Vatikan-Experte Nersinger ordnet Papst-Reise nach Monaco ein

"Ein bewusst katholisches Volk"

Seit dem 16. Jahrhundert hat kein Papst mehr Monaco besucht. Vor der Reise von Papst Leo XIV. blickt Vatikan-Experte Ulrich Nersinger auf das katholische Fürstentum, seine Beziehung zum Papst und sein Engagement für den Lebensschutz.

Autor/in:
Carsten Döpp
Luftaufnahme von Monaco (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Monaco liegt nicht unbedingt auf der Reiseroute der Päpste. Es ist schon sehr lange her, dass ein Papst das Fürstentum besucht hat, nämlich Papst Hadrian VI. im 16. Jahrhundert. Wie ist dieser Besuch damals abgelaufen? 

Vatikanexperte und Buchautor Ulrich Nersinger. (EWTN)
Vatikanexperte und Buchautor Ulrich Nersinger. / ( EWTN )

Ulrich Nersinger (Journalist und Vatikan-Experte): Das war damals eigentlich ein Zufallsbesuch, denn Papst Hadrian VI. war in Abwesenheit von den Kardinälen gewählt worden. Er war Bischof von Tortosa in Spanien und musste dort abgeholt werden, mit dem Schiff natürlich. Man fuhr dann an der Küste entlang bis Genua, weil man Angriffe von Korsarenschiffen, also Piratenschiffen, befürchten musste, und kam dann natürlich auch an Monaco vorbei. Das war ein außergewöhnliches Ereignis für die Bevölkerung von Monaco. 

DOMRADIO.DE: Was hat Papst Hadrian in Monaco gemacht?

Nersinger: Das Schiff des Papstes wurde von 50 anderen Galeeren begleitet, und als dann die Schiffe vor Monaco gesichtet wurden, war die Bevölkerung in großer Aufregung. Sie strömte zum Hafen, und das Schiff des Papstes und die Begleitschiffe fuhren in den Hafen ein. Das Fürstentum feuerte aus allen Kanonen Salut. Hadrian VI. trat an Deck und fragte lächelnd: "Werden wir begrüßt oder beschossen?" Es war eine unglaubliche Menge, die dann auf die Hafenmole zuströmte. 

Mosaik von Papst Hadrian VI. in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern in Rom / © KNA-Bild (KNA)
Mosaik von Papst Hadrian VI. in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern in Rom / © KNA-Bild ( KNA )

Auch der Fürst von Monaco, Grimaldi, machte sich auf und musste sich praktisch durch die Menge durchkämpfen, um überhaupt zum Hafen zu kommen. Man empfing den Papst also mit großer Begeisterung und bat ihn, er möge doch die Stadt besuchen und sich dort alles anschauen und sich ausruhen. Der Papst sagte aber nein, man wolle nur Wasser und Proviant zu sich nehmen. Aber die Begeisterung der Bevölkerung war so groß, dass der Papst sich dann doch entschloss, an Land zu gehen, um die Leute zu segnen. 

Es gab dabei auch eine Begegnung mit einem ehemaligen Admiral und großen Seehelden, Andrea Doria, der einst in päpstlichen Diensten stand und auch unter dieser Menge zu erblicken war. Also, es muss ein unglaubliches Fest für die Bevölkerung von Monaco gewesen sein.

Ulrich Nersinger

"Es ist ein bewusst katholisches Volk gewesen, oder ist es heute noch, und das ist vermutlich auch ein Grund, warum wir einen solchen Besuch erleben."

DOMRADIO.DE: Wie steht es denn generell um das Verhältnis der Monegassen zum Vatikan?

Nersinger: Wenn man mal ins Internet geht, entdeckt man eine Unmenge von Videoclips, die die Besuche des Fürstenpaares, also des Vaters des jetzigen Fürsten, zusammen mit seiner Frau, Grace Kelly, in Rom zeigen. In diesen Filmclips erkennt man ein inniges Verhältnis zwischen dem Fürstenpaar und den Päpsten. Das war schon immer zwischen der Bevölkerung von Monaco und dem Heiligen Stuhl und der Kirche vorhanden. Es ist ein bewusst katholisches Volk gewesen oder ist es heute noch, und das ist vermutlich auch ein Grund, warum wir einen solchen Besuch erleben. Aber es gibt auch noch andere Gründe.

DOMRADIO.DE: Es wurden ja schon häufiger Päpste eingeladen, nach Monaco zu kommen. Leo XVI. hat jetzt diese Einladung angenommen. Was meinen Sie denn, was ihn noch dazu bewogen hat, in das Fürstentum zu reisen?

Papst Leo XIV. trifft Fürst Albert II. von Monaco, am 17. Januar 2026 im Vatikan / © Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. trifft Fürst Albert II. von Monaco, am 17. Januar 2026 im Vatikan / © Romano Siciliani ( KNA )

Nersinger: Ich denke, es hängt auch damit zusammen, dass der Fürst vor einiger Zeit zu einem Staatsbesuch zu einer Privataudienz beim Papst war. Sie dürften ein gutes Gespräch geführt haben und ein gutes Verhältnis zueinander haben. Ich könnte mir denken, dass es den Papst auch beeindruckt hat, dass sich der Fürst gegen eine Liberalisierung des Abtreibungsrechtes in Monaco eingesetzt hat, sich also ganz bewusst für Lebensschutz stark gemacht hat. Ich könnte mir vorstellen, dass das mit ein Grund ist, warum der Papst in diesem wirklich sehr kleinen Staat seine Aufwartung macht.

DOMRADIO.DE: Wird der Papst auch ins Casino gehen oder sich ein paar Luxus-Jachten anschauen?

Nersinger: Der Papst ist zwar von Geburt Amerikaner, aber ich glaube, so weit wird die amerikanische Herkunft nicht gehen, dass er das macht.

Das Interview führte Carsten Döpp.

Quelle:
DR

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