Kardinal Woelki lässt öffentliche Gottesdienste vorbereiten

"Wir haben eine Botschaft für die Menschen"

"Wenn die Lockerung eintritt, müssen auf jeden Fall auch die Kirchen wieder für öffentliche Gottesdienste geöffnet werden", fordert Kardinal Woelki. Sollten kleinere Geschäfte wieder öffnen, dürften die Kirchen nicht außen vor bleiben.

Rainer Maria Kardinal Woelki / © Oliver Berg (dpa)
Rainer Maria Kardinal Woelki / © Oliver Berg ( dpa )

Sollte eine Lockerung der Corona-Maßnahmen eintreten, so müssten auf jeden Fall auch die Kirchen wieder für öffentliche Gottesdienste geöffnet werden. Das hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki im Nachrichtensender Phoenix an diesem Mittwoch gefordert.

Das Erzbistum Köln bereitet öffentliche Gottesdienste unter Beachtung von Schutz- und Hygieneauflagen in seinen Kirchen vor. "Wir sind dabei, solche Sicherheitsvorschriften zu erarbeiten", sagte Woelki weiter.

Recht auf freie Religionsausübung

Er betonte das Grundrecht eines Kirchengangs und verwies auf die jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts: "Das ist ein Menschenrecht, ein Freiheitsrecht, ein Recht auf freie Religionsausübung, das ist von der Verfassung her garantiert." Woelki geht von einer Öffnung kleinerer Geschäfte, wie zum Beispiel Buchhandlungen aus: "Oder es ist ja sogar die Rede davon, dass in der nächsten Stufe auch Restaurants oder Wirtschaften wieder aufgemacht werden. Also es kann nicht sein, dass da die Kirchen außen vor bleiben."

Er bezeichnete es als schwierig, wenn in Seniorenheimen enge Angehörige und Priester Sterbende nicht besuchen und begleiten könnten. "Ich finde, dass es der Würde des Menschen entspricht, dass niemand alleine sterben soll und alleine sterben muss." Kölner Priester hätten ihm allerdings berichtet, dass sie in den vergangenen Tagen in Senioreneinrichtungen und privaten Haushalten die Sterbesakramente spenden konnten.

Besonders an Ostern habe er gemerkt, wie sehr den Menschen die Mitfeier der Gottesdienste fehle: "Wir haben eine Botschaft für die Menschen, von der sie leben." Der Kardinal betonte dabei auch die schnelle Umsetzung der Kirche hinsichtlich der erforderlichen Abstands- und Hygieneregeln, worauf sich Bund und Länder Ende März mit der Kontaktsperre einigten: "Wir haben versucht, hier unseren Beitrag in der ersten Phase zu leisten, aber jetzt, wenn die Lockerung eintritt, müssen auf jeden Fall auch die Kirchen wieder für öffentliche Gottesdienste geöffnet werden."

Weitere Beratungen von Bund und Länder

An diesem Mittwoch wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Bundesländer über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Im Kampf gegen das Virus waren auch Gottesdienste mit Besuchern verboten worden. 

Unterdessen wollen Vertreter des Bundesinnenministeriums sich am Freitag mit Religionsvertretern zum Austausch über die aktuelle Lage in der Corona-Krise treffen. Das teilte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Berlin mit. Demnach hat der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Markus Kerber, unter anderen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, des Zentralrats der Juden, der orthodoxen Kirche sowie des Koordinierungsrats der Muslime zu einem Gedankenaustausch eingeladen. Thema sei die Erfahrung mit den Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie.

Quelle:
DR , KNA
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