Täglich werden Nachrichten verschickt, Emojis gesetzt, Herzen angeklickt. Und doch erleben viele Menschen Einsamkeit. Das Altenberger Licht greift diese Spannung in diesem Jahr unter dem Motto "Herz an – Verlässlich und wahr" auf. Wenn am 30. April und 1. Mai zum 76. Mal junge Menschen nach Altenberg kommen, um das Licht zu entzünden und auszusenden, geht es um mehr als eine katholische Tradition: Das Friedenslicht soll daran erinnern, dass der Friede im Kleinen beginnt, in Beziehungen, die Menschen eingehen und durchhalten.
Für den Diözesanjugendseelsorger Pfarrer Tobias Schwaderlapp ist das Motto deshalb nicht nur ein Bild, sondern eine Anfrage an den Umgang miteinander. "Herz an" führt er auf das Thema Beziehung zurück. "Herz ist immer ein Zeichen für Beziehung. Und zwar für richtige Beziehungen", sagt er. Ihn irritiere, wie schnell heute Herzen über Messenger und soziale Medien verschickt würden. "Ein Herz zu verschicken, ist nicht so billig wie ein Doppelklick."
Bereit für Verletzlichkeit
Der Gedanke hinter dem Motto sei deshalb auch ein Gegenimpuls zur Einsamkeit. "Lasst uns doch mal auf analoge Beziehungen Wert legen", fordert er. Dazu wolle das Altenberger Licht ermutigen: weiterzumachen, dranzubleiben und im Kleinen anzufangen. Der Diözesanjugendseelsorger betont, dass dort eine Kultur wachsen könne, die Frieden und Versöhnung nicht nur als Worte versteht, sondern im Alltag beginnt.
Beziehung meint für ihn aber nicht nur Nähe, sondern auch Verletzlichkeit. Das hätten viele Menschen erlebt, sagt Schwaderlapp und formuliert als Einladung: "Fass dir ein Herz für Beziehung und lass dich darauf ein." Denn die Alternative sei, zu Hause zu bleiben und das Herz zu verschließen. Dann werde man feststellen, "dass ein verschlossenes Herz verkümmert".
Vom Kleinen ins Große
Diese Haltung verbindet der Pfarrer mit der Frage, wie sich eine Kultur verändern kann. Eine Kultur verändere sich durch einzelne Menschen, die im Kleinen anfangen. Das Altenberger Licht wolle dazu ermutigen, im Kleinen an einer Kultur des Friedens und der Versöhnung mitzuwirken, sagt der Diözesanjugendseelsorger. Von dort schlägt er den Bogen zum Ursprung des Altenberger Lichts.
Es sei eine "Versöhnungsgeste der deutschen Jugend nach den Kriegswirren und den zwei Weltkriegen" gewesen. Die damalige Frage sei gewesen: "Wie können wir als neue Generation einen Beitrag zum Frieden und zur Versöhnung in Europa leisten?" Die jungen Menschen hätten sich damals "sicherlich nochmal in einer besonderen Verantwortung" gesehen.
"Bereitschaft neu anzufangen"
Seit 1950 wird das Altenberger Licht als Zeichen der katholischen Jugend für Frieden und Versöhnung ausgesendet. Es sei ein "kleines Zeichen unserer aufrichtigen Sehnsucht nach Frieden und unserer Bereitschaft, neu anzufangen". Das Licht sei ähnlich wie heute in der Nacht zum 1. Mai in Altenberg entzündet worden und anschließend nach Osten und Westen an die Grenzen zu den Nachbarn in Frankreich und Polen gebracht worden. In früheren Jahren habe sich das Altenberger Licht auch mit Krisen wie der Flüchtlingskrise oder Kriegen in Europa und der Welt beschäftigt.
Das Altenberger Licht wird in diesem Jahr zum 76. Mal gefeiert. Es beginnt am Donnerstag, 30. April, um 19 Uhr an der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg. Um 23 Uhr überträgt DOMRADIO.DE die Vigil mit dem Entzünden des Altenberger Lichts aus dem Altenberger Dom im Web-TV. Auch die Messe mit der Aussendung des Lichts am Freitag um 10 Uhr überträgt DOMRADIO.DE im Web-TV. Beide Gottesdienste leitet Diözesanjugendseelsorger Pfarrer Tobias Schwaderlapp.