Souveräner Malteserorden

Sitz des Malteserordens in Rom / © Anna Potiavina (shutterstock)
Sitz des Malteserordens in Rom / © Anna Potiavina ( shutterstock )

Der Souveräne Malteserorden (mit vollem Titel: Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes von Jerusalem von Rhodos und von Malta – früher zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta) ist eine katholische Ordensgemeinschaft, die im 11. Jahrhundert in Jerusalem gegründet und nach dem Ersten Kreuzzug zusätzlich zu einem geistlichen Ritterorden wurde.

Neben der ursprünglicheren Bezeichnung "Johanniter" trat seit der Ansiedlung auf der Insel Malta um 1530 der heute gebräuchliche Name auf. Völkerrechtlich wird der Orden auch heute noch als ein souveränes, nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt betrachtet. In dieser Eigenschaft verfügt der Orden auch über eine eigene Gerichtsbarkeit (Magistralgerichte des Souveränen Malteserordens). Ziel des Ordens, der heute international ca. 13.500 Mitglieder hat, ist es, Alte, Behinderte, Flüchtlinge, an tödlichen Krankheiten Erkrankte und Leprakranke – unabhängig von Religion oder Herkunft – weltweit karitativ zu unterstützen.

Der Malteserorden steht in der Tradition des "Ritterordens vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem", des im 11. Jahrhundert gegründeten weltweit ersten christlichen Krankenpflegeordens. Nach der Reformation trennte sich die Gemeinschaft in die katholischen Malteser und die evangelischen Johanniter. 1879 stellte Papst Leo XIII. die Großmeisterwürde des Malteserordens wieder her. 1953 wurden die Malteser als religiöser und souveräner Orden anerkannt, jedoch dem Heiligen Stuhl unterstellt. Hierarchisch handelt es sich um eine Art Wahlmonarchie; mit seinem Amt wird der Großmeister im Rang einem Kardinal gleichgestellt.

Seit 1834 ist Rom Sitz der Ordensgemeinschaft, die von rund 50 Staaten und Organisationen als Völkerrechtssubjekt anerkannt wird. Rund 6.000 Quadratmeter - vor allem auf dem römischen Aventin-Hügel - sind exterritoriales Gebiet und machen den Orden zum kleinsten Staat der Welt. Er gibt eigene Briefmarken heraus, prägt Münzen und hat ein Auto-Nationalitätenkennzeichen: "SMOM".

Der Malteserorden ist nach eigenen Angaben mit 13.500 Mitgliedern in mehr als 50 Ländern ständig präsent. Als eigenständiges Völkerrechtssubjekt unterhält er diplomatische Beziehungen zu derzeit 104 Staaten sowie Ständige Vertreter bei den Vereinten Nationen, der EU und weiteren internationalen Organisationen. Als seine Aufgabe nennt der Orden medizinische und soziale Projekte aus dem Geist christlicher Nächstenliebe.

Der Orden verfügt über Milliardenbesitz und ist weltweit in der Entwicklungshilfe aktiv. In Deutschland gründeten der deutsche Zweig des Malteserordens und der Deutsche Caritasverband 1953 den Malteser-Hilfsdienst (MHD) als katholische Sanitäts- und Katastrophenschutz-Organisation.

Am 29. April will der Orden den Großen Staatsrat des Ordens einberufen, um einen neuen Großmeister oder einen Statthalter für ein Jahr zu wählen. Die Ordensregierung hatte am 28. Januar den Rücktritt von Großmeister Matthew Festing angenommen. Dieser hatte nach Streitigkeiten über die Enthebung des inzwischen wieder eingesetzten Großkanzlers Albrecht von Boeselager sein Amt auf Wunsch des Papstes aufgegeben.

Nach dem Konflikt zwischen dem Vatikan und den Maltesern hatte der Papst Anfang Februar den vatikanischen Innenminister Giovanni Angelo Becciu zum Sonderbeauftragten für den Orden ernannt. Er soll die Versöhnung unter den Ordensmitgliedern fördern und sich um die "spirituelle und moralische Erneuerung" der Malteser kümmern. Das gelte insbesondere für jene Mitglieder, die Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobt hätten, so der Papst. Becciu soll bis zur Wahl des neuen Großmeisters "einziger Sprecher" in Angelegenheiten zwischen Vatikan und Orden sein. (kna, 19.02.2017)