Geschafft! Mit dem neuen Jahr beginnt für Leo XIV. eine neue Phase als Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken. Sein Terminkalender lässt Raum für ein eigenes Programm und wichtige Entscheidungen. Die Vorgaben seines Vorgängers Franziskus (2013-2025), die das Pensum anfangs noch prägten, sind weitestgehend abgearbeitet. Und mit etwas Glück kann sich der gebürtige US-Amerikaner auch endlich häuslich niederlassen.
Seine neue Papstwohnung im Apostolischen Palast sollte eigentlich schon längst bezugsfertig sein. Doch die Arbeiten am Dach des Palazzos neben dem Petersdom und der lange überfällige Austausch von Strom- und Wasserleitungen dauerten deutlich länger als veranschlagt. Und so pendelt Leo weiter zwischen seiner Kardinalswohnung auf italienischem Terrain und der Zweitresidenz mit den riesigen Gärten in Castel Gandolfo.
Rückzugsort für wichtige Entscheidungen
Dorthin wird sich Leo XIV. nach der absehbaren Wohnungsübergabe weiterhin zurückziehen, um sich zu erholen und über wichtige Entscheidungen nachzudenken. Denn von diesen stehen einige im Raum. Seine Behördenleiter, die Präfekten, sind weiterhin nur vorübergehend in ihren Ämtern bestätigt. Zudem hat etwa ein Drittel dieser Weltkirchen-Minister das vorgesehene Ruhestandsalter von 75 Jahren erreicht oder bereits überschritten. Die Wahl der Nachfolger wird Rückschlüsse auf den Weg seines Pontifikats zulassen.
In den Albaner Bergen soll Leo auch an seinem ersten programmatischen Lehrschreiben sitzen, das wohl 2026 veröffentlicht wird. Die Enzyklika könnte sich dem Vernehmen nach der Künstlichen Intelligenz widmen.
Reisen auf andere Kontinente
Innerkirchlich wird Leo XIV. weiter einen Weg der Befriedung gehen. Ein großer Schritt in diese Richtung ist die Kardinalsversammlung am 7. und 8. Januar, zu der alle knapp 250 Kardinäle der katholischen Kirche eingeladen sind. Unter den zur Auswahl stehenden Themen befindet sich auch eine Reflexion über die Liturgie, deren Form seit Jahrzehnten für Streit zwischen Traditionalisten und Modernisten sorgt. Mit diesem seltenen Treffen dürfte Leo XIV. aber auch seine Fähigkeit zum Teamwork zeigen wollen, und darüber hinaus den weit über die Welt verstreuten Kardinälen eine Möglichkeit zum Austausch bieten.
Einige dieser hochrangigen Kirchenmänner wird Leo XIV. 2026 in ihrer Heimat besuchen. Seine kommenden Auslandsreisen dürften deutlich umfangreicher werden als sein erster Trip in die Türkei und in den Libanon, in Bezug auf die Dauer und auf die zurückzulegenden Kilometer. Nahezu offiziell bestätigte Leo XIV. eine Reise auf den afrikanischen Kontinent.
Als Etappe gesetzt scheint Algerien, wo der langjährige Augustiner-Pater und aktuelle Papst auf den Spuren von Ordensgründer Augustinus wandeln will. Weitere Besuchsländer sind eingeplant, wenn auch nicht bekannt. In den ersten Monaten seiner Amtszeit empfing Leo einige Staatschefs aus Afrika, die vor einem Papstbesuch stets eine offizielle Einladung aussprechen müssen.
Vor dem Betreten des Kontinents legt er möglicherweise einen Zwischenstopp auf den Kanarischen Inseln ein, die Ziel der Fluchtroute Zehntausender Migranten sind. Über diese Reise munkelt man im Vatikan schon länger und die spanischen Bischöfe zeigten sich zuletzt zuversichtlich ob eines Besuchs des Papstes im nächsten Jahr.
Peru oder Argentinien?
