Ursula von der Leyen besucht Taizé

"Jede Generation hat Verantwortung"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bei ihrem Besuch in der christlichen Gemeinschaft von Taizé Solidarität und Dienstbereitschaft der Jugend gelobt. Für die evangelische Christin war es der erste Besuch dort.

Frere Alois Löser, Prior der Communaute von Taize, begrüßt Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission / © Oliver Sittel (KNA)
Frere Alois Löser, Prior der Communaute von Taize, begrüßt Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission / © Oliver Sittel ( KNA )

Diese Jugend in Taizé zu erleben, sei sehr inspirierend und mache mache sie zuversichtlich für die Zukunft Europas, sagte von der Leyen bei einer Begegnung mit Hunderten jungen Menschen in dem Dorf in Burgund. Taizé nannte sie einen "Ort der Reflexion und der Freude".

Jede Generation habe Verantwortung, Europa besser zu machen, betonte von der Leyen. Für ihre Generation sei es die Verantwortung, zu Solidarität und Frieden beizutragen und "uns mit unserem Planeten und seinen Ressourcen zu versöhnen". Dafür seien noch weit mehr Anstrengungen nötig als bisher. Um dem neuen Krieg um die Ukraine zu begegnen, müsse Europa zurück an seine Wurzeln gehen, zu den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs, so die Kommissionspräsidentin. Sie betonte: "Wenn die Ukrainer aufhören zu kämpfen, wird es keine Ukraine mehr geben."

Solidarität zwischen Generationen eingefordert

Neben Solidarität mit der Ukraine forderte von der Leyen auch Solidarität zwischen den Generationen ein. Ebenso wie die Jugend eine bewundernswerte Solidarität während der Corona-Zeit gezeigt habe, so müssten auch die Älteren Solidarität im Umgang mit den natürlichen Ressourcen beweisen, um den nachfolgenden Generationen das Überleben zu ermöglichen.

Die EU-Kommssionspräsidentin hält sich seit Freitag bis Sonntagmorgen in Taizé auf. Das von einer christlichen Bruderschaft geleitete Zentrum in Taizé ist ein Symbol der ökumenischen Bewegung und wurde zum Treffpunkt für Jugendliche aus aller Welt. Der Gemeinschaft gehören rund 100 Männer aus etwa 30 Ländern an, die aus der evangelischen und katholischen Kirche stammen. Davon lebt etwa ein Viertel in kleinen Fraternitäten in Asien, Afrika und Südamerika. Sie teilen ihr Leben mit Straßenkindern, Gefangenen, Sterbenden und Einsamen.

Das erste Mal in Taizé

Eine Chronologie von Taize - Die Geschichte eines "kleinen Frühlings"

12. Mai 1915: Geburt von Roger Louis Schutz-Marsauche als neuntes Kind der Familie im Dorf Provence im Schweizer Jura.

20. August 1940: Roger Schutz kauft ein Haus im Dorf Taize/Burgund, um dort eine geistliche Gemeinschaft aufzubauen. Das Haus nahe der Demarkationslinie zur deutschen Besatzung wird zur Herberge für Durchgangsflüchtlinge in die Schweiz.

1941: Schutz formuliert eine erste, stark franziskanisch geprägte Ordnung für ein künftiges gemeinschaftliches Leben in Taize.

Brüder der Gemeinschaft von Taizé beim gemeinsamen Gebet / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Brüder der Gemeinschaft von Taizé beim gemeinsamen Gebet / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Bereits zum Auftakt ihres Besuchs am Freitagabend sagte die Politikerin dem Schweizer Portal kath.ch, , die Gemeinschaft von Taizé wie auch die Europäische Union stünden für die Botschaft von Versöhnung und "Never again – nie wieder".

Sie kenne Taizé schon seit den 70er Jahren, so von der Leyen, als ihre Brüder und Cousins dort gewesen seien: "Ich selber war aber noch nie hier. Sie kamen verändert zurück. Das war fantastisch und hat großen Eindruck auf mich – die kleine Schwester – gemacht." Seit damals habe sie den Wunsch gehabt zu kommen: "Nun bin ich endlich hier und kann sagen: Die Stimmung ist fantastisch."

"Sehr bewegt" zeigte sie sich von Begegnungen mit Geflüchteten. Die Geschichten der Menschen aus der Ukraine, Syrien, Palästina und dem Südsudan seien inspirierend und machten demütig, schrieb sie am Samstag auf Twitter. "Ich bin Taize so dankbar, dass sie hier Aufnahme und Schutz erhalten. Ein wundervolles Beispiel von Menschlichkeit", so die EU-Politikerin.

Vertrauen auf Gott soll helfen

Von der Leyen äußerte sich "sehr glücklich" über ihren ersten Besuch in der ökumenischen Gemeinschaft im Burgund. Sie erlebe hier "bereichernde Momente der Reflexion und des Dialogs über Frieden und Versöhnung – Werte, die uns alle vereinen", so die evangelische Christin.

Frere Alois, der Prior der Bruderschaft, bezeichnete den Besuch von der Leyens als "wichtiges Zeichen" dafür, "dass die Bestrebungen und das Engagement der jungen Generation von den politischen Entscheidungsträgern und Institutionen wahrgenommen und berücksichtigt werden". Die Gemeinschaft von Taizé wolle jungen Menschen ein Gespür dafür geben, dass das Vertrauen auf Gott ihnen helfe, "einen Sinn in ihrem Leben zu finden und im Alltag Verantwortung zu übernehmen".

Quelle:
KNA