Günther Jauch hat "der Kirche viel zu verdanken"

Ungewöhnliche Einblicke in die katholische Seele des TV-Stars

Sechs Stunden und 26 Minuten lässt sich Günther Jauch in einem neuen Podcast befragen. Es geht um Gott und die Welt, wie man landläufig sagt. Wobei spannende Fragen rund um Gott tatsächlich fast eine halbe Stunde füllen.

Günther Jauch / © Soeren Stache (dpa)
Günther Jauch / © Soeren Stache ( dpa )

Wenn sie könnten, würden die Deutschen ihn wohl zum Bundespräsidenten wählen. Oder zum Kanzler. Aber wäre Günther Jauch auch ein guter Priester? Genau danach wird er unter anderem gefragt in einem neuen Podcast, in dem Jauch ungewöhnliche Einblicke in seine katholische Seele zulässt.

Das fängt damit an, dass der TV-Moderator dankbar dafür ist, in einer katholischen Familie aufgewachsen zu sein: "Ich verdanke der Kirche, was meine Kindheit und Jugend angeht, viel und habe den Glauben über all die Missstände der letzten Jahre trotzdem nicht verloren", sagt er in der neuesten Folge des "Zeit"-Podcasts "Alles gesagt". Er verstehe aber auch alle – gerade angesichts der Missbrauchsfälle, "die partiell oder völlig an der Kirche verzweifelt sind".

Vater in Berlin KNA-Chef

Der 65-Jährige, dessen Vater Ernst-Alfred Jauch lange das West-Berliner Büro der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) leitete, erzählt von einer "üblichen Karriere als Ministrant und Pfadfinder". Dort habe er – ganz im Gegensatz zu den fürchterlichen Missbrauchserfahrungen anderer – "so etwas nicht einmal ansatzweise erlebt, sondern eine sehr glückliche Zeit verbracht".

In dem insgesamt fast sechseinhalb Stunden dauernden Gespräch diskutiert Jauch fast eine halbe Stunde lang mit den Moderatoren Jochen Wegner und Christoph Amend über Fragen nach Gott, Glaube und Kirche. Dabei betont er, dass Glaube und Kirche für ihn untrennbar zusammengehören. Wenn er Menschen sagen höre, dass ein Austritt ja gar nichts an ihrem Verhältnis zu Gott ändere, sei er sich fast immer sicher, "dass sie am Ende nur die Kirchensteuer sparen wollen".

Zweifel am Sinn des Zölibats

Auf die Frage, was er an der katholischen Kirche ändern würde, kommt Jauch auf den Priestermangel zu sprechen. Dieser sei "absolut dramatisch" und habe aus seiner Sicht "nicht ausschließlich, aber doch zu einem großen Teil" mit dem Zölibat zu tun, also der Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Geistliche: "Die Annahme der Kirche, dass wenn ein Priester verheiratet ist, er sozusagen nicht mehr seine volle Konzentration dem Herrn im Himmel widmen kann, die halte ich für falsch."

Er sage das nicht nur mit Blick auf die Zahl der Priester, ergänzt der "Wer wird Millionär"-Moderator: "Ich glaube auch, dass das einem katholischen Pfarrhaus gut tun würde, wenn Mann, Frau und Kinder es mit Leben erfüllen." Wenn der Zölibat abgeschafft würde, so der TV-Star weiter, könne "tatsächlich ein Ruck durch die Weltkirche gehen – sowohl bei den Gläubigen als auch, was die Motivation des Bodenpersonals angeht".

Über das Beten schweigt er

Ob er glaube, dass dies tatsächlich passiere? Darauf entgegnet Jauch, bei den Generalsekretären der kommunistischen KPDSU in der Sowjetunion habe man auch lange keine Hoffnung gehabt, dass sich etwas bewegen könne.

Nicht beantworten will er die Frage, ob er bete, denn dann würden ihn alle fragen – "vom Petrusblatt bis zum Bistums-Anzeiger", wann, was und in welchen Situationen er bete. Auf die Frage nach dem Glauben erklärt er, es sei sicher sehr hilfreich in vielen Lebenslagen, zu akzeptieren, "dass der Mensch nicht das Maß aller Dinge ist".

Pfarrer, Kanzler, Präsident?

Und wäre Günther Jauch ein guter Pfarrer geworden? "Die Versuchungen am Wegesrand hätten das verhindert", ist die erste spontane Antwort.

Die er dann ergänzt um die Aussage, dass er sich dafür nicht eigne – genauso wenig wie für das Amt des Präsidenten oder des Kanzlers, das ihm in Umfragen immer wieder zugetraut werde.

Die ein oder andere Voraussetzung für den Dienst am Altar bringe er allerdings schon mit, schiebt der TV-Plauderer dann noch nach: "Mich hat Kirche immer interessiert, ich war auch mal relativ bibelfest" – und früher hätte er auch noch "die 80 gängigsten Kirchenlieder bis zur dritten Strophe" aufsagen können.

Und heute? Zumindest "eines der schönsten Kirchenlieder" kann er noch fast komplett auswendig: "Ein Haus voll Glorie schauet." Ein wunderbares Schlusslied für einen schönen Gottesdienst, so Jauch: "Wenn da die Orgel auch richtig reindonnert, das ist was fürs Gemüt."

Hinweis: Kompletter Podcast "Alles gesagt" mit Günther Jauch

Quelle:
KNA
Mehr zum Thema