Im Gottesdienst erklingt die "Messa a 4 Voci" von Claudio Monteverdi und das "Ave verum" von Edward Elgar.
Evangelium am 2. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A: Johannes 1,29–34
In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.
Auslegung zum Sonntagsevangelium von Franz Kamphaus
"Das ist ein schlauer Fuchs", sagen wir. "Das ist eine lahme Ente" oder mitleidsvoll: "Du armer Hund"; und weniger freundlich: "Du Kamel", "du dumme Gans". Demgegenüber bemerken wir voller Hochachtung: "Der ist stark wie ein Löwe", "bärenstark", "bienenfleißig". Ein ganzer Zoo tut sich auf in unserer Sprache, nicht erst heute, sondern seit ewigen Zeiten. Wir haben nicht nur entwicklungsgeschichtlich eine besondere Nähe zu den Tieren. Menschen wählen Tiere, um andere zu charakterisieren. Viele Länder haben Tiere in ihrem Wappen: Bayern ist stolz auf den Löwen, Berlin auf den Bären. Wir schauen hoch zum deutschen Adler.
Was Wunder, dass auch Johannes der Täufer das Leben und die Sendung Jesu im Bild eines Tieres deutet. "Seht, das Lamm Gottes …" (29). Wie kommt er nur auf das Lamm? Da mag der Prophet Deuterojesaja Pate gestanden haben: "Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt …, tat er seinen Mund nicht auf", heißt es da (Jes 53,7). Im Gottesknecht hat Jesus sich wiedergefunden. Er versetzt sich in dieses Lamm, setzt sich damit leidenschaftlich aufs Spiel, um die Allgewalt des Bösen zu durchbrechen: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" (29). Seht den, der aus Liebe zu Gott und zu den Menschen die Schuld auf sich nimmt und auf sich sitzen lässt, obwohl er selbst unschuldig ist. Einer hält die Last der Welt aus.
Franz Kamphaus (Bischof von Limburg, 1932–2025), aus: ders., Tastender Glaube. Inspirationen zum Matthäus-Jahr, 95, © Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern, 2. Auflage 2017, www.verlagsgruppe-patmos.de