Domkapitular Ohly sieht in der Einheit der Christen große Aufgabe

"Glaube lebt von der Begegnung mit Christus"

Zum Auftakt der Gebetswoche für die Einheit der Christen verwies Domkapitular Christoph Ohly in seiner Predigt auf die zentrale Aufgabe einer Einheit der Christen. Dies sei kein Nebenanliegen. Die Gebetswoche startet an diesem Sonntag.

Domkapitular Prof. Christoph Ohly / © Beatrice Tomasetti (DR)
Domkapitular Prof. Christoph Ohly / © Beatrice Tomasetti ( DR )

In seiner Predigt im Kölner Dom spannte Ohly einen großen Bogen vom Weihnachtsgeheimnis bis zur Szene am Jordan, wie sie im Evangelium von diesem zweiten Sonntag im Johannesevangelium beschrieben wird. 

Domkapitular Ohly erinnerte zunächst an den Prolog des Johannesevangeliums: "Im Anfang war das Wort“. Damit werde der Ursprung aller Wirklichkeit sichtbar – Gott selbst als Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist, noch "vor aller Spaltung, vor jeder Entfremdung, vor jeder Sünde". Dieses Wort sei dann "Fleisch geworden" und stehe nun konkret als Mensch unter den Menschen.

Taufstele Yardenit am Jordan / © Sonja Geus (DR)
Taufstele Yardenit am Jordan / © Sonja Geus ( DR )

Am zweiten Sonntag im Jahreskreis führe das Evangelium nicht mehr an den diesen "kosmischen" Anfang, sondern an den Jordan. Dort zeige Johannes der Täufer auf Jesus und sage: "Seht das Lamm Gottes". Zwischen Schöpfung und diesem Moment spanne sich der ganze Heilsweg Gottes. Ohly lud die Gläubigen im Kölner Dom ein, gedanklich am Jordan zu verweilen und als Getaufte zu fragen, was diese Begegnung für den eigenen Alltag bedeute – besonders im Licht der beginnenden Gebetswoche für die Einheit der Christen.

Glaube ist Begegnung

Der erste Schwerpunkt liege auf dem Wort "Seht". Der Glaube beginne nicht mit Erklärungen oder Argumenten, sondern mit einer Begegnung. Johannes erkläre nichts, sondern lade zum Hinschauen ein. Gott zeige sich nicht in Macht, sondern in der Gestalt eines Menschen. Einheit wachse dort, wo Christen gemeinsam auf Christus schauen.

Im Bild vom "Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt", werde sichtbar, so Ohly, wie Gott handle: in hingebender, gewaltloser Liebe. Gemeint sei nicht nur persönliche Schuld, sondern eine grundlegende Zerstörung von Gemeinschaft, zu der auch die Trennung der Christen gehöre. Diese Spaltung sei eine geistliche Wunde der Kirche. Wenn Christus die Sünde trage, trage er auch diese Wunde. Darum lade er ein, Schuld im Sakrament der Versöhnung und die Trennung im Gebet vor ihn zu bringen. Kardinal Kurt Koch – der Präfekt für das Dikasterium für die Einheit der Christen – zitierte Ohly mit den Worten: "Die Einheit der Christen ist kein Nebenanliegen der Kirche".

Zum Glauben gehört Demut

Das Wort des Täufers "ich kannte ihn nicht" deute Ohly als Ausdruck der Demut. Erkenntnis im Glauben sei Geschenk, auch die Kirchen seien Lernende. In diesem Zusammenhang erinnerte Ohly an den ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I.., der sage: Man gehe auf die Einheit zu, "um gemeinsam die Fülle Christi zu erkennen". Einheit bedeute kein Aufgeben von Identität, sondern geistliches Wachsen.

Patriarch Bartholomäus I.  (KNA)
Patriarch Bartholomäus I. / ( KNA )

Schließlich verwies Ohly auf die Taufe: Der Geist, der auf Christus herabkam, begründe eine neue Schöpfung. In dieser Taufe seien Christen bereits verbunden. Einheit sei nicht Ergebnis von Diplomatie, sondern "Frucht des Heiligen Geistes". Aufgabe der Kirche sei es wie Johannes zu bekennen: "Dieser ist der Sohn Gottes" – und gemeinsam auf Christus zu verweisen, in dem Leben, Heil und Zukunft liegen.

DOMRADIO.DE übertrug am zweiten Sonntag im Jahreskreis um 10 Uhr das Kapitelsamt im Kölner Dom mit Domkapitular Christoph Ohly. Die Domkantorei Köln unter der Leitung von Joachim Geibel gestaltete zusammen mit Winfried Bönig an der Domorgel den Gottesdienst musikalisch. So erklang u. a. die "Messa a 4 Voci" von Claudio Monteverdi und das "Ave verum" von Edward Elgar.

Evangelium am 2. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A: Johannes 1,29–34

In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.

Ökumene

Der Begriff "Ökumene" stammt aus dem Griechischen und heißt wörtlich übersetzt "die ganze bewohnte Erde". Gemeint sind die Bemühungen um die Einheit aller getrennten Christen. Die Ökumenische Bewegung ging zunächst von evangelischer Seite aus; als Beginn gilt die Weltmissionskonferenz von Edinburgh im Jahr 1910. Sie führte 1948 zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Weltkirchenrat, ÖRK) mit Sitz in Genf. Ihm gehören heute 349 reformatorische, anglikanische und orthodoxe Kirchen mit 560 Millionen Christen in 110 Ländern an.

Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz (KNA)
Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz ( KNA )
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