Zahl orthodoxer Kirchen in Frankreich steigt deutlich

36 Prozent mehr

Die Orthodoxie in Frankreich trotzt dem Säkularisierungstrend im Land. Während die Zahl katholischer und protestantischer Kirchen immer weiter sinkt, wächst die Zahl orthodoxer Gotteshäuser. Eine neue Studie erklärt, warum das so ist.

Griechisch-orthodoxe Kirche (KNA)
Griechisch-orthodoxe Kirche / ( KNA )

Die Zahl der orthodoxen Kirchen in Frankreich ist zwischen 2010 und 2024 deutlich gewachsen. Sie stieg um 36 Prozent von 235 auf 320 Standorte. Das geht aus einer neuen Studie auf Basis von Daten der Versammlung der orthodoxen Bischöfe Frankreichs hervor, über die die französischsprachige Plattform orthodoxie.com berichtete.

Auch die Zahl der orthodoxen Geistlichen nahm demnach stark zu. Sie wuchs im Untersuchungszeitraum um 40 Prozent von 290 auf 406. Die Zahl der Priester stieg um 37 Prozent, die der Diakone um 57 Prozent.

Rumänen treiben Wachstum an

Als Hauptgrund für das Wachstum nennt die Studie die starke Zuwanderung orthodoxer Rumänen nach dem EU-Beitritt Rumäniens im Jahr 2007. Die rumänische Jurisdiktion stellt inzwischen 37,5 Prozent aller orthodoxen Strukturen in Frankreich. Ihre Zahl an Gotteshäusern hat sich nahezu verdoppelt - von 62 auf 120 Standorte. Zudem betreibt die Rumänische Orthodoxe Kirche 12 der insgesamt 28 orthodoxen Klöster im Land, was einem Anteil von 43 Prozent entspricht.

Symbolbild Priester der rumänisch-orthodoxen Kirche / © Mircea Moira (shutterstock)
Symbolbild Priester der rumänisch-orthodoxen Kirche / © Mircea Moira ( shutterstock )

Auch andere orthodoxe Kirchen verzeichneten Zuwächse. Die Georgische Orthodoxe Kirche wuchs um 300 Prozent von einem auf vier Standorte. Die Russische Orthodoxe Kirche außerhalb Russlands legte um 29 Prozent zu, die Serbische um 20 Prozent und die Bulgarische um 33 Prozent. Rückläufig war hingegen die griechische Metropolie des Patriarchats von Konstantinopel mit einem Minus von sieben Prozent. Dies führt die Studie auf die Alterung früherer griechischer Einwanderergenerationen sowie auf Assimilationseffekte zurück.

Fast jede zweite Gemeinde nutzt Französisch

Die von Erzpriester Jivko Panev erstellte Untersuchung schätzt die Zahl der orthodoxen Gläubigen in Frankreich für das Jahr 2025 auf rund 700.000. Insgesamt sind in dem westeuropäischen Land zehn orthodoxe Jurisdiktionen vertreten. 

Parallel zum demografischen Wachstum nutzen immer mehr Gemeinden Französisch als Gottesdienst- und Gemeindesprache. Die Zahl der französischsprachigen Gemeinden stieg um 52 Prozent von 92 auf 140. Im Jahr 2024 waren 44 Prozent der Gemeinden frankophon, gegenüber 39 Prozent im Jahr 2010. Insgesamt nutzen inzwischen 81 Prozent der Gemeinden Französisch entweder ausschließlich oder als Zweitsprache.

Andere Kirchen schrumpfen

Die Entwicklung stehe in deutlichem Gegensatz zum Rückgang der Religionsausübung bei katholischen und protestantischen Kirchen in Frankreich. Während dort die Zahl der Mitglieder und der Gottesdienstbesuche seit Jahren sinke, zeige die Orthodoxie eine anhaltende demografische und institutionelle Dynamik.

Rumänisch-Orthodoxe Kirche

Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche – Patriarchat von Rumänien, ist mit ungefähr 17 Millionen Mitgliedern nach der Russischen Orthodoxen Kirche – Patriarchat Moskau die zahlenmäßig zweitgrößte orthodoxe autokephale Kirche in der Welt. Ihr gehören etwa 87 Prozent der rumänischen Bevölkerung an. Der Heilige Synod umfasst 42 Bischöfe. Seit der Revolution 1989 und dem Sturz von Nicolae Ceaușescu erlebt die Kirche wieder einen Aufschwung. Mittlerweile gibt es 15 theologische Fakultäten und über 500 Klöster mit mehr als 8000 Mönchen und Nonnen.

Kerzen in einer rumänisch-orthodoxen Kirche / © M.Moira (shutterstock)
Kerzen in einer rumänisch-orthodoxen Kirche / © M.Moira ( shutterstock )
Quelle:
KNA