Die katholische Wochenzeitung "Die Tagespost" und die Initiative Neuer Anfang sehen sich nach einer Privataudienz bei Papst Leo XIV. ermutigt und bestärkt. Er habe ihnen die Botschaft an die Katholiken in Deutschland mitgegeben, Jesus Christus ins Zentrum zu stellen und missionarische Jünger Christi zu sein, erklärte "Tagespost"-Chefredakteurin Franziska Harter am Donnerstag.
Leo XIV. habe daran erinnert, dass es im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder Laien gewesen seien, die das Leben der Kirche in einem Land gerettet hätten. Im Mittelpunkt der Begegnung am Mittwoch habe, so Harter weiter, die Übergabe eines 20 Seiten langen Dokuments gestanden mit ausgewählten Stimmen katholischer Gläubiger aus Deutschland: "Es war mir wichtig, gegenüber dem Heiligen Vater die Stimmen gerade der jungen Katholiken zu Gehör zu bringen, die für Evangelisierung brennen und den Weg, den ein Großteil der deutschen Bischöfe mit dem Synodalen Weg geht, mit tiefer Besorgnis sehen."
Kritik am Reformprojekt Synodaler Weg
Bernhard Meuser und Martin Brüske von der Initiative Neuer Anfang ergänzten: "Wir haben vieles aus Deutschland vorgetragen, was ihn erschüttert hat." Das Dokument gebe "Einblick in die geistliche Lage vieler Gläubiger, die sich von der offiziellen Kirche in Deutschland - insbesondere im Kontext des Synodalen Weges - nicht mehr gehört fühlen".
Die Initiative Neuer Anfang kritisiert seit Jahren die 2019 von der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gestartete Reforminitiative Synodaler Weg. In dem Projekt beraten Bischöfe und Laienvertreter über die Zukunft der katholischen Kirche. Ausgangspunkt war eine jahrelange Kirchenkrise, die der Missbrauchsskandal verschärft hat. In der Debatte ging es zunächst vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche.
Das Projekt soll in diesem Jahr in einem neuen Gremium aufgehen, der Synodalkonferenz. In ihr wollen Bischöfe und Laien ihre Beratungen verstetigen und sich auch zu gesellschaftlichen Fragen positionieren. Noch ungeklärt ist unter anderem, wie weit Laien nicht nur die Bischöfe beraten, sondern auch Entscheidungen mittreffen dürfen. Dazu hatte es auch aus dem Vatikan mehrfach kritische Einlassungen gegeben.