papst Leo hat ein "offenes Herz für die Ökumene"

"Wir sind eins"

Begegnungen mit Vertretern anderer christlicher Traditionen gehören für einen Papst zum Pflichtprogramm, beispielsweise im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Wie steht Leo XIV. bisher zur Ökumene?

Autor/in:
Sabine Kleyboldt
Papst Leo XIV. bei einem ökumenischen Abendgebet zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen am 25. Januar 2026 in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. bei einem ökumenischen Abendgebet zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen am 25. Januar 2026 in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Schon wieder Premieren für den - nicht mehr ganz so neuen - Papst: Erstmals hielt Leo XIV. am Sonntag in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern das Vespergebet zur Gebetswoche für die Einheit der Christen. Dabei prangte hoch über dem von Männern und Frauen vieler christlicher Traditionen bevölkerten Kirchenschiff sein neues Mosaik-Porträt. 

Lächelnd reiht sich der erste US-Amerikaner im Papstamt als Nummer 267 in die Galerie der Nachfolger Petri. Zudem hatte Leo XIV. wenige Stunden zuvor seine erste Botschaft zum Sonntag der Weltmission veröffentlicht.

Papst Leo XIV. bei der Vorstellung seines fertiggestellten Mosaik-Porträts  / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. bei der Vorstellung seines fertiggestellten Mosaik-Porträts / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Dass er bei dieser an sich rein katholischen Initiative starke ökumenische Akzente setzt, ist nicht ungewöhnlich. Denn Ökumene und Evangelisierung sind eng miteinander verknüpft, Spaltungen innerhalb der Christenheit machen den Glauben für Fernstehende nicht gerade attraktiv, was Kirchenvertreter bereist mehrfach bereut haben.

Darauf ging Leo sowohl in seinem Text zum 100. Sonntag der Weltmission ein - in Deutschland am 18. Oktober - als auch in seiner Predigt am Sonntagabend: Alle Christen seien aufgerufen, das gemeinsame Engagement für die Verbreitung des Glaubens zu erneuern; auch wenn Spaltungen "das Licht Christi nicht daran hindern zu leuchten", trübten sie es doch. Und mit Blick auf den Missionssonntag warnte er: Konflikte, Polarisierungen, Missverständnisse und Misstrauen unter Christen schwächen ihr Zeugnis gegenüber der Welt.

Ökumenisches Gebetstreffen mit Papst Leo XIV. am 28. November 2025 in der Nähe der archäologischen Ausgrabungen der antiken Basilika Sankt Neophyt in Iznik (Türkei) / © Lola Gomez/CNS photo (KNA)
Ökumenisches Gebetstreffen mit Papst Leo XIV. am 28. November 2025 in der Nähe der archäologischen Ausgrabungen der antiken Basilika Sankt Neophyt in Iznik (Türkei) / © Lola Gomez/CNS photo ( KNA )

Wie schon bei der Heilig-Jahr-Feier der Missionare und Migranten am 5. Oktober beschwor Leo XIV. "ein neues missionarischen Zeitalter". Dazu wünscht er intensivere Beziehungen zu allen christlichen Kirchen. Dabei seien auch die Chancen zu nutzen, "die sich aus der gemeinsamen Feier des 1.700. Jahrestages des Konzils von Nizäa ergeben haben", erinnerte er an das Treffen Ende November im türkischen Iznik, dem antiken Nizäa.

Die Grundlagen für das historische Treffen in der Türkei hatte Leos Vorgänger Franziskus (2013-2025) mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. gelegt. Immer wieder machte Leo deutlich, dass dies keinesfalls ein ererbter Pflichttermin sei, sondern dass er selbst aus vollem Herzen hinter der Initiative steht.

Der "Moment der Geschwisterlichkeit" in Iznik sei ein "wertvolles und unvergessliches Zeugnis unserer Einheit in Christus" gewesen, sagte er. "Möge der Heilige Geist auch heute in uns die fügsame Intelligenz finden, um den Männern und Frauen unserer Zeit mit einer Stimme den Glauben zu verkünden!"

Papst Leo XIV. und Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, nehmen am ökumenischen Gebetstreffen teil am 28. November 2025 in der Nähe der archäologischen Ausgrabungen der antiken Basilika Sankt Neophyt in Iznik / © Lola Gomez/CNS photo (KNA)
Papst Leo XIV. und Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, nehmen am ökumenischen Gebetstreffen teil am 28. November 2025 in der Nähe der archäologischen Ausgrabungen der antiken Basilika Sankt Neophyt in Iznik / © Lola Gomez/CNS photo ( KNA )

Dabei sprach der Papst eine der wichtigsten Initiativen der katholischen Kirche der vergangenen Jahre an: die Weltsynode zur Synodalität, die auch durch die Teilnahme "zahlreicher brüderlicher Delegierter" von "tiefem ökumenischen Eifer" geprägt gewesen seien. 

