Am Donnerstagmittag wurde seine Ernennung durch Papst Leo XIV. im St.-Paulus-Dom bekanntgegeben. Damit endet eine lange Zeit des Übergangs, in der der Diözesanadministrator Antonius Hamers das Bistum leitete. Der 64-Jährige folgt damit auf den emeritierten Bischof Felix Genn, der das Bistum von 2009 bis 2025 geleitet hatte.
Wilmer gehört dem Orden der Herz-Jesu-Priester an und steht seit 2018 an der Spitze des Bistums Hildesheim. Erst vor wenigen Wochen war er zudem zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt worden.
Geboren 1961 im niedersächsischen Emsland, trat Wilmer bereits früh in den Orden ein und wurde 1987 zum Priester geweiht. Es folgten Studien in Rom und Freiburg sowie verschiedene Stationen in Schule und Seelsorge – unter anderem auch in den USA. Später übernahm er Leitungsverantwortung innerhalb seines Ordens: Zunächst als Provinzial der Herz-Jesu-Priester in Deutschland, dann von 2015 bis 2018 als Generaloberer in Rom.
Soziale Fragen im Mittelpunkt
Mit der Ernennung zum Bischof von Hildesheim durch Papst Franziskus begann 2018 seine Laufbahn als Diözesanbischof. In der Deutschen Bischofskonferenz profilierte sich Wilmer seither insbesondere in gesellschaftspolitischen Fragen. So leitete er die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen und engagierte sich unter anderem in der Friedensethik und Sozialpolitik.
Wilmer gilt als Brückenbauer innerhalb der Kirche – als jemand, der unterschiedliche Positionen zusammenführen will. Beobachter beschreiben ihn als reformoffen, zugleich aber moderat und um Ausgleich bemüht. Diese Haltung zeigte sich auch in den Debatten um den Reformprozess der Kirche in Deutschland, in denen er wiederholt für Dialog und Zusammenhalt geworben hat.
Ein Novum: Laien beteiligt
Erstmals waren bei dieser Wahl in Münster auch Laien beteiligt: Grundlage für die Bischofswahl ist das seit 1929 geltende Preußen-Konkordat, der Vertrag zwischen dem Staat und dem Heiligen Stuhl in Rom. Es überträgt dem Domkapitel das Vorschlagsrecht für geeignete Kandidaten. Der Vatikan prüft diese und weitere Vorschläge, die aus den Reihen der Bischöfe kommen, und erstellt schließlich eine Liste mit drei Namen (Terna), aus der das Domkapitel einen neuen Bischof wählt. Die eigentliche Ernennung erfolgt dann durch Papst Leo XIV.
Als Teil des kirchlichen Reformprozesses "Synodaler Weg" waren in Münster dieses Mal Laien an der Bischofswahl beteiligt. 2025 konnten Vertreterinnen und Vertreter des Diözesanrates, der Ordensgemeinschaften und kirchlichen Mitarbeitenden in sogenannten "hörenden Konsultationen" ihre Erwartungen an den neuen Bischof formulieren. Diese Entscheidung markiert einen bedeutenden Schritt hin zu mehr Mitbestimmung in der katholischen Kirche. Eine ähnliche Beteiligung gab es bereits bei den Bischofswahlen in Paderborn und Osnabrück.
Ein Bischof für eine große und vielfältige Diözese
Mit rund 1,6 Millionen Katholikinnen und Katholiken ist Münster die zahlenmäßig größte Diözese Deutschlands. Sie reicht von der niederländischen Grenze bis zur Nordsee und umfasst neben den Regionen in Nordrhein-Westfalen auch den Offizialatsbezirk Oldenburg in Niedersachsen. Der neue Bischof tritt in einer Zeit des Umbruchs an: Strukturwandel, Priestermangel und gesellschaftliche Spannungen stellen auch dieses Bistum vor Herausforderungen.
Zugleich dürfte Wilmers Ernennung auch über das Bistum hinaus Bedeutung haben. Als Vorsitzendem der Deutschen Bischofskonferenz kommt ihm ohnehin eine zentrale Rolle in der katholischen Kirche in Deutschland zu. Mit dem Wechsel nach Münster wird er diese Rolle nun aus einer der wichtigsten Diözesen heraus wahrnehmen.