US-Katholiken verfolgen deutschen Synodalen Weg skeptisch

Ein Hardliner spricht von Schisma

Der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland sorgt in den Vereinigten Staaten für gemischte Reaktionen - von Hoffnung bis Entsetzen. Die US-Bischöfe bleiben vornehmlich auf Distanz.

Dritte Synodalversammlung / © Julia Steinbrecht (KNA)
Dritte Synodalversammlung / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Die Voten des Synodalen Wegs im Überblick

Bei der dritten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt haben die Teilnehmenden erstmals konkrete Beschlüsse zu Reformen in der Kirche gefasst. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) fasst nachfolgend wesentliche Inhalte und Abstimmungsergebnisse zusammen:

Eine Hand hält ein Gerät für die digitale Abstimmung am 5. Februar 2022 in Frankfurt. / © Julia Steinbrecht (KNA)
Eine Hand hält ein Gerät für die digitale Abstimmung am 5. Februar 2022 in Frankfurt. / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Der texanische Bischof Joseph Strickland ist ein Freund klarer Worte. Seine konservativen Ansichten richten sich oft gegen Reformbestrebungen in der katholischen Kirche. So verfolgt der Bischof von Tyler auch den Öffnungskurs von Papst Franziskus mit Argwohn. Und liberale Amtsbrüder werden öffentlich von ihm zurechtgewiesen.

Nun hat sich der 63-Jährige den Synodalen Weg zur Zukunft der Kirche in Deutschland vorgeknöpft. "Das ist schismatisch", geißelte er via Twitter die jüngsten Initiativen des deutschen Projekts. Bei einer Versammlung in Frankfurt hatten sich die Delegierten vor knapp einer Woche für weitreichende Reformen ausgesprochen. Diese sehen unter anderem eine Modernisierung der kirchlichen Sexualmoral vor. Gefordert werden zudem eine Öffnung des Priesteramtes für Frauen, eine Lockerung des Zölibats und Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht.

Strickland hält nichts von alledem. "Keine Autorität der Welt kann die Sünde segnen", lautete seine Reaktion auf die Beschlüsse von deutschen Laien und Bischöfen. "Betet für die Gläubigen in Deutschland, dass sie den Angriffen auf das Fundament ihres Glaubens durch ihre eigenen Hirten eine Absage erteilen", so der Texaner. Dann richtet er seine Kritik an die US-Bischofskonferenz: Etliche Mitglieder klatschten mit Blick auf den Synodalen Weg Beifall. "Aber der einzige Weg, den ich suche, ist der Weg Jesu Christi."

US-Kirche von konservativer Mehrheit dominiert

Wie viele der rund 170 Diözesanbischöfe in den Vereinigten Staaten den deutschen Weg kritisch sehen, ist unklar, zumal sich wenige offen dazu positionieren. Aber weiterhin wird die Kirche in den USA von einer konservativen Mehrheit dominiert, die mit Strickland als aggressivem Lautsprecher Modernisierungstendenzen skeptisch gegenübersteht. Die von Papst Franziskus angestoßene Weltsynode, die 2023 im Vatikan münden soll, gilt unter Rechtskatholiken als eine Art Trojanisches Pferd.

In einschlägigen US-Publikationen schießen sich die Wortführer auf den Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich ein, der im KNA-Interview beim Thema Homosexualität eine "Grundrevision der Lehre" forderte. Hollerich kommt bei der Weltsynode eine Schlüsselposition zu. Er wird als Generalrelator in Rom maßgeblich für die Erstellung des Arbeitstextes verantwortlich sein.

Konservative Online-Portale wie "The Pillar" fordern eine Abberufung des Luxemburger Erzbischofs. Ebenfalls zur Zielscheibe ist der Münchner Kardinal Reinhard Marx geworden - vor allem wegen seines Vorstoßes zur Abschaffung des Pflichtzölibats. "Hollerich, Marx und die Führung der deutschen Synodalversammlung präsentieren sich alle auffällig als Papst-Franziskus-Katholiken", schreibt "The Pillar" mit abschätzigem Unterton.

Alte Messe ist ein Reizthema

Differenzierter ordnet das Magazin "National Catholic Reporter" die Lage in Deutschland ein. Das Blatt führt den dortigen Reformwillen auf eine wachsende Ungeduld "nach einem turbulenten Jahr" zurück. Erwähnt werden die Kontroverse um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, die Veröffentlichung des jüngsten Missbrauchsberichts in München und die neuerliche Kritik am emeritierten Papst Benedikt XVI. Die Beschlüsse des Synodalen Wegs seien das Ergebnis eines "wegweisenden Reformprozesses, der 2019 als Reaktion auf die Missbrauchskrise begann", resümiert der "National Catholic Reporter". Allerdings könne das Vorhaben die deutschen Katholiken auf "Kollisionskurs" zum Vatikan bringen.

Die Theologin Phyllis Zagano von der Hofstra University, die Franziskus in Sachen Frauendiakonat beriet, unterstützt den deutschen Weg. Die Beschlüsse kämen zu einer Zeit, "in der die Kirche Mühe hat, mit einer Geschichte des Missbrauchs und des Klerikalismus umzugehen, der Frauen und Familien abschreckt", meint sie.

Unterdessen beschäftigen sich die US-amerikanischen Beiträge zu der von Papst Franziskus für 2023 einberufenen Weltsynode mit ganz anderen Fragen. Ein Reizthema ist die Alte Messe, deren Feier Papst Franziskus deutlich eingeschränkt hat. Erst kürzlich reichten Traditionalisten eine Petition mit Tausenden Unterschriften beim Bischof von Arlington vor den Toren Washingtons ein. "Wir beten inbrünstig dafür, dass Sie uns die Feier der außerordentlichen Form der Messe und anderer Sakramente erlauben." So unterschiedlich können die Anliegen in der Weltkirche sein.

Autor/in:
Thomas Spang
Quelle:
KNA
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