Vatikan-Chefdiplomat Parolin mahnt USA und Israel wegen Iran-Krieg

"Gefahr einer Eskalation"

Überraschend deutlich hat sich Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zur angespannten Lage im Nahen Osten geäußert. Der Chefdiplomat des Vatikan fordert, den Konflikt im Nahen Osten zu beenden und weitere Eskalationen zu verhindern.

Teheran: Eine Frau sitzt auf den Trümmern eines Wohnhauses, das während der amerikanisch-israelischen Luftangriffe beschädigt wurde / © Vahid Salemi/AP (dpa)
Teheran: Eine Frau sitzt auf den Trümmern eines Wohnhauses, das während der amerikanisch-israelischen Luftangriffe beschädigt wurde / © Vahid Salemi/AP ( dpa )

Parolin rate den USA und Israel, "so schnell wie möglich damit aufzuhören, denn die Gefahr einer Eskalation steht wirklich vor der Tür", berichten Vatikanmedien. Zudem müsse der Libanon in Ruhe gelassen werden. Der Chefdiplomat des Vatikans äußerte sich am Mittwoch am Rande einer Buchvorstellung in Rom. 

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Neben außenpolitischen Themen skizzierte Parolin auch seine Zusammenarbeit mit Papst Leo XIV. "Es ist sehr einfach", sagte er über die gemeinsame Arbeit, "es gibt einen guten Dialog, einen schönen Austausch. Er hört viel zu, und es herrscht ein gutes Verhältnis." 

Anderer Stil im neuen Pontifikat

Parolin äußerte sich auch zum Stil von Papst Leo. Dessen Wortmeldungen seien "in Ton und Inhalt stets maßvoll, in einer Zeit, in der Recht hat, wer am lautesten und am häufigsten schreit, ohne seine Aussagen zu begründen". Der Vergleich von Leo XIV. mit dem "stärkeren, direkteren und prägnanteren Stil von Papst Franziskus" zeige, dass jeder Papst sein Amt anders ausübe.

"Alle haben das Erbe ihrer Vorgänger aufgegriffen und ihren eigenen Dienst an der Kirche weiterentwickelt. Auf diese Weise entsteht Kontinuität", so Parolin, der bereits seit 2013 Kardinalstaatssekretär und damit die Nummer zwei im Vatikan ist.

Vatikandiplomatie

Der Heilige Stuhl unterhält derzeit diplomatische Beziehungen zu 183 Staaten weltweit. Hinzu kommen die EU und der Souveräne Malteserorden. 88 Staaten sowie die EU und der Malteserorden lassen ihre Botschafter beim Heiligen Stuhl in Rom residieren. Ferner sind die Arabische Liga, die Internationale Organisation für Migration und das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR mit eigenen Gesandten beim Vatikan vertreten.

Vatikanflagge zwischen USA-Flaggen / © Michael Reynolds (dpa)
Vatikanflagge zwischen USA-Flaggen / © Michael Reynolds ( dpa )
Quelle:
KNA