DOMRADIO.DE: Zu Hause staubsauge ich mindestens einmal pro Woche. Warum geht das beim Kölner Dom nicht?
Dr. Albert Distelrath (stellvertretender Kölner Dombaumeister): Bei einer Gewölbehöhe von 43,5 Metern ist das natürlich schwierig. Manche Flächen sind über Jahrzehnte nicht erreichbar, weil dafür Gerüste aufgebaut oder Hubsteiger eingesetzt werden müssen. Dort sammelt sich entsprechend sehr viel Staub an.
Jetzt haben wir erstmals die Möglichkeit, mit einem sehr neuen Hubsteiger an diese Stellen zu kommen. Er ist nur 1,60 Meter breit und passt gerade so durch die Portale. Das Gerät erreicht eine Höhe von 52 Metern und ist in dieser Form einmalig in Deutschland.
DOMRADIO.DE: Und dieser neue Hubsteiger gehört nicht dem Dom?
Distelrath: Nein, wir haben ihn gemietet. Finanziert wird das freundlicherweise durch das Kärcher-Kultursponsoring, mit dem wir seit Jahren zusammenarbeiten. Kärcher unterstützt immer wieder Reinigungsaktionen im Dom, etwa 2021 bei der Bodenreinigung oder 2019 bei der Reinigung der Wände in den Chorkapellen.
DOMRADIO.DE: Der Hubsteiger steht derzeit in der Turmhalle des Domes. Wie muss man sich die Reinigung der Wände und Gesimse vorstellen?
Distelrath: Die eigentliche Reinigung ist dort relativ unkompliziert, weil es sich um ungefasste Wandflächen handelt. Das heißt, es gibt keine Farbgebung wie in den hochwertigen Bereichen des Binnenchores, wo Farbschichten aus Jahrhunderten vorhanden sind und wo teilweise nur mit Pinseln gereinigt werden darf. Hier haben wir einfache Wandflächen ohne Farbe und ohne Putz. Die können wir trocken reinigen – mit Staubsaugern und verschiedenen Bürstenaufsätzen.
Da der Staub teilweise seit Jahrzehnten dort liegt, ist er etwas schmieriger und verbacken, lässt sich aber mit den Staubsaugern dennoch gut entfernen.
DOMRADIO.DE: Im Gegensatz zu einem Wohn- oder Industriegebäude ist der Dom ein Denkmal und sogar Weltkulturerbe. Worauf muss man beim Reinigen besonders achten?
Distelrath: Bei diesen Flächen ist es weniger problematisch, weil sie keine Fassung haben. Als Dombauhütte sind wir aber für den gesamten Dom zuständig. Altäre mit Fassungen aus mehreren Jahrhunderten müssen hochsensibel gereinigt werden.
DOMRADIO.DE: Werden Sie künftig regelmäßiger reinigen, damit alles hell und freundlich bleibt?
Distelrath: Das hoffe ich. Die konservatorische Notwendigkeit ist hier nicht zwingend, aber jeder Staub, der entfernt wird, kann sich nicht weiter im Dom verteilen und auf Kunstwerken absetzen. Insofern ist das durchaus auch eine konservatorische Maßnahme.
Allerdings ist der Einsatz des Hubsteigers sehr aufwändig. Unter ihm liegen Betonplatten, die zur Grabung im Untergeschoss abgestützt werden mussten – mit Stahlstützen. Das Gerät wiegt 15 Tonnen und kann nur in der Turmhalle eingesetzt werden. Für andere Bereiche müsste der gesamte Dom von unten abgestützt werden.
Das ist eine enorme logistische und bauliche Aufwendung. In der Westturmhalle werden wir diese Reinigung vermutlich erst in zehn bis fünfzehn Jahren wiederholen, weil dort die Belastung besonders hoch ist. Es ist der Eingangsbereich. Täglich kommen etwa 20.000 Besucher in den Dom. Mit ihnen gelangen Salz von den Schuhen, Textilfasern und andere Partikel hinein. Hinzu kommen Kerzenruß und Staub von den Kerzenstationen. Gerade hier ist eine Reinigung daher besonders effektiv.
DOMRADIO.DE: Sollte man als Mensch mit Stauballergie derzeit lieber ein paar Tage nicht in den Dom kommen?
Distelrath: Nein, der Dom kann unbedenklich besucht werden. Der Staub wird sofort abgesaugt und darf bei der Reinigung nicht in die Luft gelangen.
DOMRADIO.DE: Sie kommen an Stellen, an denen lange niemand war. Findet man dort auch Dinge, die man gar nicht vermisst hat?
Distelrath: Hier eher nicht. Ich sage Bescheid, falls wir etwas finden. Bei Kletteraktionen am Südturm haben wir allerdings schon die erstaunlichsten Dinge entdeckt: Schmuck, der heruntergefallen ist, sogar einen Turnschuh oder Reste von Sprengsätzen alter Fliegerbomben. Das ist in der Westturmhalle aber nicht zu erwarten.
Das Interview führte Heike Sicconi.