Wie das Plaudernetz der Malteser Menschen hilft

Plaudern gegen Einsamkeit

Es tut manchmal wirklich gut, eine Runde über vermeintliche Belanglosigkeiten und Gott und die Welt zu plaudern. Wenn aber Plauderpartner fehlen, wird es schwierig. Hier springt der Malteser Hilfsdienst mit dem "Plauder-Netz" ein.

Autor/in:
Carsten Döpp
Symbolbild: Eine Person am Telefon.  / © Uli Deck (dpa)
Symbolbild: Eine Person am Telefon. / © Uli Deck ( dpa )

DOMRADIO.DE: Sie haben seit Juni des vergangenen Jahres mehr als 14.000 Gespräche geführt. Wie funktioniert dieses Plaudernetz?

Thomas Borgböhmer (Projektleiter Plaudernetz): Das Plaudernetz der Malteser ist ein kostenloses Gesprächsangebot in Kooperation mit der Deutschen Telekom. Dort können Menschen mit einem Gesprächswunsch täglich zwischen 10 und 22 Uhr anrufen, über die 0800 330 1111. Sie werden dann mit einem unserer Freiwilligen, wir nennen sie Plauder-Partnerinnen oder Plauder-Partner, verbunden und können sich ganz einfach, anonym und kostenlos über unterschiedliche Themen aussprechen. 

DOMRADIO.DE: Sind denn alle Themen erlaubt?

Malteser (Symbolbild) / © Harald Oppitz (KNA)
Malteser (Symbolbild) / © Harald Oppitz ( KNA )

Borgböhmer: Meistens wird über Themen gesprochen, wie das Wetter, ein ganz simples Smalltalk-Thema. Darüber wird häufig so ein Ventil geschaffen, und dann kommt man auf andere Themen zu sprechen: Hobbys, Interessen, das Lieblingsessen, Haustiere, aber auch Alltags-Dinge sind völlig in Ordnung. Letztlich ist es uns wichtig, dass es ein unkomplizierter und herzlicher und respektvoller Austausch ist. Das Plaudernetz ist allerdings kein Notfall- und Beratungstelefon. Wenn es zu solchen Gesprächen kommen sollte, dann geben unsere Plauder-Partnerinnen und Plauder-Partner an die entsprechenden Stellen ab.

DOMRADIO.DE: Wer sind denn die ehrenamtlichen Menschen im Plaudernetz, also die Plauder-Partnerinnen und Plauder-Partner? Wer geht ans Telefon, wenn ich anrufe?

Borgböhmer: Das sind ganz unterschiedliche, sehr faszinierende Menschen. Das sind Menschen, die mitten im Leben stehen, die teilweise selbst auch eigene Einsamkeitserfahrungen gemacht haben oder es aus dem Umfeld kennen, die teils selbst auch schon ehrenamtlich aktiv waren und jetzt eben auf der Suche nach einem neuen Engagement sind, was sich auch flexibel sehr gut in ihren Alltag einbinden lässt. 

Symbolbild Telefonieren / © Andrey_Popov (shutterstock)
Symbolbild Telefonieren / © Andrey_Popov ( shutterstock )

Das sind vor allem auch Menschen, die sehr gerne ihre Zeit einsetzen, um Leuten einen Gesprächswunsch zu erfüllen, und die auch ein großes Interesse haben an anderen Menschen und deren Interessen.

DOMRADIO.DE: Welche besonderen oder kuriosen Plauderthemen hat es denn schon gegeben?

Borgböhmer: Eine meiner schönsten Anekdoten, die mir eine Plauder-Partnerin erzählt hat, ist letztes Jahr im Winter passiert. Da hat die Plauder-Partnerin mit einer Anruferin gesprochen, und im Laufe des Gesprächs haben beide festgestellt, dass sie eine sehr große Liebe für Lyrik, für Gedichte haben. Sie haben dann auch festgestellt, dass beide auch Gedichte schreiben. Dann haben sie angefangen, sich gegenseitig ihre Gedichte vorzulesen.

Das zeigt auch eigentlich ganz schön, was für Zufallsbegegnungen in diesen einmaligen Gesprächen möglich sind. Nämlich, dass sich dann plötzlich zwei Leute treffen, die beide ein Herz für Gedichte haben, und sich dann ihre Gedichte vorlesen.

Die Angebote der Telefonseelsorge haben sich immer weiter spezialisiert / © Markus Scholz (dpa)
Die Angebote der Telefonseelsorge haben sich immer weiter spezialisiert / © Markus Scholz ( dpa )
Symbolbild: Eine Person am Handy.

DOMRADIO.DE: Es kommen viele Anrufe, Sie haben viel zu tun. Möchten Sie das Plauder-Netz-Angebot ausweiten und brauchen Sie noch mehr Freiwillige, die mitreden?

Borgböhmer: Wir sind aktuell bei rund 750 aktiven Plauder-Partnerinnen und Plauder-Partnern, die täglich zwischen 70 und 90 Gespräche annehmen. Das zeigt, dass die Nachfrage da ist. Die Nachfrage aber, zeigt auch, dass es da noch viel mehr Leute gibt, die den Wunsch nach Gesprächen und sozialen Kontakten haben.

Deswegen heiße ich wirklich jede Person willkommen, die noch ein flexibles Engagement sucht und die auch Lust auf Telefongespräche mit anderen Menschen hat, sich beim Plaudernetz anzumelden und mitzumachen. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

Malteser in Deutschland

Die Gemeinschaft der Malteser geht zurück auf ein vom seligen Gerhard gegründetes Hospiz in Jerusalem. Dessen Bruderschaft schlossen sich 1099 die ersten Ritter aus dem Abendland an. 1113 wurde der Orden vom Papst bestätigt. Durch die Jahrhunderte verlagerte sich der Hauptsitz über Rhodos nach Malta – daher der Name "Malteser" – und schließlich nach Rom. Ab 1310 wurde ein Hospital- und Sanitätswesen aufgebaut, das die weltweite Bekanntheit des Malteserordens begründete.

Eine Person mit einer Jacke des Malteser Hilfsdienstes, auf der das Logo mit dem Malteserkreuz angebracht ist, beim Gottesdienst zu Fronleichnam am 11. Juni 2020 in Köln. / © Harald Oppitz (KNA)
Eine Person mit einer Jacke des Malteser Hilfsdienstes, auf der das Logo mit dem Malteserkreuz angebracht ist, beim Gottesdienst zu Fronleichnam am 11. Juni 2020 in Köln. / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR

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