Vatikan-Kommission beschäftigt sich mit neuen Märtyrern

Zum Heiligen Jahr 2025

Mit zeitgenössischen Märtyrern beschäftigt sich eine neue Kommission im Vatikan. Papst Franziskus hat das Expertengremium im Vorfeld des Heiligen Jahres 2025 – einer kirchlichen Großveranstaltung in Rom – gegründet.

Papst Franziskus ruft Heiliges Jahr aus / © Cristian Gennari (KNA)
Papst Franziskus ruft Heiliges Jahr aus / © Cristian Gennari ( KNA )

Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Einsetzungsschreiben des Papstes hervor. Die Kommission soll ein Verzeichnis von Menschen erstellen, "die ihr Blut vergossen haben, um sich zu Christus zu bekennen und seine Botschaft zu bezeugen". Sie werde die Arbeit eines Vorgänger-Gremiums weiterführen, das Papst Johannes Paul II. (1978-2005) vor dem vergangenen Heiligen Jahr 2000 eingesetzt hatte. Damals standen Märtyrer der Diktaturen und der totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Nicht nur katholisch

Die neuen Forschungsarbeiten sollen nicht nur katholische Märtyrer sondern auch Menschen anderer christlicher Konfessionen betrachten. Auch heute noch bezeugten Christen unter großen Risiken ihren Glauben, nähmen an Gottesdiensten teil, kümmerten sich um Bedürftige und Ausgegrenzte und setzten sich für den Frieden ein, schreibt Franziskus. "Wir stehen bei all diesen Menschen in der Schuld und dürfen sie nicht vergessen." Ähnlich wie im Jubiläumsjahr 2000 sei auch für 2025 ein Gottesdienst für die neu entdeckten Märtyrer vorgesehen.

Papst Johannes Paul II. / © giulio napolitano (shutterstock)
Papst Johannes Paul II. / © giulio napolitano ( shutterstock )

Die von Papst Johannes Paul II. erstmals eingesetzte Kommission befasste sich mit dem christlichen Martyrium im 20. Jahrhundert. "Die Generation, der ich angehöre, kennt den Horror von Krieg, Konzentrationslagern, Verfolgung", so der aus Polen stammende Papst. Es habe in dieser Zeit aber auch Menschen gegeben, deren Glaube und Taten von Jesus inspiriert gewesen seien. "Die Erinnerung an sie soll nicht verloren sein, sondern erhalten und dokumentiert werden."

Gedenkstätte auf Tiber-Insel

Die Ergebnisse dieser Arbeit sind mittlerweile um Beispiele aus dem 21. Jahrhundert erweitert in einer Kirche in Rom ausgestellt: Unterhalb der Basilika San Bartolomeo auf der Tiber-Insel befindet sich die "Gedenkstätte der Märtyrer des 20. Jahrhunderts". Dort istzum Beispiel ein Gebetbuch des heiligen Maximilian Kolbe, der 1941 in Auschwitz starb, sowie ein Messgewand des Heiligen Bischofs Oscar Romero, der 1980 in San Salvador erschossen wurde, zu sehen. Die nun eingerichtete "Kommission der Neuen Märtyrer – Zeugen des Glaubens" ist an die Heiligsprechungsbehörde im Vatikan angegliedert.

Was ist ein Märtyrer?

Der Begriff Märtyrer heißt übersetzt Zeuge. Die Christen der ersten Generationen legten, nachdem sie den Glauben angenommen hatten, Zeugnis von Jesus Christus ab, zunächst durch Worte und in der Verkündigung, durch die Unterweisung und in der Predigt. In der Mitte des 2. Jahrhunderts, als Christen wegen ihrer Zeugenschaft im römischen Reich verfolgt wurden, wurde der Begriff Märtyrer genauer gefasst. Alle wegen ihres Glaubens hingerichteten Christen hießen nun Märtyrer.

Die Seelen der Märtyrer / © Illustration aus den Beatus-Apokalypsen des Meisters Pedro (8. Jhdt.)
Die Seelen der Märtyrer / © Illustration aus den Beatus-Apokalypsen des Meisters Pedro (8. Jhdt.)
Quelle:
KNA