DOMRADIO.DE: Sind die Magier aus dem Morgenland vor über 2000 Jahren auch durch Spanien gekommen? Was weiß man über deren Route?
Beate Steger (Pilgerexpertin): So genau weiß man das natürlich nicht. Aber sie werden ja sowohl als Vertreter des Lebensalters, also Jüngling, Mann und Greis gesehen, als auch ab dem 14. Jahrhundert als Vertreter der bekannten Weltteile Afrika, Asien und Europa. Derjenige, der von Europa kam oder für Europa stand, ist also vielleicht auch durch Spanien gekommen.
DOMRADIO.DE: Wenn wir die heutigen Wegweiser auf Pilgerstrecken, denen du ja häufig begegnest, vergleichen mit damals, da war es nur ein Stern. Was ist denn da der Unterschied?
Steger: Zunächst einmal muss man natürlich ständig nach oben schauen und aufpassen, dass man nicht stolpert. Wir haben hingegen die Wegweiser schön an Laternenpfählen oder an Bäumen, manchmal sind sie auch auf dem Boden gemalt.
Der Stern von Bethlehem ist wohl ein Fixstern gewesen. Das heißt, man hat ihn auch tagsüber gesehen und musste nicht nur nachts laufen. Aber angeblich waren ja die drei Könige nicht nur Könige, sondern auch Magier. Also wussten sie sicherlich auch mit Sternen Bescheid und haben den Weg dann ganz gut gefunden.
DOMRADIO.DE: Sie pilgern aktuell in Spanien und haben gestern tatsächlich die Heiligen Drei Könige persönlich getroffen, nicht wahr?
Steger: Das stimmt. Ich bin aktuell auf der Via Augusta von Cádiz nach Sevilla. Das ist ein Zubringerweg für die Via de la Plata, die dann Richtung Santiago de Compostela führt. Und ich bin hier in Las Cabezas de San Juan. Da gibt es immer am 5. Januar einen Pilgerumzug oder Dreikönigs-Umzug, wenn die Kinder ihre Geschenke bekommen. Das waren total viele bunte Wagen, ganz viel Musik, viele Süßigkeiten. Und auf diesen Wagen waren die drei Könige drauf, jeder hat einen eigenen Wagen. Das war ein Wahnsinns-Spektakel.
DOMRADIO.DE: Gefeiert wird in Spanien. Aber die Heiligen Drei Könige wohnen bei uns in Köln.
Steger: Ja genau. Sie waren erst mal in Mailand, und als Kaiser Friedrich Barbarossa nach einer langen Belagerung Mailand erobert hat, hat er die Überreste der Heiligen Drei Könige gleich mitgenommen und hat sie nach Köln in den Dom gebracht oder besser gesagt, der wurde dann wahrscheinlich erst dann gebaut. Dieser Reliquienschrein beinhaltet die Gebeine. Also, wohnen tun sie in der Tat in Köln.
DOMRADIO.DE: Man kann tatsächlich sagen, der ganze Dom ist nur gebaut worden als gutes Haus für die Gebeine der Heiligen Drei Könige. Kann man dann auch sagen, dass die Könige eigentlich der Anfang von Köln als Pilgerziel sind?
Steger: Im Mittelalter war es natürlich immer schon so: Wenn die Leute unterwegs waren und egal, wo sie hingepilgert sind, nach Rom, nach Santiago de Compostela oder auch nach Jerusalem, haben sie immer alles mitgenommen, was zwischendrin an tollen Ecken war, also wo eben Reliquien waren. Und so war natürlich auch Köln ein Ziel, wenn das mitten auf dem Weg lag. Oder man hat einen kleinen Umweg gemacht, um dort auch noch hin zu gelangen.
DOMRADIO.DE: Kann man sagen, dass diese letzte Reise von Mailand nach Köln auch eine Pilgerreise für die Heiligen Drei Könige war?
Steger: Das könnte man so sagen. Also, ich habe das auch schon von anderen Heiligen gehört. Auf einer Reise habe ich zum Beispiel Thérèse von Lisieux in Irland getroffen, sie war da auch gerade als Reliquie unterwegs. Und so kann man das natürlich auch als Pilgerreise bezeichnen. Man kann ja alles als Pilgerreise bezeichnen, da muss man nicht so streng sein.
Das Interview führte Uta Vorbrodt.