Und da wäre noch Leos XIV. zweite Heimat Lateinamerika. Mit einer wenigstens zeitweisen Rückkehr in sein geliebtes Peru, wo er jahrzehntelang arbeitete, rechnen viele Vatikanbeobachter. Doch aktuell wiegelt Leo XIV. ab und bringt stattdessen Argentinien, Uruguay und Nachbarländer ins Spiel. Und so landet vielleicht doch noch ein wenig Erbe seines Vorgängers im Jahr 2026: Franziskus war gebürtiger Argentinier.
Kurztrip zu Franz von Assisi
Einen Kurztrip innerhalb Italiens hat Leo schon zugesagt: Er will das Grab des heiligen Franz von Assisi (um 1181-1226) besuchen, dessen Todestag sich 2026 zum 800. Mal jährt. Gerade Italien wird seinen Schutzpatron gebührend feiern. Nur schade, dass sein Gedenktag am 4. Oktober, der nun erstmals wieder ein gesetzlicher Feiertag ist, diesmal auf einen Sonntag fällt.
Vom 22. Februar bis 22. März werden die sterblichen Überreste des Ordensgründers in der Basilika von Assisi öffentlich ausgestellt - zum ersten Mal seit ihrer Wiederentdeckung im Jahr 1818. Die Chance, die Reliquien eines der populärsten Heiligen der katholischen Kirche zu sehen, wird viele Gläubige aus aller Welt nach Umbrien locken. Und damit dürfte auch für Leo XIV. bereits ein Reisetermin im Frühjahr fix sein.
400 Jahre Weihe des Petersdoms
Europäische Kunst von Barock bis Moderne in Forlì (Emilia-Romagna), Marina Abramovic in Venedig, Mark Rothko in Florenz, Van Dyck in Genua, Robert Mapplethorpe und Anselm Kiefer in Mailand: Für den als kunstsinnig geltenden Papst bieten sich in diesem Jahr viele lohnende Ziele in Italien. Doch ein besonderes Jubiläum, das sich auch künstlerisch niederschlägt, ereignet sich praktisch vor Leos Haustür: der 400. Weihetag des Petersdoms.
Am 18. November 1626 hatte Papst Urban VIII. den zweiten Bau der wichtigsten Kirche der katholischen Christenheit feierlich seiner Bestimmung übergeben - nach 120 Jahren Bauzeit. Sein Vorgängerbau, der erste Petersdom, war von Kaiser Konstantin um 324 n. Chr. über dem vermuteten Grab des Apostels Petrus auf dem Vatikanischen Hügel erbaut worden. Nachdem der wichtigste christliche Pilgerort über die Jahrhunderte zu klein erschien, legte Papst Julius II. (1503-1513) 1506 den Grundstein für den Neubau.
Daran, dass die Papstbasilika eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Barockgeschichte ist, erinnert die Ausstellung "Bernini und die Barberini" vom 12. Februar bis 14. Juni in der Nationalgalerie für Alte Kunst in Rom. Sie untersucht die besondere Beziehung zwischen Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) und seinem wichtigsten Förderer Maffeo Barberini (1568-1644), ab 1623 Papst Urban VIII. Er erteilte ihm unter anderem den Auftrag für den rund 20 Meter hohen Baldachin über dem Petrusgrab, der erst 2024 aufwendig restauriert wurde.
Biennale "In Moll-Tönen"
Ein anderes künstlerisches Großereignis lockte vor zwei Jahren Leos Vorgänger Franziskus an: Die wohl wichtigste Präsentation zeitgenössischer Kunst, die Biennale in Venedig. Ihre 61. Ausgabe vom 9. Mai bis 22. November steht unter dem Motto "In Minor Keys" ("In Moll-Tönen") - passend zur Grundmelodie einer vielfach disharmonischen Welt.
Als erster Papst überhaupt war Franziskus im April 2024 zur Jubiläums-Biennale gereist, um den künstlerischen Beitrag des Vatikans zu besuchen, der in einem Frauengefängnis gemeinsam mit den Inhaftierten konzipiert worden war. Wie sich die katholische Kirche in diesem Jahr bei der Biennale präsentieren wird, und ob mit oder ohne Papst Leo XIV., bleibt abzuwarten.