Schon Franziskus habe gesagt, dass das Streben der katholischen Kirche nach Synodalität, also neuen Formen von Mitsprache und Teilhabe, "ökumenisch ist und sein muss, genauso wie der ökumenische Weg synodal ist", so sein Nachfolger. "Ich glaube, dass dies ein Weg ist, um gemeinsam im gegenseitigen Verständnis der jeweiligen synodalen Strukturen und Traditionen zu wachsen", sagte Leo.

Noch ist es zu früh, um Leos Handeln in Sachen Einheit der Christen valide zu beurteilen. Doch schon sein päpstlicher Wahlspruch "In Illo uno unum" ("In dem, der eins ist, sind wir eins", den er bereits als Bischof in Peru hatte, ist in dieser Hinsicht vielversprechend. 

Die Worte stammen von Kirchenvater Augustinus (354-430), den Leo als Mitglied des Augustinerordens bei jeder sich bietenden Gelegenheit zitiert. Die Texte aus der Zeit der Alten Kirche sprechen die Sprache einer noch nicht von Spaltungen gezeichneten Christenheit - vielleicht eine starke Brücke zu den ökumenischen Partnern.

Kardinal Kurt Koch (l.), Präfekt des Dikasteriums für die Förderung der Einheit der Christen; Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (2.v.l.); Papst Leo XIV. und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, bei einem Treffen mit Behördenvertretern, Vertretern der Zivilgesellschaft und des Diplomatischen Korps am 27. November 2025 in der Bibliothek der Nationen in Ankara / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Kurt Koch (l.), Präfekt des Dikasteriums für die Förderung der Einheit der Christen; Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (2.v.l.); Papst Leo XIV. und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, bei einem Treffen mit Behördenvertretern, Vertretern der Zivilgesellschaft und des Diplomatischen Korps am 27. November 2025 in der Bibliothek der Nationen in Ankara / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Auch in deren Namen dankte der Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, dem Papst zum Abschluss der Vesper. Damit habe er "eine schöne Tradition fortgeführt", so der Ökumene-Minister des Papstes. "Wir danken Ihnen für Ihr offenes Herz für die Ökumene", schloss Koch. "Wir versprechen, Sie in unseren Gebeten und in Ihrem petrinischen Dienst für die Einheit der Kirche zu begleiten."

Derzeit dürften Kochs Mitarbeiter allerdings noch tief Luft holen nach den intensiven Vorbereitungen für Nizäa und das Heilige Jahr mit seinen zahllosen Terminen. Am ökumenischen Horizont leuchten aber bereits weitere Großereignisse auf: 2030 der 500. Jahrestag der Veröffentlichung der "Confessio Augustana", eine der wichtigsten lutherischen Bekenntnisschriften. Sie wurde 1530 Kaiser Karl V. übergeben und gilt als Meilenstein der Reformationsgeschichte.

Schon 1980 zum 450. Jahrestag des Augsburger Bekenntnisses gab es eine gemeinsame Erklärung von Papst Johannes Paul II. und den Lutheranern. In vier Jahren könnte auch Leo XIV. mit dem Lutherischen Weltbund auf den fruchtbaren Dialog der letzten 50 Jahre blicken. Für ein solches "Joint Statement" steht den ökumenischen Drahtziehern auf allen Seiten noch viel Arbeit ins Haus.

Blick in die Kuppel der Jerusalemer Grabeskirche / © Jan Hendrik Stens (DR)
Blick in die Kuppel der Jerusalemer Grabeskirche / © Jan Hendrik Stens ( DR )

Und schließlich das Jahr 2033: 2.000 Jahre Tod und Auferstehung Jesu Christi sollen nach dem Willen von Papst Leo mit einem großen Treffen aller Kirchen in Jerusalem gefeiert werden. In Vorbereitung auf 2033 "wollen wir uns bemühen, die ökumenischen synodalen Praktiken weiterzuentwickeln und einander mitzuteilen, wer wir sind, was wir tun und was wir lehren", sagte Leo am Sonntag. "Wir sind eins!", bekräftigte er. "Wir sind es bereits! Erkennen wir es an, erleben wir es, bekunden wir es!"

Der Eindruck verfestigt sich: Auch beim Thema Ökumene ist der gebürtige Chicagoer, der lange in Peru wirkte und intensive Erfahrungen auch auf dem europäischen Kontinent hat, ein Sammler auf dem Stuhl Petri: Leo XIV. will Katholiken jedweder Couleur, Christen verschiedenster Traditionen und "alle Menschen guten Willens" hinter sich vereinen, um mit ihnen an einer Welt der Liebe und des Friedens zu bauen.

Ökumene

Der Begriff "Ökumene" stammt aus dem Griechischen und heißt wörtlich übersetzt "die ganze bewohnte Erde". Gemeint sind die Bemühungen um die Einheit aller getrennten Christen. Die Ökumenische Bewegung ging zunächst von evangelischer Seite aus; als Beginn gilt die Weltmissionskonferenz von Edinburgh im Jahr 1910. Sie führte 1948 zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Weltkirchenrat, ÖRK) mit Sitz in Genf. Ihm gehören heute 349 reformatorische, anglikanische und orthodoxe Kirchen mit 560 Millionen Christen in 110 Ländern an.

Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz (KNA)
Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz ( KNA )
Quelle:
KNA