Statthalter des Malteserordens relativiert Papst-Entscheid

Souveränität nicht beschnitten

Der Statthalter des Malteserordens, Leutnant John Dunlap, sieht durch die Reformen des Papstes keinen Verlust der Ordenssouveränität. Die Arbeit des Ordens sei durch die teils krisenhaften Jahre auch nicht beeinträchtigt worden.

 John Dunlap (l.) und Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
John Dunlap (l.) und Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

"Der Papst hat immer Wert darauf gelegt, dass wir ein religiöser Orden sind, aber er hat nie unsere notwendige Souveränität für unsere diplomatischen Tätigkeiten infrage gestellt", sagte Dunlap im Gespräch mit der Zeitung "Avvenire" (Mittwoch).

 John Dunlap
 / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
John Dunlap / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

Auch dass im provisorischen Souveränen Rat keine Deutschen mehr vertreten sind, sieht Dunlap nicht als Problem. Der aktuelle Rat sei auf Zeit ernannt. Er sehe keinen Grund, warum nicht beim außerordentliches Generalkapitel Ende Januar wieder ein deutscher Vertreter gewählt werden könne.

Die Arbeit des Ordens sei durch die teils krisenhaften Jahre nicht beeinträchtigt worden - im Gegenteil. Die Zahl der Beschäftigten sei von 46.000 auf 52.000 angewachsen und auch bei den Freiwilligen gebe es Zuwachs, so Dunlap.

Albrecht Freiherr von Boeselager aus Amt entlassen

Papst Franziskus hatte Anfang September nach mehrjähriger Verfassungskrise den Großkanzler des Malteserordens, Albrecht Freiherr von Boeselager, aus seinem Amt entlassen. Zugleich löste Franziskus den Souveränen Rat des katholischen Ordens auf.

 Albrecht von Boeselager
 / © Francesco Pistilli (KNA)
Albrecht von Boeselager / © Francesco Pistilli ( KNA )

In dem Dekret berief der Papst einen provisorischen Souveränen Rat und ein außerordentliches Generalkapitel für 25. Januar 2023 ein. Dunlap sowie der Sonderbeauftragte für den Malteserorden, Kardinal Silvano Maria Tomasi, bleiben bis zum Abschluss des Außerordentlichen Generalkapitels im Amt.

Vor der finalen Papst-Entscheidung war über starke Spannungen zwischen dem päpstlichen Bevollmächtigten für die Ordensreform, Kardinal Tomasi, und Teilen der Ordensleitung berichtet worden. Dem Vernehmen nach ging es dabei nicht nur um die Souveränität und die Statuten, sondern auch um die finanzielle Unabhängigkeit des weltweit humanitär tätigen Ordens. Am 27. August traf der Papst mit Tomasi, Dunlap und dem Jesuiten und Kirchenjuristen Gianfranco Ghirlanda zusammen.

Zeitgemäßere Leitungsstruktur geben

Mit der Reform ihrer Verfassung und ihres Kodex wollen sich die Malteser vor allem eine zeitgemäßere Leitungsstruktur geben. Frauen sollen mehr Berücksichtigung finden. Jener Teil, der die Organisation als Orden betrifft, muss vom Papst genehmigt werden, anderes nicht.

Mitglieder des Großen Staatsrats des Souveränen Malteserordens / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Mitglieder des Großen Staatsrats des Souveränen Malteserordens / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Als katholischer Orden ist der Souveräne Malteserorden dem Heiligen Stuhl unterstellt. Gleichzeitig ist er politisch ein eigenes Völkerrechtssubjekt. Dieser Status verschafft ihm einzigartige Zugänge auf politischer und diplomatischer Ebene und soll besondere Unabhängigkeit in Konflikten ermöglichen. Zu 112 Staaten unterhält der Orden derzeit diplomatische Beziehungen.

Hintergrund: Malteserorden

Der Malteserorden steht in der Tradition des "Ritterordens vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem", des im 11. Jahrhundert gegründeten weltweit ersten christlichen Krankenpflegeordens. Nach der Reformation spaltete sich die Gemeinschaft auf in die katholischen Malteser und die evangelischen Johanniter.

Malteserorden hat neuen Großkanzler / © Markus Nowak (KNA)
Malteserorden hat neuen Großkanzler / © Markus Nowak ( KNA )
Quelle:
KNA