"Die Leute erwarten vielleicht manchmal, dass ich als Bischof richtig würdig rüberkomme. Aber damit kann ich wenig dienen." Weihbischof Ansgar Puff streift eher selten das Bischofsornat über. "Wer mich kennt, weiß auch, dass ich das eigentlich nur in Rom anziehe."
Insofern ist er als Bischof eine Enttäuschung, aber eine, mit der er gut leben kann. In Köln trifft man ihn häufig in schwarzer Jeans und legerem, dunklem Sakko. Meistens ist er auf dem Fahrrad unterwegs, wenn er zum Beispiel zum Seelsorgetreffpunkt für Obdachlose "Gubbio" radelt. Den Armen fühlt er sich besonders verbunden. "Die Armen und die Kirche, möchte ich zusammenbringen", sagt er. Als junger Kaplan lernte er einen Stadtstreicher kennen, der keine Wohnung hatte. "Weil ich eine große Dienstwohnung hatte, ist er dann bei mir eingezogen und wir haben mehrere Jahre zusammengewohnt." Eine oft lustige Zeit sei das gewesen, freut er sich über diese Erfahrung.
Leben unter den Armen
Während seiner zweiten Kaplanstelle im sozialen Brennpunkt Köln-Vingst arbeitete er mit dem bekannten Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer zusammen. Diese Arbeit habe ihn sehr geprägt, sagt er. Seit 2015 ist er Bischofsvikar für die Armen und für die Caritas.
Sein Weg bis dahin war weiß Gott nicht geradlinig. Frei nach dem geflügelten Wort: "Gott schreibt auf krummen Linien gerade", hat Puff bis zur Priesterweihe Krisenzeiten erlebt, die ihn an Gott und die Kirche zweifeln ließen. Als Jugendlicher habe er sich bewusst von der Kirche abgewandt, sagt er. Der Glaube an einen Gott sei doch nur etwas für kleine Kinder oder alte Leute, die Angst vor dem Tod haben, so dachte er damals.
Bis er dann als junger Mann 1974 einen Freund in Toulouse besuchte, der zur Ordensgemeinschaft der "Kleinen Brüder Jesu" gehörte. Das Leben der Ordensbrüder unter den Armen hat ihn beeindruckt und berührt. Ganz durcheinander sei er danach gewesen. "Dieses Durcheinander führte dann zu einer Suchbewegung." Im Priesterseminar erlebte er noch einmal eine persönliche Krise, die ihn aus der Bahn geworfen hat. Fast hätte er den Weg Priester zu werden abgebrochen. Dann aber, nach der Diakonenweihe, habe er diese existentiellen Zweifel nie mehr gespürt.
"Sein Erbarmen rettet"
In der geistlichen Gemeinschaft der Neokatechumenalen Bewegung hat Puff schon vor 40 Jahren eine spirituelle Heimat gefunden. Natürlich weiß er, dass diese Bewegung immer wieder kritisiert wird. Ein enges Glaubenskonzept werde hier gepredigt, das wenig Freiraum für einen kritischen, theologisch durchdrungenen Glauben lasse und strengen Gehorsam einfordere, heißt es – Mitglieder setze die Bewegung unter geistlichen Druck. Er habe das nicht so erlebt, sagt Puff. Und erzählt, wie er ein Jahr lang auch den Kontakt zur Gemeinschaft verloren habe. "Da hat niemand gefragt, was machst du jetzt und ist das richtig." Natürlich will er nicht abstreiten, dass andere Menschen auch andere Erfahrungen in der neokatechumenalen Bewegung gemacht haben. Er selbst aber glaubt, dass dieser Weg ein sehr offener Weg sei.
2013 wurde Ansgar Puff zum Bischof geweiht. Sein Bischofsspruch lautet: "Sein Erbarmen rettet". Barmherzigkeit ist für ihn ein zentraler Begriff seines Glaubens. Den Armen fühlt er sich verbunden. Zudem hat er in seinem Leben eine Erfahrung gemacht, aus der Gott ihn gerettet habe. "Das habe ich als so wunderbar empfunden, dass ich gedacht habe, das kann auch mein Wahlspruch werden", sagt er.
In seiner Zeit als Bischof hat er das Jahr 2021 als einschneidend erlebt. Im Missbrauchsgutachten des Erzbistums Köln wurde ihm pflichtwidriges Verhalten in seiner Zeit als Personalchef des Erzbistums vorgeworfen. Puff bot daraufhin dem Papst seinen Rücktritt als Bischof an und arbeitete bis zur Entscheidung des Papstes, der das Rücktrittsgesuch ablehnte, drei Monate in einem Alten- und Pflegeheim. Heute sagt er, er sei froh, dass alles offengelegt wurde, und er stehe dazu, diesen Fehler gemacht zu haben. Die Zeit im Altenheim habe ihn verändert. Es sei, auch als Weihbischof, wichtig, immer wieder an die Basis zurückzukehren.
Rausgehen an die Basis, den Menschen zuhören, ihm bedeutet das viel. So hat er sich auf die breite Bahnhofstreppe vom Hauptbahnhof zum Dom gesetzt und den Menschen Gespräche angeboten. Sehr persönliche Gespräche seien das gewesen, teilweise auch Beichtgespräche. Als dann Corona kam, musste er dieses Angebot einstellen. Aber, Weihbischof Puff bleibt aktiv und geht dahin, wo die Menschen sind. Jetzt hat er ein Ladenlokal in Köln, mitten in einem sozialen Brennpunkt, angemietet. Brennender Dornbusch nennt er dieses Angebot, das auch Brücken zwischen den Konfessionen bauen soll. Denn in der Gegend leben viele Muslime, und die Geschichte vom brennenden Dornbusch steht sowohl in der Bibel als auch im Koran. Offen für das Gespräch, ohne aufdringlich zu sein, ohne etwas zu wollen, das nimmt er sich vor.
70 Jahre wird Weihbischof Puff am 8. Januar. Und wie feiert er seinen runden Geburtstag? Einen Saal will er nicht mieten, denn groß zu feiern, ist nicht sein Ding. Deswegen hat er Bekannte und Freunde geschrieben, dass er sie zu seinem Geburtstag einladen möchte – und zwar das ganze Jahr. "Ich feiere jeden Monat einmal, jeweils mit 15 Leuten, weil das 70. Lebensjahr auch nicht einen Tag dauert, sondern das ganze Jahr. So können sich meine Freunde aussuchen, wann sie kommen wollen, so dass dann in jedem Monat einmal Geburtstag gefeiert wird."