Pfarrer gewinnt bei "Wer wird Millionär" 32.000 Euro

"Theologische Sachen können Sie mich eher fragen"

Seine Mathe-Schwäche wäre dem eher geisteswissenschaftlich interessierten Pfarrer Martin Fohl aus Plaiskirchen fast zum Verhängnis geworden, als Güther Jauch ihm die 32.000-Euro-Frage stellte. Trotzdem ist er mit sich im Reinen.

Martin Fohl bei "Wer wird Millionär" / © Frank Hempel (TV NOW)
Martin Fohl bei "Wer wird Millionär" / © Frank Hempel ( TV NOW )

DOMRADIO.DE: Sie waren als Pfarrer, erkennbar im Kollarhemd, in der Quizshow. Hat das Reaktionen hervorgerufen bei Moderator, Mitratenden und Produktions-Team?

Martin Fohl (Ortsgeistlicher in Plaiskirchen bei Altötting): Nö, die waren einfach nur sehr freundlich zu mir. Es war kein Problem, mein Priesterhemd wurde frisch aufgebügelt, das im Übrigen aus Köln stammt!

DOMRADIO.DE: Wo ja auch RTL sitzt und vielleicht mal so Sprüche kommen von wegen "mit Beistand von oben kann ja nix schiefgehen" oder so? Ist Ihnen sowas gar nicht begegnet?

Fohl: Nee, darüber wurde im Vorfeld eigentlich gar nicht gesprochen. Sie waren alle sehr freundlich, alle sehr bedacht. Es ging auch sehr ruhig und leise zu. Also das war richtig eine meditative Geschichte, würde ich fast sagen.

DOMRADIO.DE: Solche Sendungen sind ja aufgezeichnet. Aber natürlich darf dann noch keiner was sagen, bis es dann ausgestrahlt wird. Sie können ja auch ein Beichtgeheimnis wahren, ...

Fohl: Ich hoffe und versuche es. Und bisher ist es mir gelungen, um Gottes Willen. Ich müsste mich ja dafür auch kreuzigen lassen. So in der Richtung!

DOMRADIO.DE: …wie lange mussten Sie das jetzt für sich behalten, dass Sie da so gut abgeschnitten haben?

Fohl: Die Aufzeichnung der Sendung war am 24. März, einen Tag vor Mariä Verkündigung.

DOMRADIO.DE: Waren Sie denn trotz der ruhigen, meditativen Atmosphäre aufgeregt, als Sie dorthin gefahren sind? Es ging ja auch um viel Geld und so...

Fohl: Ja, ja, ich war schon aufgeregt. Ich leide ab und zu unter ein bisschen Migräne und wollte aber jetzt nicht schon wieder Schmerzmittel holen. Also hatte ich dann das Kopfweh auch noch mit in die Sendung hineingebracht, habe aber keinem was gesagt. Ich will ja nicht jedem zur Last fallen. War also schon aufgeregt, ein bisschen schlecht geschlafen habe ich auch. Aber das gehört zum Leben dazu. Das ist genauso wie wenn man Prüfungen hat, da muss man durch. Und, naja, ich denke, es ist recht gut gelungen.

DOMRADIO.DE: Jetzt sagen Sie, Sie hatten ein bisschen Kopfweh und dann ging es auch noch ums Kopfrechnen: Das war ja dann diese 32.000-Euro-Frage, bei der Günther Jauch Sie ja auch ein bisschen provoziert hat… Können Sie Mathe sonst, normalerweise?

Fohl: Ein bisschen, aber ich muss ganz ehrlich sagen, das war nicht mein Leistungsfach. Ich hatte Bio, Geschichte, Deutsch als Leistungsfächer, damals hatte man drei Leistungsfächer.

DOMRADIO.DE: Und was war da los bei den 32.000 Euro?

Fohl: Das war so eine Potenzrechnung, die man im zehnten Schuljahr wahrscheinlich lernt oder im neunten. Und wenn du dann das Potenzrechnen 30 Jahre lang nicht übst, das dann aufzulösen, dann ist das genauso, wie wenn man eine Formel vergessen hat, zack aus. Wie geht man da nochmal ran? Ich habe ja mehr theologische Bücher, Thomas von Aquin, Albertus Magnus. All diese theologischen Sachen können Sie mich ein bisschen mehr fragen, vor allem im dogmatischen Bereich! Aber hier das da? Also ich kann euch sagen, das war... Aber wenn man das vergisst, dann muss man es halt anerkennen, dass man da auch nicht weiter weiß. Ich kam dann noch auf diese Potenzzahl, habe ich ja noch ein bisschen hineingerufen, aber der Zug war eigentlich schon abgefahren.

DOMRADIO.DE: Sind Sie jetzt schon häufig angesprochen worden?

Fohl: Ja, ja, heute Morgen noch von den Kindern in der Schule, da haben wir deswegen eine Fragestunde gemacht. Aber es ging! Nach zehn, fünfzehn Minuten waren die Fragen erschöpft. Ich habe auch gesagt, "mei, das ist eine schöne Sendung, aber nicht die Hauptsache". Natürlich ist es ein Höhepunkt in meinem Leben jetzt, das ist klar. Aber jetzt machen wir Schule weiter. Es gibt noch Wichtigeres. Wir müssen alle weiter lernen. Und Beten! Aber ich habe ihnen die Zeit gegeben, sie konnten fragen, solange sie wollten.

DOMRADIO.DE: 32.000 Euro haben Sie mit nach Hause nehmen dürfen. Was macht Sie damit?

Fohl: Einen Teil spenden, nach Uganda. Dort ist vom seraphischen Liebeswerk von den Kapuzinerpatres bei uns in Altötting schon vor Jahren etwas initiiert worden. Und da spende ich dem Kinder- und Waisenheim. Ein bisschen was kriegt mein Bruder und den Rest brauche ich auch. Ich habe auch eine Eigentumswohnung. Ich muss schauen, wo man später als Pfarrer mal bleibt.

DOMRADIO.DE: Kaufen Sie sich vielleicht auch ein neues Jagdhorn?

Fohl: Das weiß ich noch nicht. Es sei denn, höchstens mal Trompete. Das würde mich reizen. Oder Posaune, Ventilposaune oder so Geschichten. Aber ich spiele jetzt im Augenblick Zither, da muss ich mich auch noch verbessern. Harfe würde ich auch immer gern spielen.

DOMRADIO.DE: Sie haben ja auch gestern in der Sendung das Jagdhorn geblasen. Warum hatten Sie es dabei?

Fohl: Die haben im Vorfeld gesagt, ich soll ein Instrument mitbringen. Und ich kann ja Gitarre und Zither. Und Zither ist besser, wenn man es zusammen in einer Gruppe spielt. Und Gitarre - mei - das können viele spielen. Und ich bin jetzt kein spanischer klassischer Gitarrist, der da einen vom Leder ziehen kann mit der Gitarre. Aber ich kann auch Horn, das geht immer, ist das klare Signal. Und das ist auch mal was anderes.

DOMRADIO.DE: Aber Sie sind als Pfarrer kein Jäger, oder?

Fohl: Nein, ...

DOMRADIO.DE: Dann ist ja gut.

Fohl: ...aber es gibt auch Pfarrer, die Jäger sind. Das ist legitim, sag ich immer. Sie merken schon, ich bin jetzt nicht gegen die Jagd an und für sich. Das aber natürlich immer waidgerecht!

Das Interview führte Uta Vorbrodt.


Quelle:
DR
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