Viele Namen sind die letzten Tage durch die Kirchenblase gegeistert. Um 12 Uhr am Donnerstag wurde gleichzeitig in Münster und in Rom verkündet, dass die mitgliederstärkste deutsche Diözese mit Heiner Wilmer einen Oberhirten bekommt, der seit seiner Wahl zum Vorsitzenden der Bischöfe schon Wochen im Mittelpunkt der Medienöffentlichkeit steht.
"Brannte nicht unser Herz", so begann er um 12 Uhr seine Ansprache mit der Geschichte der Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus. "Aufsuchen, zuhören, verstehen und dann gemeinsam vorangehen. Nicht alles wissen, nicht alles erklären können – aber unterwegs sein." Damit fasst der neue Bischof von Münster die Herausforderungen der Kirche im 21. Jahrhundert gut zusammen.
Das Domkapitel und Papst Leo haben mit Wilmer einen Bischof ausgewählt, der sein Amt ganz im Sinne des neuen Pontifikates ausübt. Dafür sprechen mehrere Argumente.
Ein Ordensmann mit Blick für die Weltkirche
Heiner Wilmer ist Mitglied der Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester (SCJ) und stand diesem Orden mehrere Jahre als Oberer in Rom vor. Papst Leo ist als Augustiner selbst Ordensmann und setzt gerne andere Ordensleute in kirchliche Verantwortung.
Das haben wir erst vor wenigen Tagen erlebt, als der Papst den ersten Bischof in Deutschland eingesetzt hat. Der aus Indien stammende Karmelit Joshy Pottackal ist als neuer Mainzer Weihbischof nicht nur der erste nicht-europäische Bischof in Deutschland, sondern auch selbst Ordensbruder.
Eine spirituelle Stimme des Ausgleichs
Schon bei der Wahl zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz haben viele Stimmen herausgestellt, dass Wilmer weder dem einen noch dem anderen kirchenpolitischen Lager zuzuordnen ist. Er hat sich für einige Reformen des Synodalen Weges ausgesprochen, möchte diesen Weg aber mit Bedacht und Respekt gehen.
Gleichzeitig betont er auch den Wert der Tradition und die Treue zum Lehramt. Wilmer prägt eine tiefe Spiritualität, die er nicht versteckt. Seine ersten Worte als Vorsitzender der Bischofskonferenz an die Presse waren: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade."
Ein Bischof mit Erfahrung
Obwohl es nicht in die Reihe der Erzbistümer fällt, ist Münster das mitgliederstärkste Bistum der Deutschen Bischofskonferenz. Deshalb wurde vorab schon viel spekuliert, ob für dieses Bischofsamt ein "neuer" Bischof geweiht wird, ein Hirte aus einem anderen Bistum abgezogen wird, oder vielleicht ein lokaler Weihbischof befördert wird. Für alle Optionen gäbe es gute Argumente.
Schaut man sich die Personalentscheidungen in den ersten zehn Monaten des neuen Papstes an, sehen wir mit der Entscheidung in Münster ein Muster bestätigt, das wir zum Beispiel auch in New York gesehen haben, wo als Nachfolger des emeritierten Kardinals Timothy Dolan mit Ronald Hicks der bisherige Bischof des Provinzbistums Joliet in Illinois zum neuen Metropoliten erhoben wurde. Leo setzt in bedeutenden Diözesen auf Kirchenmänner mit Entwicklungspotential, die sich aber bereits in Verantwortungspositionen bewiesen haben.
Was bedeutet die Ernennung für die Kirche in Deutschland?
Bereits nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Bischöfe wurde mehrmals betont, dass Heiner Wilmer eine Stimme ist, die es schafft, ausgleichend zu wirken und verschiedene kirchenpolitische Lager zu verbinden. Wenn er das nun vom bedeutenden Bischofssitz im Münsteraner Paulusdom tut, hat sein Wort auch innerhalb der Bischofskonferenz und mit Blick auf den Vatikan noch mal ein anderes Gewicht als im Diasporabistum Hildesheim.
Zumal sein Vorgänger Felix Genn im Vatikan als Mitglied der Bischofskongregation eine bedeutende Stimme dargestellt hat, die von vielen innerhalb und außerhalb vatikanischer Kreise großen Respekt erfahren hat. Wenn Heiner Wilmer nun im Namen der deutschen Bischöfe mit der Kurie und dem Papst spricht, hat er mehrere Argumente, die für ihn sprechen: die Autorität als Vorsitzender der Bischofskonferenz, seine Erfahrung als Ordensoberer – und nun auch die Autorität eines in Rom respektierten und bedeutenden Bischofssitzes.