Steinmeier spricht mit Papst über Glaubwürdigkeit der Kirche

Stippvisite in Rom

Gut zwei Wochen nach Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Montag Papst Franziskus besucht. Bei der Privataudienz wurde ausführlich über die Glaubwürdigkeitskrise der Kirche gesprochen.

Elke Büdenbender (l.),  Frank-Walter Steinmeier und Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Elke Büdenbender (l.), Frank-Walter Steinmeier und Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Dass sich die Kirchen dem Missbrauch stellten, sei zuerst den Betroffenen gegenüber wichtig, sagte das Staatsoberhaupt am Montag vor Journalisten im Vatikan. Aber auch Regierung und Gesellschaft seien angesichts großer Herausforderungen auf starke Kirchen als Partner angewiesen.

Blick auf die Klimakonferenz

In dieser Hinsicht sieht Steinmeier, wie er sagte, auch Potenzial in den unterschiedlichen synodalen Prozessen, die die katholische Kirche in Deutschland und der Papst auf Weltebene angestoßen haben. Des Weiteren sei es bei der rund 50-minütigen Unterredung mit dem Papst wie auch anschließend bei Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem vatikanischen Außenbeauftragten, Erzbischof Paul Gallagher, um die Klimakonferenz in Glasgow sowie wachsende humanitäre Krisen gegangen, etwa in Madagaskar und Afghanistan.

Die bisherigen Klima-Appelle des Papstes wie zuletzt Anfang Oktober gemeinsam mit Vertretern aller Weltreligionen würden auf jeden Fall gehört, so Steinmeier. Das gelte unabhängig davon, ob das Kirchenoberhaupt, wie zunächst vermutet, selbst zur COP26-Konferenz nach Glasgow reist. Angesichts der bisherigen Vorbereitungen sei man im Vatikan allerdings besorgt, dass die Politik den Erwartungen an die Konferenz nicht gerecht werde. Dies gelte vor allem aus Sicht der bisherigen Opfer des Klimawandels.

Flüchtlingskrise ebenfalls Thema

Mit besonderer Sorge beobachtet man laut Steinmeier im Vatikan auch die Flüchtlingskrise an der östlichen EU-Außengrenze. Franziskus habe sich genau erkundigt, welche Folgen dies für Deutschland und die EU überhaupt habe. Nach Aussage des Bundespräsidenten zeigen sich dabei erneut die negativen Folgen jahrelanger migrationspolitischer Uneinigkeit in Europa. Deutlich kritisierte Steinmeier Praktiken des Regimes in Minsk, Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten nach Belarus zu fliegen und sie dann hilflos in Richtung Litauen und Polen zu schicken.

Das Thema Migration war auch Gegenstand der Gespräche, die Steinmeier anschließend mit der Leitung des Souveränen Malteserordens führte. Es war der erste Besuch eines deutschen Bundespräsidenten bei dem Orden, mit dem Berlin erst im November 2017 diplomatische Beziehungen aufgenommen hatte.

Bei der Begegnung mit Steinmeier sollte es auch um den Nahen Osten sowie Katastrophenschutz in Deutschland gehen. Dies hatte der Großkanzler des Ordens, Albrecht von Boeselager, im Vorfeld der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gesagt. Die jüngste Flutkatastrophe im Westen Deutschlands habe gezeigt, wie unzureichend der deutsche Katastrophen- und Zivilschutz sei.

Bereits am Sonntagabend waren Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender zu einem Abendessen in der Botschaft Deutschlands beim Heiligen Stuhl eingeladen. Am Montagnachmittag flogen sie zurück nach Berlin.

Über den Malteserorden

Der Malteserorden steht in der Tradition des "Ritterordens vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem", des im 11. Jahrhundert gegründeten weltweit ersten christlichen Krankenpflegeordens. 1953 wurden die Malteser als religiöser und souveräner Orden anerkannt. Als katholischer Orden sind sie dem Heiligen Stuhl unterstellt.

Sitz des Malteserordens in Rom / © Anna Potiavina (shutterstock)
Sitz des Malteserordens in Rom / © Anna Potiavina ( shutterstock )
Papst Franziskus empfängt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einer Privataudienz / © Divisione Produzione Fotografica (dpa)
Papst Franziskus empfängt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einer Privataudienz / © Divisione Produzione Fotografica ( dpa )
Autor/in:
Roland Juchem
Quelle:
KNA